Junge sind so oft arbeitslos wie noch nie

uri

25.10.2019 - 11:07

Auf Jobsuche: «Millenials» sind rund doppelt so oft erwerbslos wie noch die «Babyboomer» 30 Jahre zuvor. (Symbolbild)
Bild: Keystone

Die Zeiten auf dem Schweizer Arbeitsmarkt werden rauer. Vor allem Jüngere tun sich schwerer einen Job zu finden. Experten sehen unterschiedliche Ursachen für die Entwicklung.

Angehörige jüngerer Generationen sind heute bedeutend stärker von Arbeitslosigkeit betroffen, als die älteren. Das zeigen kürzlich veröffentlichte Zahlen des Bundesamts für Statistik (BFS). Demnach waren bei den «Babyboomern» (die Jahrgänge 1946-1964) lediglich 2,1 Prozent der Erwerbsbevölkerung im Alter von 28 Jahren erwerbslos. Bei der sogenannten «Generation X» (Jahrgänge 1965-1980) waren es bereits 3,9 Prozent und bei den «Millenials» (Jahrgänge 1981-1996) schliesslich 5,5 Prozent. Bei ihnen hat sich die Erwerbslosigkeit im Vergleich zu den Babyboomern also mehr als verdoppelt.

Die Ursachen für diese Entwicklung sehen Experten unterschiedlich. Daniel Lampart, Ökonom beim Schweizerischen Gewerkschaftsbund, erklärte «20 Minuten» etwa: «Der heutige Arbeitsmarkt ist hart. Die Situation hat sich in den letzten 30 Jahren klar verschlechtert.» Gerade viele Jüngere, die neu ins Erwerbsleben eintreten würden, bemerkten, «dass man sie gar nicht will». Viele seien vom sogenannten «Vernarbungseffekt» betroffen: «Wer einen schweren Einstieg ins Arbeitsleben hat, hat im Schnitt sein ganzes Leben lang mehr Mühe.»

Profitdenken seit den 1990er Jahren

Warum sich ausgebildete und gesunde jüngere Arbeitssuchende heute schwerer tun würden, als noch die Generation vor 30 Jahren, sei schlecht aufgearbeitet, meint Lampart gegenüber «20 Minuten». Die Entwicklung habe jedoch in den 1990er Jahren begonnen. Die Wirtschaft habe sich seither internationalisiert, Profit- und Shareholder-Value-Denken hätten seither auch in der Schweizer Wirtschaft verstärkt Einzug gehalten.

Lampart fordert entsprechend, dass sich Unternehmen wieder ihrer sozialen Verantwortung bewusst werden müssten. Eine Besserung der Situation sei etwa schon dadurch möglich, dass man die Maximaldauer von Praktika einschränke.

Gestiegene Ansprüche 

Andere Gründe für die höhere Arbeitslosigkeit bei den Jüngeren macht Marco Salvi, Ökonom bei Avenir Suisse, aus. So hätten sich früher etwa Frauen bei der Geburt des ersten Kindes aus dem Arbeitsleben zurückgezogen und seien daraufhin in der Statistik als Nichterwerbstätige erfasst worden. Heute würden sie jedoch im Arbeitsmarkt bleiben, hätten dann «aber etwas mehr Mühe, die passende Stelle zu finden», erklärt Salvi «20 Minuten».

Nicht zuletzt aber seien generell die Ansprüche gestiegen, «und zwar auf der Seite der Arbeitgeber, aber auch auf jener der Arbeitnehmenden». Die Unternehmen seien bei der Auswahl von Bewerbern wählerischer, aber auch die «Millennials» würden sich mehr Zeit lassen, bis sie die richtige Stelle gefunden hätten.

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