Für Abfallsünder wird's teuer – so viel Busse kostet Littering in der Schweiz

tsch

9.11.2018 - 12:29

Den Müll einfach fallenlassen, obwohl ein Kehrichtbehälter in der Nähe ist? Das kann ziemlich teuer werden. Die Bussen für Littering sind schweizweit allerdings sehr unterschiedlich.
Symbolbild / Keystone 

Für Abfallsünder wird es im Kanton Aargau künftig überall teuer: Flächendeckend sollen 100 Franken Busse fällig werden, wenn jemand beim Littering erwischt wird. Wie sieht es im Rest der Schweiz aus?

Manch einer mag denken, dass 100 Franken für einen achtlos weggeschnippten ZIgarettenstummel oder eine in die Pampa geworfene Bierdose zu viel sind. Doch der Vorstoss des Aargauer Regierungsrates, Güsel-Grüsel ab Mitte 2019 ausnahmslos und einheitlich zu büssen, wirft ein Schlaglicht auf ein immer grösser werdendes Problem der Konsumgesellschaft.

Das achtlose Wegwerfen von Abfällen im öffentlichen Raum ist kein Kavaliersdelikt. Es ist – augenscheinlich – ein ästhetisches Ärgernis: Und es ist eine Belastung für die Umwelt. Wer will schon durch einen Park voller Plastiktüten spazieren oder das Gift aus Zigarettenstummeln im Seewasser haben? 



Nicht zuletzt belastet Littering das Steuersäckli unnötig und verursacht in der Schweiz jährlich Reinigungskosten von rund 200 Millionen Franken. Darauf weist das Bundesamt für Umwelt (BAFU) auf seiner Homepage hin. Hinzu kämen Kosten für Prävention und Aufklärung, ausserdem würde der Tourismus in einer «verdreckten» Schweiz Schaden nehmen.

Eigentlich wollen's die Leute ja sauber, aber wenn sie selbst nicht genug dafür tun, müssen sie zur Ordnung gerufen werden. Das geht am besten über den Griff in den Geldbeutel, finden jetzt die Aargauer, und sie stehen damit nicht allein da. Auch wenn der Bundesrat 2016 eine schweizweite Lösung zur Sanktionierung von Littering-Verstössen abgelehnt hat: In vielen Kantonen gibt es bereits Bussen für Abfallsünder.  

Weil die Kantone und teilweise sogar die Gemeinden die Höhe der Bussen selbst festlegen, führt das zu erheblichen Unterschieden. Im Aargau etwa kann man mancherorts bislang auch mit 40 Franken davonkommen. Erheblich teurer ist es bereits in Bern und der Westschweiz.

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Wer in Lausanne im Kanton Waadt einen Zigarettenstummel wegwirft oder den Kot seines Hundes nicht wegräumt und dabei erwischt wird, zahlt vor Ort 150 Franken. Öffentliches Urinieren kostet 200 Franken und Spucken 110 Franken. Etwas billiger kommt man in Zürich davon: Hier kosten Zigarettenstummel und Spucken je 80 Franken.

Der Kanton Bern hat erst Anfang des Jahres die Bussen für Littering drastisch erhöht. Das Liegenlassen von Hundekot oder das Ausleeren eines Aschenbechers kostet 150 Franken (zuvor 80 Franken), die achtlos weggeworfene Bierdose schlägt mit 80 Franken (zuvor 40 Franken) zu Buche.



Einzelne Kleinabfälle wie Dosen, Flaschen, Papier, Verpackungen, Zigarettenstummel, Kaugummi, Essensreste kosten im Thurgau 50 Franken. Für falsch entsorgte Kehrichtsäcke oder Kleinabfälle in grösseren Mengen werden 250 Franken fällig.

Auch in der Zentralschweiz wird gebüsst, wer seinen Dreck nicht wegräumt. In den Kantonen Zug, Schwyz und Obwalden zahlt man zwischen 50 und 100 Franken, in Uri können bis zu 300 Franken Busse verhängt werden.

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Solothurn «erzieht» mit Extra-Busse

Eine besondere Erziehungsmassnahme hat sich der Kanton Solothurn einfallen lassen. Wer erwischt wird und dazu keine Reue zeigt oder sich gar weigert, seine Abfälle zu entsorgen, zahlt extra 20 Franken, die auf die Busse für Kleinabfälle (40 Franken), Hundekot (80 Franken) oder Kehrichtsäcke (250 Franken) aufgeschlagen werden.

Neu hat auch der Kanton Freiburg am 8. November eine Änderung des Abfallgesetzes beschlossen. Dort kann die Polizei künftig Bussen zwischen 40 und 60 Franken gegen Abfallsünder verhängen.

Im Vergleich zu anderen Regionen ist das eine milde Strafe. Aber vielleicht taugt sie, um das Güsel-Problem einzudämmen. Im Kanton Aargau hatten sich einige Parteien übrigens für Bussen in der Grössenordnung von 300 Franken ausgesprochen, um ein «starkes politisches Signal an die Bevölkerung zu senden und die Eigenverantwortung zu fördern».

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