«Brauchen eine Perspektive» – rasche Öffnung gefordert

SDA/gbi

9.2.2021 - 12:56

ARCHIVBILD ZUR MELDUNG, DASS DER BUNDESRAT DIE RESTAURANTS BIS ENDE FEBRUAR SCHWEIZWEIT SCHLIESSEN WILL, AM MITTWOCH, 6. JANUAR 2020 - Chef Linus Caduff haengt ein Schild vor das Cafe Arcas mit der Aufschrift
Der Gewerbeverband verlangt, dass der Bundesrat den KMU wieder eine Perspektive bietet. 
Bild: Keystone

Schluss mit Lockdown: Die geltenden Corona-Massnahmen sollen ab dem 1. März wieder aufgehoben werden, fordert der Schweizerische Gewerbeverband. Die Kantonsärzte dagegen mahnen zur Geduld.

Der Unmut über den aktuellen Lockdown im Land wächst. Das zeigt sich an einer Petition, die einen Stopp des aktuellen Lockdowns fordert und innert kurzer Zeit von rund 87'000 Personen unterschrieben wurde, wie der Initiator Leroy Bächtold am Montag mitteilte. Die Unterstützung für sein Anliegen sei schlicht überwältigend, so der Zürcher Jungfreisinnige.

Die aktuell gültigen Covid-Massnahmen gelten bis mindestens Ende Februar. Dass gleich Anfang März alles wieder geöffnet und gelockert werden kann, diese Hoffnung wollte Bundesrat Alain Berset letzte Woche vor den Medien nicht befeuern. Grund seien die sich weiter ausbreitenden Virus-Mutationen, die besonders ansteckend sind. Berset zeigte Verständnis, dass dies «eine sehr schwierige Situation ist». Doch sollte man das Erreichte «nicht aufs Spiel setzen», so der Gesundheitsminister.

Gewerbeverband fordert eine Exit-Strategie

Für den Schweizerischen Gewerbeverband (SGV) dagegen ist die Schmerzgrenze erreicht. Jeder Tag mehr im Lockdown verursache immense Kosten und Leid. «Die Lockdown-Strategie ist gescheitert», erklärte SGV-Präsident Fabio Regazzi am Dienstag an einer online durchgeführten Medienkonferenz. Der Verband fordert eine Öffnung ab dem 1. März.

Der Bundesrat müsse jetzt eine Exit-Strategie aufzeigen, da die KMU eine Perspektive in ihrer schwierigen Situation benötigten, sagte Regazzi. Mitglieder des Verbands hätten in Rückmeldungen von einer noch nie dagewesenen Katastrophe gesprochen, von Panikattacken und davon, dass eine Geschäftstätigkeit unmöglich geworden sei.

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Mit einem gezielten Schutz und Massnahmen, wie Impfungen, Testungen und Contact Tracing, könne die Wirtschaftsfreiheit wieder gewährleistet werden. Auch der gesellschaftliche Austausch könnte sich so wieder schrittweise normalisieren, sagt Regazzi. Der SGV erwartet zudem, dass das Covid-Impfprogramm bis Ende Juni abgeschlossen ist.

Der Gewerbeverband vertritt nach eigenen Angaben als grösste Dachorganisation der Schweizer Wirtschaft über 230 Verbände und gegen 500'000 KMU-Betriebe. Dies entspreche einem Anteil von 99,8 Prozent aller Unternehmen im Land.

Exitstrategie des Bundes gefragt

«Die Lage ist düster und wir benötigen dringend eine Perspektive», erklärte auch SGV-Direktor Hans-Ulrich Bigler. Der Lockdown sei «ein Hungerkurs für Gesellschaft und Wirtschaft». Trotz stagnierender oder leicht sinkender Zahlen würden offenbar nach dem Vorbild des Auslands «unverhältnismässige Massnahmen» eingeführt, kritisierte Bigler.



Diesem Vorwurf widerspricht zumindest der Basler Kantonsarzt Thomas Steffen, der auch Mitglied im Vorstand der Kantonsärzte-Vereinigung ist: Im Vergleich zum Ausland seien die Schweizer Covid-Bestimmungen milder, gab Steffen in der SRF-«Tagesschau» vom Montagabend zu bedenken. Auch ihm geben die Virus-Mutationen zu denken und: «Wir sind mit den Impfungen noch nicht so weit.» Nicht zuletzt deshalb müssten Lockerungen nach Ansicht des Kantonsarztes noch warten. 

Gewerbeverband für «komplette Flexibilisierung»

Zumindest beim SGV ist die Geduld aufgebraucht. So fordert der Verband sofort flankierende Massnahmen, damit die KMU geordnet wieder öffnen könnten und gleichzeitig das Ansteckungsrisiko minimiert werde. Werner Scherrer, Präsident des kantonalen Gewerbeverbandes Zürich, erwähnte etwa Terrassen- und Outdoorbetriebe für Restaurants, grosszügige und flexible Ladenöffnungszeiten im Detailhandel oder neue Verkaufsformen wie «Privat Shopping».

«Es braucht eine komplette Flexibilisierung, damit jedes Unternehmen seinen eigenen Weg gehen kann», so Scherrer. Auch die Homeoffice-Pflicht müsse sofort aufgehoben werden, diese habe ausser hohen Kosten nichts gebracht.

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