Palmen statt Kastanien

In Basel sieht's schon bald aus wie in Lugano

Von Gabriela Beck

10.8.2022

Von Bewässerungssäcken bis zu erzieherischen Giessmethoden – europäische Städte lassen sich einiges einfallen, damit ihre Bäume den heissen, trockenen Sommer überleben: Die Basler Stadtgärtnerei bewässert junge Bäume im Juli. (KEYSTONE/Georgios Kefalas)
Von Bewässerungssäcken bis zu erzieherischen Giessmethoden – europäische Städte lassen sich einiges einfallen, damit ihre Bäume den heissen, trockenen Sommer überleben: Die Basler Stadtgärtnerei bewässert junge Bäume im Juli. (KEYSTONE/Georgios Kefalas)
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Die aktuelle Hitzewelle macht Bäumen zu schaffen. Zunehmend mehr Städte greifen deshalb zu teils ungewöhnlichen Massnahmen, um sie über den Sommer zu retten. In Basel sollen Palmen gepflanzt werden.

Von Gabriela Beck

10.8.2022

Bäume tragen wesentlich dazu bei, dass sich Städte mit ihren Beton- und Asphaltflächen nicht unerträglich aufheizen. Ein ausgewachsener Laubbaum kühlt die Luft in seiner Umgebung, indem er an einem heissen Sommertag bis zu 400 Liter Wasser über seine Blätter verdampft. Zudem schafft er es, mit 15 Metern Kronendurchmesser eine Fläche von 160 Quadratmetern zu beschatten – was der Fläche einer Fünf-Zimmer-Wohnung entspricht. Dafür braucht er bei sommerlichen Temperaturen zwischen 60 und 80 Liter Wasser – wenn das Thermometer über 30 Grad klettert, auch mehr.

Umso dramatischer ist es, dass insbesondere die Stadtbäume von den aktuellen Hitzewellen bedroht sind: Weil es nicht genug regnet, können sie ihre Wasserreserven nicht nachfüllen. Um sich vor dem Vertrocknen zu schützen, schliessen sie die Poren in ihren Blättern. Nach einiger Zeit werfen sie die vertrockneten Blätter ab, um Nährstoffe zu sparen.

Nach zwei heissen, niederschlagsarmen und strahlungsintensiven Sommern kommt es darüber hinaus vermehrt zu Rindenschäden. Die Rinde reisst auf und platzt regelrecht ab wie bei einem Sonnenbrand, wodurch die Wasser- und Nährstoffversorgung leidet, mancherorts sterben die Bäume gar ganz ab.

Street-Art auf Bewässerungssäcken

Immer öfter greifen Städte nun zu teils ungewöhnlichen Massnahmen, um ihren Bäumen über den Sommer zu helfen. So werden in Münster die Stadtbäume mit Hunderttausenden Litern Wasser aus Hallenbädern bewässert. Die Chlorung sei rechtzeitig abgestellt worden, das filtrierte Wasser könne man ohne Bedenken zum Giessen nutzen, teilte die Stadt mit.

In Hamburg sorgen von Künstler*innen gestaltete Bewässerungssäcke dafür, dass die Stadtbäume immer genug Wasser haben und bringen gleichzeitig Kunst in den öffentlichen Raum. Baumbewässerungssäcke können bis zu 100 Liter Wasser speichern, das sie tropfenweise ins Erdreich rund um den Stamm abgeben. So wird sichergestellt, dass auch in trockenen Zeiten genügend Wasser vorrätig ist und dass das Wasser auch wirklich bei den Wurzeln der Bäume ankommt.

Hinter dem Mitmachprojekt #artfortrees stecken der Ökostromanbieter «E WIE EINFACH» mit der Stiftung «Live To Love Germany» und der Hamburger «Urbanshit Gallery». Die von Künstlern gestalteten Bewässerungssäcke bringen Farbe in die Stadt Hamburg.
Hinter dem Mitmachprojekt #artfortrees stecken der Ökostromanbieter «E WIE EINFACH» mit der Stiftung «Live To Love Germany» und der Hamburger «Urbanshit Gallery». Die von Künstlern gestalteten Bewässerungssäcke bringen Farbe in die Stadt Hamburg.
E WIE EINFACH

Konstanz am Bodensee hat angesichts der Trockenheit ihre Bürgerinnen und Bürger offiziell zum Bewässern von Bäumen auf öffentlichem Grund aufgerufen. Die Stadtgärtner schaffen es derzeit nur noch, die jungen, neu gepflanzten Bäume zu versorgen. Die Stadt rät, nicht täglich zu giessen, aber dafür jeweils ausgiebig. Nur bei grossen Mengen gelange das Wasser tiefer ins Erdreich und verdunste nicht sofort wieder.

Basel erzieht seine Bäume zur Resilienz gegen Trockenheit

Auch in Schweizer Städten kämpfen die Stadtbäume mit der Trockenheit. Teilweise haben sich ihre Blätter schon verfärbt. Das Problem: aufgrund beschränkter personeller Kapazitäten können nicht alle Stadtbäume in ausreichendem Mass bewässert werden.

Basel-Stadt bewässert seine Bäume nun auf «erzieherische» Art und Weise: Einmal pro Woche werden die Rasenflächen gespritzt – und das dann aber ausgiebig mit 20 Litern pro Quadratmeter. «Wir erziehen die Pflanzen damit, dass sie ihre Wurzeln tiefer in den Boden hineinwachsen lassen und sie nicht nur oberflächlich ausbreiten», sagt Gabi Schmid, Vorarbeiterin bei der Basler Stadtgärtnerei, dem «Blick». Dadurch sollen sie Trockenperioden besser überstehen lernen.

Insbesondere der Rosskastanie machen aber nicht nur die Hitze zu schaffen, sondern auch Schädlinge. Am lästigsten ist die Miniermotte. Dieser Falter ist für die Kastanienbäume zwar nicht lebensbedrohlich, führt aber dazu, dass die Blätter abfallen. Die Stadtgärtnerei setzt nun vermehrt auf Bäume aus dem Süden. «Wir verwenden vermehrt Amberbäume, Lederhülsenbäume, Ginkgos, Pagodenbäume, Zürgelbäume, aber auch Pinien und Zedern», sagt Stadtgärtnerei-Chef Emanuel Trueb der «BaZ». Allenfalls könnten in Zukunft auch Palmen die Strassenränder der Stadt zieren: Kokospalmen statt Keschtene.