Folgt auf die Ehe für alle die Legalisierung der Eizellenspende?

Von Sven Hauberg und Lia Pescatore

5.11.2021

Eine lesbische Paar schaukelt ihre Sohn auf der Spielplatz der GZ (Zuercher Gemeinschaftszentrum) Wipkingen waehrend ein Regenbogenfamilientreffen am 8. Juni 2019 in Zuerich. (KEYSTONE/Gaetan Bally)
Lesbisches Paar mit Kind (Symbolfoto): Über die Frage, ob die Eizellenspende legalisiert werden soll, wird derzeit heftig diskutiert.
Bild: Keystone

Eine Nationalratskommission will sich heute zur Eizellenspende äussern. Doch selbst bei einer Zustimmung sind die Hürden gross.

Von Sven Hauberg und Lia Pescatore

5.11.2021

Die Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur des Nationalrats (WBK-N) will sich am Freitagnachmittag zur Legalisierung der Eizellenspende äussern. Dass das Anliegen in der Kommission eine Mehrheit finden könnte, gilt als nicht unwahrscheinlich. Weniger sicher ist hingegen, dass der Vorstoss auch im Parlament auf Zustimmung stossen wird. 

Die Diskussion über die Legalisierung der Eizellenspende hatte nach dem Entscheid zur Ehe für alle Ende September wieder Fahrt aufgenommen. Mit dem Recht zu heiraten erhalten lesbische Paare den Zugang zur Samenspende, erlaubt ist ausserdem eine künstliche Befruchtung. Verboten sind hingegen die Eizellenspende und die Leihmutterschaft.

Die Schweiz ist eines von nur zwei westeuropäischen Ländern, in denen die Eizellenspende illegal ist; das andere ist Deutschland. Doch auch in Deutschland ist derzeit eine Debatte über eine Legalisierung im Gang. Auch die mutmasslichen zukünftigen Koalitionsparteien SPD, Grüne und FDP wollen «Regelungen zur Reproduktionsmedizin anpassen», wie es in dem gemeinsamen Sondierungspapier heisst.

Gegner und Befürworter

Hierzulande ist eine parlamentarische Initiative zur Eizellenspende hängig, eingereicht von der grünliberalen Nationalrätin Katja Christ. Sie will die Eizellenspende analog zur Samenspende legalisieren. Es gebe keinen juristischen Unterschied zwischen den beiden Belangen, so die Politikerin. «Es ist eine Drittperson, die einem Paar, das ungewollt kinderlos ist, eine Keimzelle zur Verfügung stellt», sagt sie nach der Abstimmung zur Ehe für alle zu SRF. Profitieren könnten davon vor allem heterosexuelle Paare.



Kritik kommt von der Mitte und SVP. «Es hat mit einem chirurgischen Eingriff zu tun und es geht um das Kindswohl», sagte Nationalrat Alois Huber (SVP/AG) nun zu SRF. «Kinder, die aus einer gespendeten Eizelle entstehen, haben später vielleicht psychische Probleme, wenn sie erfahren, wie sie entstanden sind.»

Hauptargument Kindeswohl

Das Kindeswohl war ein Hauptargument der Gegner der Ehe für alle seit Beginn des Wahlkampfes. So bekundeten sie die Befürchtung, dass gleichgeschlechtliche Paare auch ein Recht auf Nachwuchs einfordern würden und darum zum Beispiel auch die Adoptionen ansteigen könnten.

Diese Befürchtung sei unbegründet, sagt Karin Meierhofer vom Verein Pach Pflege- und Adoptivkinder nach der Abstimmung im Gespräch mit den Tamedia-Zeitungen. «Wir erwarten keine wesentliche Zunahme von adoptionswilligen Paaren», sagt sie. Die Hürden seien hoch und damit die Chancen gering, ein Kind adoptieren zu können. In der Deutschschweiz würden jährlich nur acht bis fünfzehn Kinder zur Adoption freigegeben.

Die Zahl der Adoptionen gehen laut «Tages-Anzeiger» seit 1980 kontinuierlich zurück. Dies liege an den verschärften gesetzlichen Voraussetzungen, wie zum Beispiel das Haager Übereinkommen, das Adoptionen im Geburtsland des Kindes bevorzugt.

Regenbogenkinder: «Ich möchte irgendwann Mami werden und ich bin lesbisch.»

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Willst du Kinder? Bei meiner Partnerin und mir war die Frage schnell geklärt. Danach folgten viele weitere: Gibt es in der Schweiz überhaupt einen legalen und offiziellen Weg für zwei Mamis? Und können wir uns den leisten?

05.11.2021