Coronavirus und Körperkontakt, wie geht das?

Anna Kappeler

27.4.2020 - 16:35

Trotz Körperkontakt die Hygienevorschriften des Bundesamtes für Gesundheit BAG einzuhalten, das ist die Herausforderung für Masseure in Zeiten von Corona.
Bild: zVg

Anstehen vor Baumärkten, Andrang bei Coiffeuren – doch wie halten Masseure die Hygienevorschriften ein? Hier verschieben manche Patienten aus Angst vor engem Körperkontakt ihre Behandlung auf später.

Massagen beinhalten Körperkontakt, logisch. Doch genau das ist in Zeiten von Corona für Masseurinnen und Masseure eine Herausforderung. Gleichwohl darf ab heute Montag in Massage-Praxen wieder normal gearbeitet werden.

Wie das geht? «Wir versuchen trotz Körperkontakt die Hygienevorschriften des Bundesamtes für Gesundheit BAG einzuhalten», sagt Sabrina Nickel, die Geschäftsführerin des Verbands der medizinischen Masseure Schweiz. Der Verband hat zusammen mit Fachpersonen ein Schutzkonzept und Richtlinien erarbeitet. 



«Wir sind medizinische Gesundheitsfachpersonen und somit Hygienemassnahmen gewohnt.» Diese seien Teil der drei-jährigen Ausbildung, was in der Coronakrise helfe.

«Mit Handschuhen arbeiten wir nicht»

Nickel beschreibt den ab sofort geltenden Ablauf so: «Beim Eintritt in die Praxis vor der Massage desinfizieren sich Kunde und Masseur die Hände.» Der Therapeut trage immer eine Maske, der Patient während der Therapie ebenfalls. «Bei Mangel an Schutzmasken empfehlen wir den Patienten, ihre eigene Maske mitzubringen. Ist das nicht möglich, stellen unsere Therapeuten dem Kunden eine zur Verfügung.» Die Gefahr einer Tröpfcheninfektion bestehe immer, darum diese Vorsichtsmassnahme.

«Mit Handschuhen arbeiten wir nicht», sagt Geschäftsführerin Nickel. Die Massage werde nun einmal mit blossen Händen gemacht, da wären Handschuhe hinderlich. «Händewaschen vor – eventuell auch während – und nach der Massage sind selbstverständlich.» Ebenso eine gründliche Desinfizierung aller Gegenstände inklusive Türfallen etc. nach jedem Patienten.

«Kehren sukzessive zum Normalzustand zurück»

In den letzten sechs Wochen wurden nur die zwingend notwendigen Therapien durchgeführt, ab heute auch alle anderen wieder. Kommt es zum Ansturm? Nickel winkt ab: «Wir befürchten, dass einige Patienten Angst vor engem Körperkontakt haben und deswegen ihre Behandlung auf einen späteren Termin verschieben.» Dafür sähe sie keinen Grund.



Die Terminanmeldungen deuten laut Nickel darauf hin, dass die medizinischen Masseure «sukzessive zum Normalzustand zurückkehren». Die Mitglieder seien froh und dankbar, dass es heute wieder losgehe, so Nickel, auch wenn das einen Zusatzaufwand bedeute. 

Die ganzheitlichen Therapiemethoden der medizinischen Masseure stärkten das Immunsystem. Es brauche nun Aufklärungsarbeit. «Wir sind überzeugt, dass die Terminbuchungen während und nach der Coronazeit stark ansteigen», sagt Nickel.

Wie gesunde Leute ab 65 behandeln?

Für Diskussionen sorgte bei den Masseuren die Frage, wie mit gesunden Leuten ab 65 umzugehen sei. Diese gehören laut BAG zur Risikogruppe. «Wir haben uns dafür entschieden, dass wir auch Leute über 65 Jahren therapieren, sofern diese keine Vorerkrankung haben», sagt Nickel. Das sei die Empfehlung des Verbands, liege aber in der Verantwortung des medizinischen Masseurs.

Für die Kategorie der besonders gefährdeten Personen empfehlt Nickel, den Patienten nur nach Absprache mit einem Arzt zu therapieren. «Und klar: Alle mit Husten oder Fieber kommen nicht in die Praxis», sagt sie.

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