Millioneninvestition soll Zermatt zum Mekka arabischer Skifans machen

tafu

30.12.2019 - 14:58

Ein dreistelliger Millionenbetrag soll in der Matterhorn-Region investiert werden.
Bild: Keystone

Franz Julen hat grosse Pläne für die Matterhorn-Region: Der Bergbahn-Chef will Millionen investieren und hat es dabei besonders auf zahlungskräftige Touristen aus dem arabischen Raum abgesehen.

Franz Julen ist erst seit kurzem Präsident der Zermatt Bergbahnen, will aber dennoch einiges bewegen: In der Matterhorn-Region soll nach Berichten des «Blicks» ein dreistelliger Millionenbetrag investiert werden. Genauer gesagt sollen bis 2025 mindestens 150 Millionen Franken in den Ausbau des Tourismus fliessen – die grösste Investition in der jüngeren Geschichte von Zermatt.

«Der Schneesport wächst nicht mehr, aber wir werden weiter investieren», erklärt Julen. Im Verdrängungswettbewerb stehe Zermatt in Konkurrenz zu Südtirol, Frankreich und Italien, doch nachgeben werde man nicht. «Wir glauben stark an den Wintersport.»

Julen, der selbst in der Region das Skifahren erlernte, will ein Vermächtnis für die kommenden Generationen hinterlassen: So soll von der italienischen Seite eine zusätzliche Bahn auf das Klein Matterhorn führen und Zermatt VS ganzjährig mit Italien verbunden sein. «Wir haben ein Riesenpotenzial beim Klein Matterhorn.»

Der Präsident der Zermatt Bergbahnen, Franz Julen, will vor allem zahlungskräftige Touristen aus den Golfstaaten in die Matterhorn-Region locken.
Bild: Keystone

Für asiatische und arabische Gäste soll ein Sommerskiparadies entstehen, erläutert Julen im «Blick»-Interview. Denn gerade die zahlungskräftigen Scheichs seien in den letzten Jahren auf den Geschmack gekommen, nachdem sie im heimischen Dubai eine der grössten Indoor-Skihallen der Welt besuchen und ihre ersten Versuche auf den Pisten machen könnten.

Chinesen geben dreimal mehr aus

Nun sollen die zahlungskräftigen Kunden auch auf den Sommerskipisten von Zermatt im Freien ihrer Skileidenschaft nachkommen. Das lohnt sich: Während ein einheimischer Skitourist 140 Franken pro Tag ausgibt, summieren sich die Ausgaben bei chinesischen Gästen – ohne Übernachtung – auf 380 Franken. Bei Besuchern aus den Golfstaaten sind es sogar satte 420 Franken.

Um jene zahlungskräftigen Touristen aus dem arabischen Raum ins Wallis zu locken, muss Julen sich allerdings einiges einfallen lassen. Ein Wettbewerb für die Neuinszenierung der Tourismuswelt läuft bereits. Dass sich auf Europas höchster Bergstation einiges ändern dürfte, wird schon deutlich: Eine massive Aufwertung durch den Bau einer Aussichtsplattform, eines Berg-Restaurants und weiterer Attraktionen ist geplant.

So gehen nachhaltige Winterferien

Unter dem Klein Matterhorn ist ausserdem ein Sommerskigebiet für Anfänger geplant, in dem ausländische Touristen von Skilehrern professionell an den Sport herangeführt werden sollen. Die komplette Ausrüstung kann im Sportfachhandel direkt vor Ort erworben werden.

Sommergeschäft aufwerten

Mit seinen Sommer-Aktionen will Julen in Zukunft ein Drittel des Umsatzes erwirtschaften. Bisher trug diese Saison nur ein Viertel dazu bei. Der Manager setzt auf eine Hochpreisstrategie: Billigangebote wie im Nachbargebiet Saas-Fee soll es in Zermatt nicht geben.

Auswärts wohnenden Zermattern wurden bereits die Vergünstigungen für das Skiabo gestrichen: Rabatte gebe es ab sofort nur noch für Mehrtageskarten. «Wir wollen die Wertschöpfung der örtlichen Betriebe fördern», so Julen.

Trotz der grossen Pläne soll die Natur keinesfalls auf der Strecke bleiben, betont Julen im «Blick»: Angestrebt sei «eine Balance zwischen Kommerz und Demut vor der Natur».

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