«Wir verzeichnen mehr virale Infekte»

Von Alex Rudolf

15.9.2021

Kinder waren laut einer Studie wichtige Treiber der Grippewelle in Basel im Winter 2016/2017. (Symbolbild)
Besonders Kinder könnten von einer starken Grippewelle betroffen sein, warnt eine Sprecherin des nationalen Zentrums für Influenza in Genf. (Symbolbild)
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Weil die Grippewelle im vergangenen Winter ausblieb, besteht nun die Gefahr, dass wir für den kommenden Winter weniger geschützt sind.

Von Alex Rudolf

15.9.2021

Wie wird der Corona-Herbst? Diese Frage treibt die Schweiz derzeit um. Denn mit dem Rückzug in die warmen Stuben hat das Virus erfahrungsgemäss freie Bahn, wenn es darum geht, sich zu verbreiten.

Für den Herbst stellt jedoch nicht nur das Coronavirus ein Problem dar. «Wir verzeichnen in den vergangenen drei Monaten eine Erhöhung von Patient*innen mit viralen Infekten», sagt Felix Huber. Der Präsident des MediX-Ärztenetzes führt dies auf die gelockerte Maskenpflicht zurück.

«Denn wir tragen die Schutzmasken nicht mehr so konsequent, wie wir dies in den vorherigen anderthalb Jahren taten», sagt er. In dieser Zeit stagnierten die Fälle von anderen viralen Infekten wie etwa dem Grippevirus auf beinahe null.

Was heisst das für den anstehenden Winter? Müssen wir uns vor einer verstärkten Grippewelle fürchten?

Grippe erst vereinzelt festgestellt

Ana Rita Gonçalves Cabecinhas vom nationalen Zentrum für Influenza in Genf bestätigt: «In letzter Zeit wurden einige Fälle von Influenza festgestellt, insbesondere bei Reisenden», sagt sie auf Anfrage.

Sie betont, dass die Grippewelle im vergangenen Winter ausgeblieben ist. Welche Konsequenzen dies für den anstehenden Winter hat, sei schwierig abzuschätzen. «Das Problem besteht darin, dass die Bevölkerung dem Grippevirus weniger ausgesetzt war, sodass der üblicherweise dadurch erreichte Schutz nicht erzielt werden konnte», sagt Gonçalves Cabecinhas.

Dies könne zu einer höheren Zahl von Grippeinfektionen führen, insbesondere bei Kleinkindern, oder zu generell mehr schwerwiegenden Erkrankungen. Denn: «Die Anzahl der gegen die Grippe Geimpften in der Schweiz ist gering.»

Wegen hoher Covid-Impfrate könnte Grippewelle kommen

Zum Schutz vor viralen Infekten rät Gonçalves Cabecinhas zu denselben Massnahmen, die auch vor Covid-19 schützen: also weitreichende Handhygiene, das Tragen von Masken und das Meiden von grossen Menschenansammlungen.

Beim Bundesamt für Gesundheit verweist man darauf, dass die Grippewelle im kommenden Winter wegen umfangreicher Covid-19-Massnahmen erneut geringer ausfallen könnte.

Paradoxerweise ermöglicht eine hohe Corona-Impfquote eine starke Grippewelle. Denn: «Falls in Europa die Massnahmen dank einer ausreichenden Durchimpfung gegen Covid weitgehend gelockert oder aufgehoben werden, dann dürfte es im Winter wieder zu einer Grippewelle in gewohntem Ausmass kommen», schreibt das BAG.