Über eine Million würde sich mit mRNA-Alternative impfen lassen

SDA/lmy

19.9.2021

ARCHIV – Eine Arzthelferin zieht in einer Praxis einer Hausärztin eine Spritze mit dem Corona-Impfstoff Janssen von Johnson  Johnson gegen das Coronavirus auf. In Frankreich sind 70 Prozent der Menschen vollständig gegen das Coronavirus geimpft. Foto: Wolfgang Kumm/dpa
Der Impfstoff von Johnson & Johnson ist eine Alternative zu den mRNA-Impfstoffen – er ist in der Schweiz zugelassen.
Wolfgang Kumm/dpa

Gemäss einer Umfrage lehnt fast ein Drittel der Ungeimpften in der Schweiz die Impfung generell ab. Eine grosse Mehrheit nennt Angst vor mRNA-Impfstoffen als Grund für ihr Zuwarten – die Politik fordert nun eine schnelle Beschaffung von Johnson & Johnson.

SDA/lmy

19.9.2021

Die Schweiz könnte die Durchimpfung der Bevölkerung mit dem Angebot eines alternativen Impfstoffs zu den mRNA-Wirkstoffen von Pfizer und Moderna beschleunigen. Diesen Schluss lässt eine repräsentative Umfrage des Forschungsinstituts Sotomo vom Juli zu, über die die «SonntagsZeitung» berichtet.

Weit über eine Million bislang noch ungeimpfter Schweizer*innen würden sich demnach eine Spritze geben lassen, wenn der Bund einen alternativen Impfstoff zur Verfügung stellen würde. 72 Prozent der noch nicht Geimpften nannten als Grund für ihr Zuwarten, Angst vor den mRNA-Impfstoffen. Nur 31 Prozent lehnten hingegen die Impfung grundsätzlich ab.



Christoph Berger, Präsident der Impfkommission, sagt, es sei möglich, dass ein alternativer Impfstoff den Impffortschritt beschleunigen könnte. Und auch der oberste Kantonsarzt Rudolf Hauri meint: «Wir sind interessiert daran, dass sich mehr Leute impfen lassen. Deshalb würden wir es begrüssen, wenn vom Impfstoff von Johnson & Johnson eine grössere Menge zur Verfügung stünde.»

Von einer grossen Nachfrage nach einem alternativen Impfstoff wie etwa von Johnson & Johnson berichtet auch «20 Minuten». So erhielten Impfzentren wie auch die Zulassungsstelle Swissmedic zahlreiche Anrufe, die nach dieser Impfung fragten und ab wann sie möglich sei. Viele gäben dabei an, dass sie Vorbehalte gegen die mRNA-Impfstoffe hätten, sich aber gerne mit einem anderen Impfstoff immunisieren lassen würden.

Verhandlungen über Kauf

In der Schweiz liegt seit März die Zulassung für den Impfstoff von Johnson & Johnson vor. Der Bund verzichtete bislang auf einen Kauf. Zuletzt waren Verhandlungen am Laufen. Offiziellen Angaben zufolge geht es um eine «kleinere Menge», laut «SonntagsZeitung» wären das einige 100'000 Dosen. Diese seien vorwiegend für Menschen gedacht sei, die aus medizinischen Gründen auf mRNA-Impfungen verzichten müssten.

Für Politiker ist der Fall klar. «Das BAG muss jetzt so schnell wie möglich Impfstoff von Johnson und Johnson beschaffen, und zwar so viel, dass es für alle ausreicht, die sich nur mit diesem Vakzin impfen lassen wollen», sagt Nationalrätin Ruth Humbel (Mitte/AG), Präsidentin der Gesundheitskommission des Nationalrats. Der Schutz mit einer mRNA-Impfung sei zwar besser, doch eine Impfung mit Johnson & Johnson sei besser als gar keine.

Und Nationalrat Marcel Dobler (FDP/SG) forderte bei «20 Minuten»: «Ist die Nachfrage zu klein, muss man das Angebot erweitern. Das gilt auch für Impfstoffe.» Der Bund müsse nun pragmatisch vorgehen und sofort den Impfstoff von Johnson & Johnson beschaffen und für die breite Bevölkerung zulassen.

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