Neun Covid-Tote in zwei Wochen — Pflegeheim unter Druck

sda/uri/toko

27.10.2021 - 19:40

Bewohnerinnen und Bewohner von Altersheimen sollen mit Besuchsverboten vor einer möglichen Ansteckung mit dem Coronavirus geschützt werden. (Symbolbild)
Im Altersheim in Giswil kam es zu einem tödlichen Corona-Ausbruch.
Bild: Keystone (Symbolbild)

Im Altersheim in Giswil sind neun Bewohner innert zwei Wochen an Covid-19 gestorben. Der Geschäftsführer sieht keine Schuld bei der Anstalt. Nun haben sich sogenannte «Freiheitstrychler» offenbar mit dem Pflegeheim solidarisiert.

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27.10.2021 - 19:40

Der Geschäftsführer des Altersheims in Giswil, in dem neun Bewohner an Covid-19 gestorben sind, hat einen kausalen Zusammenhang zwischen dem Maskentragen und den Todesfällen ausgeschlossen. Man habe bereits vor dem Corona-Ausbruch mit Masken gearbeitet.

Das Heim sei während eineinhalb Jahren vom Coronavirus verschont geblieben, sagte Daniel Kiefer am Mittwoch vor den Medien. Man sei davon ausgegangen, dass das kantonale Gesundheitsamt bezüglich der Maskenpflicht bei der Pflege einen Spielraum eingeräumt habe.

Diesen Spielraum habe man bei der Anwendung der Masken «in der warmen Jahreszeit» genutzt, das sei auch mit dem Stiftungsrat des Heims abgesprochen gewesen. Es sei sehr schwierig, mit alten, betagten Menschen mit zu Masken arbeiten.

«Freiheitstrychler» am Pflegeheim

Wie «Blick» berichtet, sind nach der Medienkonferenz sogenannte «Freiheitstrychler» zu einem Trauermarsch vor das Pflegeheim gekommen. Dem Bericht zufolge hielten sie dort eine Andacht. 

«Freiheitstrychler» tauchen regelmässig auf Demonstrationen gegen die Corona-Massnahmen auf. 

Neun Tote innert zwei Wochen

Zum genannten Handlungsspielraum machte man beim Obwaldner Gesundheitsamt auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA keine Angaben. Departementssekretär Reto Odermatt verwies aber auf die geltende Covid-19-Verordnung, wonach in Heimen für Mitarbeitende eine Maskenpflicht besteht.

Die Obwaldner Finanzdirektorin Maya Büchi-Kaiser (FDP) sagte gegenüber dem Regionaljournal von Radio SRF, der Kanton habe keine Hinweise gehabt, dass die Rahmenbedingungen nicht eingehalten worden seien. Die Heime hätten ferner eine Eigenverantwortung zu tragen. Schuldzuweisungen wären aber definitiv falsch.

In den letzten zwei Wochen waren im Heim mit den rund 75 Mitarbeitenden und den gut 50 Pflegeplätzen, Mietwohnungen sowie einem begleiteten Wohnen neun Personen an Covid-19 verstorben. Gemäss Angaben des Obwaldner Gesundheitsamts waren drei von ihnen geimpft. Aktuell seien noch sieben Bewohner in Isolation, sagte Altersheimgeschäftsführer Kiefer.

Ermittlung eingeleitet

Das Heim war nach dem Ausbruch für Besucherinnen und Besucher geschlossen worden. Medien berichteten in den vergangenen Tagen über fehlende Masken beim Heimpersonal. Gestützt darauf wurde ein polizeiliches Ermittlungsverfahren eingeleitet. Die Justiz wurde von Amtes wegen aktiv, da es sich um Offizialdelikte handle.

Kiefer sagte, die Zusammenarbeit mit dem Obwaldner Gesundheitsamt sei immer gut gewesen. Nach den turbulenten Tagen sei nun ein runder Tisch aller Obwaldner Heime mit dem Amt und dem Kantonsarzt geplant, um die Lage zu klären.

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