Kaum jemand will Johnson & Johnson, doch das dürfte sich ändern 

lmy

12.10.2021

Sicht in eine Anschrift des Impfstoffes Janssen von Johnson & Johnson, am Montag, 11. Oktober 2021, in Thun. Der sogenannte Vektor Impfstoff Covid-19 Vaccine Janssen gilt als Alternative zu den mRNA Impfstoffen. (KEYSTONE/Peter Schneider)
Impfzentrum in Thun: Die Nachfrage nach dem Impfstoff von Johnson & Johnson ist bisher gering.
KEYSTONE

Seit einer Woche kann man sich auch mit dem Impfstoff von Johnson & Johnson impfen lassen – doch die Nachfrage ist gering. Das könnte sich ändern, wenn die Kantone die Anmeldung für alle öffnen.

lmy

12.10.2021

Über eine Million würden sich in der Schweiz mit einer mRNA-Alternative impfen lassen, nur ein Drittel der Ungeimpften lehnt eine Impfung grundsätzlich ab. Zu diesen Schlüssen kam eine im Juli durchgeführte Umfrage. Politiker forderten eine Erweiterung des Angebots – etwa mit dem Vektor-Impfstoff von Johnson & Johnson, von dem nur eine Dosis verabreicht wird.

Dieser ist seit März in der Schweiz zugelassen, der Bundesrat nahm jedoch erst im Spätsommer Verhandlungen mit dem Hersteller auf und kaufte schliesslich 150'000 Dosen des Vakzins. Diese sind vor allem für Personen gedacht, die sich aus medizinischen Gründen – etwa wegen Allergien – nicht mit einem mRNA-Impfstoff impfen lassen können.

Nun steht der Impfstoff von Johnson & Johnson zur Verfügung – doch die Nachfrage ist bescheiden. Am ersten Tag gab es noch keinen Ansturm, insgesamt wurden in einer Woche 3467 Dosen verimpft. Zum Vergleich: In der letzten Woche wurden pro Tag rund 30'000 Dosen verabreicht, die meisten von Pfizer/Biontech und Moderna.

Anmeldung noch nicht für alle möglich

Warum ist die Nachfrage so gering? Die Kantone hätten momentan keine Erklärungsansätze dafür, sagte die Berner Kantonsärztin Linda Nartey am Dienstag vor den Medien. Man wolle das Angebot auf jeden Fall aufrechterhalten und den Leuten die Wahlmöglichkeiten offenhalten. Einige Personen seien nun vielleicht doch noch kritischer gegen das Impfen allgemein, auch wenn sie in einer Umfrage angegeben hätten, Interesse an einer mRNA-Alternative zu haben. 



Allerdings konnten sich in vielen Kantonen erst Personen anmelden, die aus medizinischen Gründen die mRNA-Impfstoffe nicht vertragen. Die Anmeldung für andere Personen ist ab dieser oder – etwa in Zürich – ab nächster Woche möglich. Andere Kantone haben gar noch nicht mit der Verimpfung angefangen.

Wünsche der Patient*innen berücksichtigen

Medizinisch angezeigt wäre der Vektor-Impfstoff nur für eine sehr kleine Minderheit der Bevölkerung. Allerdings braucht es kein ärztliches Attest, um ihn zu erhalten. «Man soll die Präferenzen und Ängste der Patientinnen und Patienten ernst nehmen. Im Sinne der evidenzbasierten Medizin sollten die Ärztinnen und Ärzte die Wünsche der Patienten berücksichtigen», sagte Charlotte Schweizer, Mediensprecherin der Verbindung der Schweizer Ärztinnen und Ärzte (FMH), blue News vergangene Woche.

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