Corona in der Schweiz

Neuansteckungskurve rasch abgeflacht – BAG: noch keine Entwarnung

SDA

17.4.2020

Noch kann hinsichtlich des Coronavirus in der Schweiz keine Entwarnung gegeben werden.
Noch kann hinsichtlich des Coronavirus in der Schweiz keine Entwarnung gegeben werden.
Keystone

Die Kurve der Neuansteckungen mit dem Coronavirus ist zwar rasch abgeflacht. Für eine Entwarnung ist es nach Einschätzung des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) aber zu früh.

Die Kurve der Neuansteckungen mit dem Coronavirus ist zwar rasch abgeflacht. Für eine Entwarnung ist es nach Einschätzung des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) aber zu früh.

«Wir sind noch lange nicht aus der Gefahrenzone heraus», sagte Daniel Koch, BAG-Delegierter für Covid-19, am Freitag vor den Bundeshausmedien. Aus epidemiologischer Sicht bestehe immer noch ein grosses Risiko, dass sich mehr Leute ansteckten und es wieder mehr schwere Fälle gebe. Koch erinnerte daran, dass noch immer über 300 Menschen künstlich beatmet werden müssen.

Er äusserte sich auch zur Kritik der Gastronomie, dass der Bundesrat am Donnerstag keinen Fahrplan für die Öffnung von Bars und Restaurants vorgelegt habe. Das werde sicher noch einmal geprüft, sagte er. Koch erinnerte an die schlechten Erfahrungen mit beschränkten Auflagen für Restaurants von Mitte März. «Das hat überhaupt nicht funktioniert», sagte er.


Corona-Krise: Eine Chronologie

Auch für Festivals gibt es keine guten Nachrichten. Es sei nicht möglich, etwas Verlässliches zur Situation in drei Monaten zu sagen, sagt Koch. «Das wäre unseriös.» Der Bundesrat will an einer seiner nächsten Sitzungen entscheiden, ab wann wieder Grossveranstaltungen möglich sind.

In der Schweiz und in Liechtenstein nahm die Zahl der bestätigten Neuinfektionen mit dem Coronavirus innerhalb eines Tages um 346 zu. Insgesamt gab es laut BAG am Freitag 27'078 bestätigte Fälle.

Damit stieg die Zahl der neuen bestätigten Fälle im Vergleich zum Vortag an. Mindestens 3205 Personen waren im Zusammenhang mit einer laborbestätigten Covid-19 Erkrankung hospitalisiert.

Waadt überholt Tessin

Die Todesfälle nahmen nach einer Zählung der Nachrichtenagentur Keystone-SDA bis Freitagabend innerhalb von 24 Stunden um 37 auf 1319 zu. Der Kanton Waadt überholte erstmals den bisherigen Rekordhalter Tessin und gab die Zahl seiner Todesopfer mit 279 an, im Tessin starben bis Freitag 270 Menschen an der Lungenkrankheit.

Unterdessen laufen in der Schweiz die ersten Medikamententests im Kampf gegen das Coronavirus an. An der bisher einzigen solchen Initiative der Weltgesundheitsorganisation (WHO) nehmen 16 Spitäler teil - unter Führung des CHUV in Lausanne.

Spätestens nächste Woche werden die ersten Patienten in der Schweiz am WHO-Test mit dem Namen «Solidarity» teilnehmen, wie Oriol Manuel, Arzt am Centre hospitalier universitaire vaudois (CHUV) in Lausanne und «Solidarity»-Leiter für die Schweiz, am Freitag im Gespräch mit Keystone-SDA sagte. Weltweit nehmen mehrere Dutzend Länder ebenfalls am WHO-Test teil. Vorgenommen werden diese Tests an allen Patiententypen - von leichten bis zu Intensivpflegefällen.

WHO lässt in der Schweiz testen

Die zu testenden Medikamente, deren Dosierung und die Dauer der Anwendung werden von der WHO festgelegt. Es handelt sich dabei um das Malariamittel Hydroxychloroquin sowie um Remdesivir und Kaletra gegen Ebola und HIV. Die Ergebnisse werden laut Manuel von der Weltgesundheitsorganisation veröffentlicht, möglicherweise schon in wenigen Wochen.

Gar nicht zuversichtlich zeigte sich der Epidemiologe Marcel Salathé von der ETH Lausanne hinsichtlich eines Handy-Tracings. Er hatte zu den treibenden Kräften der Contact-Tracing-App PEPP-PT gehört, die dazu beitragen sollte, die Coronavirus-Pandemie einzudämmen. Auf Twitter gab er am Freitag seinen Rückzug bekannt.

Er glaube noch immer an einen internationalen Ansatz unter Schutz der Privatsphäre, schreibt der Schweizer Forscher. Er könne aber nicht hinter etwas stehen, von dem er nicht wisse, für was es stehe. Im Moment sei PEPP-PT nicht offen und nicht transparent genug.



Entscheidend seien die Details, schreibt Salathé. Dazu gehören für ihn die Protokolle, Privatsphäre oder Systemsicherheit. Alle, die an einer Lösung arbeiteten, sollten dies offen tun.

Salathé will sich nun voll und ganz dem DP-3T-Projekt widmen. Es handelt sich um ein Open-Source-Projekt. Daten sollen dezentral und anonym gespeichert werden. Ideen könnten offen diskutiert werden, schreibt Salathé.

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