Berset-Nachfolge Jon Pult will auch als Bundesrat Doppelbürger bleiben

phi/gbi/SDA

2.10.2023

SP-Nationalrat Jon Pult kandidiert für Nachfolge von Alain Berset

SP-Nationalrat Jon Pult kandidiert für Nachfolge von Alain Berset

Der Bündner SP-Nationalrat Jon Pult will Bundesrat werden. Der 38-Jährige ist mit Abstand der Jüngste der vier Männer, die sich für die Nachfolge von Alain Berset interessieren.

02.10.2023

Jon Pult gilt vielen Beobachter*innen als aussichtsreicher Kandidat für den frei werdenden Bundesratssitz von Alain Berset. Nun steigt der Bündner SP-Nationalrat offiziell ins Rennen ein.

phi/gbi/SDA

2.10.2023

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Jon Pult will Bundesrat werden. Das gab der Bündner SP-Nationalrat am Montag in Bern bekannt.
  • Pult war schon lange als möglicher Nachfolger von Alain Berset gehandelt, der Ende Jahr zurücktritt.
  • Damit haben vier Kandidaten offiziell ihr Interesse angemeldet, Berset zu beerben: der Zürcher Ständerat Daniel Jositsch, der Basler Regierungspräsident Beat Jans, der Berner Nationalrat Matthias Aebischer und nun auch der Bündner Nationalrat Jon Pult.

Er möchte für Alain Berset in den Bundesrat nachrücken – das gab Jon Pult am Montag an einer Medienkonferenz im Bundeshaus in Bern bekannt. Er wolle sich für den Zusammenhalt im Land einsetzen und wäre ein Bundesrat sowohl für den urbanen Raum als auch für die ländliche Schweiz.

Damit das Land in seiner Vielfalt funktioniere, brauche es den Zusammenhalt, sagte der Bündner SP-Nationalrat. In seinem Statement sprach er in allen vier Landessprachen. Es gehe um die Kohäsion zwischen den Sprachregionen, aber auch zwischen Stadt und Land, zwischen unterschiedlichen Lebensrealitäten.

Als grösste Herausforderungen nannte Pult die Reform des Gesundheitswesens sowie die Klima- und die Europapolitik.

Auch als Bundesrat wolle er seinen italienischen Pass behalten, den er neben dem schweizerischen hat. «Ich bleibe Doppelbürger und würde mich als Bundesrat zu 100 Prozent für die Schweiz engagieren», sagte er in Bern vor den Medien.

Vertreter der jüngeren Generation

Er fühle sich bereit, sagte Pult auf die Frage, ob es nicht zu früh sei, nach erst vier Jahren im Nationalrat für einen Sitz im Bundesrat zu kandidieren. Die Frage nannte er legitim, doch: «Wäre es ein Wunsch, einen Vertreter der Jüngeren im Bundesrat zu haben, kann man nicht die gleichen Erwartungen an die Erfahrungen haben.»

Jon Pult gibt in Bern seine Kandidatur als Bundesrat bekannt.
Jon Pult gibt in Bern seine Kandidatur als Bundesrat bekannt.
Bild: Screenshot Keystone-SDA

Sich selbst bezeichnet Pult als dreisprachigen Bündner. «Ich habe mit meiner Mutter immer Italienisch und mit meinem Vater Romanisch gesprochen», sagte er. Im Kindergarten und in der Schule habe er dann praktisch nur Deutsch gesprochen. «Deutsch ist heute meine Hauptarbeitssprache, aber ich träume dreisprachig.»

Die SP Graubünden steht voll und ganz hinter Pults Kandidatur. Der 38-Jährige wäre ein Vertreter der jüngeren Generationen, die im Bundesrat derzeit keine Stimme hätten.

Seit vier Jahren in Bern

Der 38-jährige Pult wird schon länger als möglicher Bundesratskandidat gehandelt. Würde der Bündner Nationalrat in das Amt gewählt, wäre Graubünden acht Jahre nach dem Rücktritt von Eveline Widmer-Schlumpf erneut in der Landesregierung vertreten. Seit 1848 wäre Pult das fünfte Regierungsmitglied aus dem Kanton Graubünden.

Pult sitzt seit 2019 im Nationalrat. Der Engadiner präsidiert die Kommission für Verkehr und Fernmeldewesen des Nationalrats und sitzt auch in der Immunitätskommission. Vielen Beobachter*innen gilt der dreisprachige Bündner als vielversprechendes Talent der SP. Erfahrungen als Parlamentarier hat er aus dem Churer Stadtparlament und dem Bündner Kantonsparlament. Bis 2016 präsidierte Pult die SP Graubünden. Ein Exekutivamt hatte er bisher nicht inne.

So sagte etwa der Politgeograf Michael Hermann vom Forschungsinstitut Sotomo erst kürzlich im Gespräch mit blue News: Pult sei «ein besonderes politisches Talent. Aber Talente sind nicht unbedingt die, die am Ende auch in den Bundesrat gewählt werden.»

Bisher nur Männer im Rennen um Berset-Nachfolge

SP-Bundesrat Alain Berset wird im Dezember nicht mehr zur Wiederwahl antreten. Er tritt damit nach zwölf Jahren aus der Landesregierung zurück. Das Kandidatenkarussell um seine Nachfolge dreht – bisher haben nur drei Männer ihr Interesse angemeldet. Mit Pult sind es jetzt vier.