Experte über den Kran-Kletterer von Oerlikon

«Es geht um einen ernst zu nehmenden Hilfeschrei»

aru

17.5.2022

Mann besetzt seit Stunden einen Baukran in Zürich Oerlikon

Mann besetzt seit Stunden einen Baukran in Zürich Oerlikon

Ein Mann ist am Montagabend auf einen Baukran in der Nähe der Bahnhofs Zürich Oerlikon gestiegen. Am Dienstagmorgen setzte er die Kabine in Brand. Was er mit seiner Aktion bezweckt, ist unklar. Die Polizei hat die Umgebung abgesperrt, der Verkehr ist behindert.

17.05.2022

Nach zwölf bangen Stunden auf einem Kran gab der Mann am Dienstagvormittag auf: Wie konnte ihn die Polizei dazu bewegen und wo lauern bei solchen Gesprächen die Gefahren?

aru

17.5.2022

Ein Mann verschanzte sich für über zwölf Stunden auf einem Kran unweit des Bahnhofs Zürich-Oerlikon. Nachdem er mehrere Feuer gelegt hatte und der Zugbetrieb zwischenzeitlich zum Erliegen gekommen war, kletterte der Mann schliesslich herunter.

Doch wie ging die Polizei vor und worauf muss man bei Gesprächen mit solchen Personen achten? Psychotherapeut Felix Hof sagt zu blue News, dass es eine höchste anspruchsvolle Situation sei. «Denn man weiss nichts über die Beweggründe und die psychische Gesundheit dieses Menschen.»

Wichtig sei, dass man im direkten Austausch sehr sanft und vorsichtig vorgehe, um einen Einblick in die Erlebniswelt der Person zu erhalten: «Man muss in Erfahrung bringen, was die Person will. So kann man sie zu anderen Entscheidungen bewegen.»

Auch müsse man sehr langsam vorgehen, um den Menschen nicht zu überfordern. «Steht er unter Stress, könnte er überhastet agieren», so Hof.

«Man muss in Erfahrung bringen, was die Person will. So kann man sie zu anderen Entscheidungen bewegen.»

Psychologe Felix Hof

Felix Hof

Psychotherapeut

Was die Arbeit der Polizei zudem erschwerte, war die Lokalität hoch über den Dächern von Zürich. Solche Gespräche an solch exponierten und gefährlichen Orten zu führen, sei «die höchste Kunst der Verhandlungsführung», wie Hof sagt.

Verschiedene Verhaltensweisen gezeigt

Eine Einschätzung, was der Mann mit seiner Aktion bezweckt habe, sei schwierig, denn es seien verschiedene Verhaltensweisen gezeigt worden, so Hof. «Mit der Brandstiftung und dem Dinge-hinunterwerfen hat der Mann sicher eine grosse Aufmerksamkeit gesucht – die er schliesslich auch erhalten hat.»

«Bei dieser Aktion handelt es sich um einen ernst zu nehmenden Hilfeschrei. Der Mann sollte in nächster Zeit sicher nicht allein gelassen werden», so Hof.