«Der Sommer dürfte relativ sicher sein»

uri

18.6.2021

Menschen geniessen das sommerliche Wetter am See in Zuerich, aufgenommen am Sonntag, 9. Mai 2021. (KEYSTONE/Ennio Leanza)
Menschen geniessen am 9. Mai das sommerliche Wetter am Zürichsee. (Symbolbild)
Bild: Keystone

Der Berner Experte Volker Thiel erwartet für die Schweiz trotz der Delta-Variante des Coronavirus einen ruhigen Sommer. Allerdings müsse man aufpassen, dass die Zahlen nicht wieder vor dem Herbst steigen würden.

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18.6.2021

Der Weltärztechef warnt wegen der Delta-Variante des Coronavirus vor zu raschen Lockerungen. Lissabon ist wegen eines Ausbruchs mit der Mutante über das Wochenende abgeriegelt, England und Wales verschieben weitere Öffnungsschritte. Für die Schweiz erwartet Volker Thiel, Virologe an der Uni Bern, jedoch keine vierte Welle.

«Der Sommer dürfte relativ sicher sein», sagte Thiel im Gespräch mit dem «Tages-Anzeiger». Zuversichtlich sei er, weil die Schweizer Impfkampagne schnell vorankäme, hierzulande hochwirksame mRNA-Vakzine zum Einsatz kämen und die Abstände zwischen erster und zweiter Impfung recht kurz seien.

Die Situation in der Schweiz sei zudem eine andere als in England, meint der Experte. Aufgrund der «starken Verbindung zu Indien» sei die dort erstmals entdeckte Delta-Variante relativ früh eingeschleppt worden.

Langer Abstand zwischen Impfungen in Grossbritannien

Auch schütze eine Dosis des Astrazeneca-Impfstoffs bekanntermassen nicht gegen diese Mutante. Gerade dieses Vakzin werde allerdings in Grossbritannien hauptsächlich verimpft – und dabei müsse zwischen erster und zweiter Dosis ein langer Abstand eingehalten werden. Aus diesem Grund sei immer noch mehr als die Hälfte der Bevölkerung nicht vollständig geschützt – trotz des insgesamt hohen Impftempos in Grossbritannen.



Im Zusammenspiel von Lockerungen und der Ausbreitung der Delta-Variante komme es auf der Insel deshalb nun zu einem starken Anstieg der Fälle. Strengere Massnahmen seien wohl erforderlich, bis ein grosser Teil der Briten doppelt geimpft sei, erklärt der Wissenschaftler.

Delta-Variante «nicht aus dem Auge verlieren»

Für die Schweiz sieht der Experte indes weiterhin eine «Gemengelage im Umbruch». Man werde erst sehen, wie sich die Pandemie entwickle, «wenn alle, die das wollen, durch die Impfung vollständig geschützt sind», sagte er.

Man dürfe die Delta-Variante aber trotz der guten Schweizer Ausgangslage «nicht aus dem Auge verlieren» und müsse «vor allem vor dem Herbst aufpassen, dass wir nicht wieder mit ansteigenden Zahlen konfrontiert werden», mahnt Thiel.

Jedem, der sich nun aber nicht impfen lasse, müsse klar sein, dass man «bewusst ein hohes Risiko» eingehe, «sich früher oder später zu infizieren». Und dazu werde es eher früher kommen, denn das Infektionsgeschehen werde sich auf die «Ungeimpften und noch nicht Infizierten verlagern», vermutet der Experte.

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18.06.2021