Riskante Kontakte

Experten empfehlen Weihnachtsfeier im Freien

uri

2.11.2020

Grosseltern spazieren mit ihrem Enkel durch den verschneiten Arlenwald in Arosa GR: Experten halten das Weihnachtsfest im Freien für eine gute Idee während der Coronapandemie. (Symbolbiild)
Grosseltern spazieren mit ihrem Enkel durch den verschneiten Arlenwald in Arosa GR: Experten halten das Weihnachtsfest im Freien für eine gute Idee während der Coronapandemie. (Symbolbiild)
Bild: Keystone

Mit weiter steigenden Corona-Fallzahlen wird ein traditionelles Weihnachtsfest im grossen Familienkreis immer unwahrscheinlicher. Fachleute bringen deshalb eine Feier im Freien ins Spiel.

Die Schliessung von Discos, das Verbot von Kontaktsport, Maskenpflicht im Freien und das Verbot von privaten Treffen mit mehr als zehn Personen: Am vergangenen Mittwoch hat der Bundesrat die Massnahmen im Kampf gegen die Coronapandemie drastisch verschärft.

Eine grosse Familienfeier mit mehr als zehn Personen wird vor diesem Hintergrund wenig wahrscheinlich. So rechnete auch Bundesrat Alain Berset in einem Live-Chat von «20 Minuten» nicht damit, dass diese Regel bis zu den Feiertagen wieder ausser Kraft gesetzt ist. «Ich würde im Moment nur mit zehn Leuten eine Feier planen», sagte er.

Doch selbst wenn die Politik die Regeln bis zu den Feiertagen wieder geändert haben sollte, halten Experten auch dann nicht viel von einer traditionellen Feier im grossen Familienkreis.

Personenkreis so klein wie möglich halten

Um vor allem ältere Familienangehörige bei Zusammenkünften wie an Weihnachten zu schützen, brachte der deutsche Virologe Christian Drosten zuletzt bereits eine sogenannte «Vorquarantäne» ins Gespräch. Dabei sollen sich vor dem Zusammentreffen alle Beteiligten idealerweise für rund eine Woche weitgehend selbst isolieren.

Auch das Bundesamt für Gesundheit (BAG) erklärte «20 Minuten», Kontakte vor dem Fest seien möglichst zu vermeiden. BAG-Sprecher Daniel Dauwalder sagte dazu, man solle «den Personenkreis so klein wie möglich halten». Das bedeute sicher weniger als zehn Personen und «idealerweise nicht mehr als zwei Haushalte gleichzeitig.»

Bei der Feier in Innenräumen solle man zudem auf die Distanz- und Hygieneregeln achten und regelmässig lüften, womöglich sogar Masken tragen. Um das Ansteckungsrisiko möglichst klein zu halten, rät das BAG indes auch zu weihnachtlichen Aktivitäten im Freien, wie «20 Minuten» schreibt. Das könne etwa eine Fackeltour im Wald sein oder eine Waldweihnacht.

Auch im Freien ist ein schönes Erlebnis möglich

Dieser Idee kann auch Otto Kölbl von der Universität Lausanne etwas abgewinnen. Kölbl, der kein Mediziner ist, sich jedoch mit den soziologischen und ökonomischen Entwicklungen rund um die Coronapandemie beschäftigt, hält eine Selbstisolierung vor dem Weihnachtsfest etwa für wenig praktikabel. Für Kinder und Jugendliche sei das fast nicht durchzuführen – und sogar bei Erwachsenen alles andere als einfach, erläuterte er «20 Minuten». Ausserdem bestehe auch dann das Problem der asymptomatisch Infizierten, die sich zu Weihnachten gut und gesund fühlen könnten, aber trotzdem hochinfektiös seien.

Vor diesem Hintergrund empfiehlt Kölbl, dieses Jahr im Freien zu feiern. «Wir sind eine Skifahrer-Nation, und gegen die kalten Temperaturen kann man sich wappnen», sagt er. Für das Fest im Freien könne man gut Stadtpärke, Grillplätze im Wald und sonstige Naherholungsgebiete nutzen.

Kölbl meint, mit der richtigen Kleidung, «einem Feuer und einem grossen Topf Glühwein», könne Weihnachten auch dann ein schönes Erlebnis werden. Auch seien viele Grosseltern rüstig genug und würden häufig ohnehin lange Spaziergänge machen. Zu beachten sei jedoch auch bei dieser Art der Feier, dass sich die beteiligten Haushalte möglichst wenig mischen würden und «etwa alle mit unterschiedlichen Autos anreisen».

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