«Die Renaturierung griff sehr wohl. Dennoch gibt es keine absolute Sicherheit»

Von Alex Rudolf

15.7.2021

Eine Bank steht in der Limmat unter Wasser, aufgenommen am Mittwoch, 14. Juli 2021 in Zuerich. (KEYSTONE/Ennio Leanza).
Eine Bank steht in der Limmat unter Wasser. Dennoch kommt Zürich wohl nach 2005 auch diesmal glimpflich davon.
KEYSTONE/ Ennio Leanza

Die Zürcher Seen sind randvoll, doch könnte der Kanton auch diesmal vom Schlimmsten verschont bleiben. Verantwortlich dafür sind diverse Projekte, die in den vergangenen Jahren vorangetrieben wurden.

Von Alex Rudolf

15.7.2021

Nicht nur in der Innerschweiz und im Berner Oberland ist die Hochwasserlage dramatisch. Auch die Pegel der grösseren Zürcher Seen steigen und steigen. Heute Vormittag erreichte der Zürichsee einen Stand von 406,6 Metern, was laut Angaben des Kantons der Hochwassermarke entspricht.

«Gemeinsam mit dem Greifensee hat Zürich die Gefahrenstufe vier von fünf, was bedeutet, das Wasser kann bei exponierten Ufern überschwappen», sagt Markus Pfanner, Sprecher der kantonalen Baudirektion. Auch bestehe nun die Gefahr, dass das Wasser in Häuser eindringen könne, die direkt am See liegen.

Besonders für die Stadt Zürich spielt der Sihlsee eine Schlüsselrolle. Dessen Wasserstand wird durch die Verantwortlichen des Kantons reguliert. Bereits Anfang Woche wurde damit begonnen, Wasser abzulassen, um Kapazitäten für Regenwasser zu schaffen, das nach und nach in die Sihl entleert werden kann.

Flussbett unter dem Hauptbahnhof wurde vertieft

«Aktuell trägt der Sihlsee viel Wasser, doch bestehen durch die Massnahmen von Anfang Woche gewisse Reserven. Er kann noch immer Wasser aus dem Hinterland aufnehmen», sagt Pfanner. Dennoch hoffe man, dass allzu grosse Niederschläge im Einzugsgebiet der Zürcher Seen ausbleiben, so Pfanner.

Bereits beim Hochwasser im Jahr 2005 kam Zürich glimpflich davon. Grosse Gewitter entleerten sich über dem Berner Oberland, die grossen Überschwemmungen blieben in Zürich aus. Seither investierte der Kanton Millionen in zahlreiche Hochwasserschutz-Massnahmen.



«Beispielsweise bauten wir einen Rechen in der Sihl, der eine Verstopfung des Flusses durch Schwemmholz an kritischen Stellen wie Brücken oder den Durchlässen unter dem Hauptbahnhof Zürich verhindert», erklärt Pfanner. Weiter wurde das Flussbett unter dem Hauptbahnhof vertieft, sodass auch dort mehr Wasser Platz habe.

«Es gibt keine absolute Sicherheit»

Markus Pfanner

Auch wurden die Limmat-Auen zwischen Altstetten, Oberengstringen und Schlieren vor einigen Jahren aufwendig renaturiert, um auch hier mehr Schutz vor Hochwasser zu bieten. Dennoch kam es weiter abwärts der Limmat, in Dietikon, heute Vormittag zu grossen Überschwemmungen. Griff diese Massnahme nicht? «Diese Renaturierung griff sehr wohl: Dennoch gibt es keine absolute Sicherheit. Wir befinden uns in einer aussergewöhnlichen Situation, bei der das Wasser – trotz Hochwasserschutz – über die Ufer treten kann.»

So werden auch in den kommenden Jahren weitere Projekte vorangetrieben. Bei Thalwil beispielsweise entsteht ein Entlastungsstollen für die Sihl und bei Schlieren plant der Kanton ebenfalls eine Renaturierung mit einer Verbreitung des Flussbettes.