Rösti-Nachfolge

Blocher: Notfalls muss Tochter Magdalena vorläufig übernehmen

Von Jennifer Furer

11.3.2020

Christoph Blocher und Caspar Baader lassen durchblicken, dass die SVP die möglichen Nachfolger von Noch-Parteichef Albert Rösti gefunden hat. Und: Notfalls müssten die Vizechefs vorübergehend einspringen.

Eigentlich hätte die SVP am 28. März in Basel ihre neue Parteispitze wählen sollen. Daraus wird nichts. Das Coronavirus lässt keine Delegiertenversammlung zu. Doch Noch-Parteipräsident Albert Rösti lässt verlauten, dass er nicht länger an der Spitze bleiben will. 

Das stellt die grösste Partei des Landes vor ein Problem. Eine Lösung muss her.



Ex-Fraktionschef Caspar Baader, der die Findungskommission leitet, ist sich über die weitere Vorgehensweise sicher: «Wenn ein Präsident seine Arbeit nicht weiter verfolgen kann oder will, ist es Sache der Vizepräsidenten, seine Aufgaben zu übernehmen», sagt er zu «Bluewin».

Auf gut Deutsch: Laut Baader müssten nun also die Nationalrätinnen Magdalena Martullo-Blocher und Céline Amaudruz sowie Ständerat Marco Chiesa in die Bresche springen.



Während eine vorübergehende Nachfolgelösung für Rösti gesucht wird, bemüht sich die Findungskommission unter Baader nach einer langfristigen Lösung. Die sie dann wiederum dem Parteileitungsauschuss vorschlagen muss. «Unsere Aufgabe war es, bis zur Delegiertenversammlung einen Vorschlag zu machen. Wir sind gut im Fahrplan», sagt Baader. Das bereits ein potenzieller Kandidat gefunden ist, scheint dieser Aussage nach plausibel. Baader will dazu aber keine Details verraten.

Blocher spricht von «guten Kandidaten»

Auch SVP-Übervater Christoph Blocher sagt zu «Bluewin»: «Ich weiss, dass die Findungskommission mit guten Leuten im Gespräch ist, die das Amt auch übernehmen wollen.» Er habe vollstes Vertrauen in diese. Und: Für Blocher ist ebenfalls klar, dass die Vizepräsidenten das Parteipräsidium vorläufig übernehmen müssen. Eine davon ist seine Tochter Magdalena Martullo-Blocher.



An den neuen Parteipräsidenten werden laut Blocher hohe Anforderungen gestellt. «Die SVP ist in der Krise. Es ist klar, dass die Partei an vielen Orten nicht funktioniert», sagt Blocher. «Die SVP muss saniert werden. Das ist die Aufgabe des neuen Parteipräsidenten.»


Der neue Parteipräsident der SVP müsse viel interne Arbeit leisten. «Diese Aufgabe steht im Zentrum, nicht die Karriere», so Blocher. Albert Rösti hätte diese Anforderungen nicht mehr erfüllt, wie er auch selbst sagt. «Er hat zu wenig interne Arbeit geleistet», sagt Blocher. Der bisherige Präsident solle sich vermehrt politischen und nicht parteiinternen Aufgaben widmen.

Kronfavorit Werner Salzmann

Öffentlich möchte Blocher nicht über seine Favoriten sprechen. Er sagt aber: «Bisher hat die SVP noch immer einen guten Parteipräsidenten gefunden.» Das er selber in die Bresche springe, sei indes wirklich ausgeschlossen. Und auch seine Tochter Magdalena Martullo-Blocher wolle langfristig nicht. «Sie hat sehr entschieden Nein gesagt», sagt Blocher.


Aus SVP-Kreisen heisst es, dass der Berner Ständerat Werner Salzmann auf der Poleposition steht. Andere Kandidaten, die das Präsidium ausführen würden, seien zu wenig seriös und würden zu exponiert arbeiten, heisst es. Damit gemeint sind etwa der Zürcher Alfred Heer oder der Aargauer Andreas Glarner.

SVP-intern heisst es zudem, dass dem Parteipräsidenten ein unmachbarer Job bevorstehe. Von «Knochenarbeit» ist die Rede. Verlangt werde vom Parteipräsidenten, dass er in den SVP-Sektionen und Kantonalparteien aufräumt. Besonders im Aargau und Basel herrscht seit längerem Streit in der Parteiführung.

Niemand begeistert über Job

Es gehe darum, die Mitglieder wieder zu vereinen und Basisarbeit zu leisten. Neue Mitglieder und Leute, die politische Mandate für die SVP übernehmen, müssten gefunden werden.

Der neue Parteipräsident müsste im Vergleich zu früher mehr in der Schweiz umherreisen und mehr Zeit aufwenden. Das Mandat sei prozentual ausgebaut worden und immer noch nicht entlohnt. Nur die Spesen würden übernommen. Es gebe Leute, die diesen Job machen würden, aber begeistert an sich reissen will ihn niemand, heisst es weiter.

Aus SVP-Kreisen wird auch über einen Sprengkandidaten diskutiert, der bisher von niemandem erwartet würde. Eine Überraschung sei nicht ausgeschlossen, heisst es.

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