Pierre Maudet erklärt seine Lügen

tjb

20.12.2018

Pierre Maudet beteuert, dass er im Interesse Genfs gehandelt habe, als er sich zu einer Luxusreise nach Abu Dhabi einladen liess.
Bild: Keystone/Cyril Zingaro

Der Genfer Staatsrat Pierre Maudet meldet sich erstmals zu Wort nach seiner viel kritisierten Reise nach Abu Dhabi. Er hat die «Orientalische Tradition» als Grund angegeben, warum er die Reise nicht aus eigener Tasche bezahlt habe.

Pierre Maudet, einstiger freisinniger Hoffnungsträger aus der Westschweiz, nimmt öffentlich Stellung zu den Vorwürfen gegen ihn. Diese rühren daher, dass er sich auf eine Luxusreise zum Formel-1-Rennen in Abu Dhabi hat einladen lassen. In Interviews mit «Le Temps» und «Blick» sagt er, dass er habe warten müssen mit Verlautbarungen in eigener Sache, bis die Staatsanwaltschaft die Befragung aller Beteiligten abgeschlossen habe – was nun der Fall ist: «Das gibt mir nun die Möglichkeit, meine Sicht der Dinge öffentlich zu schildern.»



Maudet hat einen tiefen Fall hinter sich: Im Herbst 2017 wäre der 40-jährige Freisinnige beinahe als Aussenseiter in den Bundesrat gewählt worden. Später dann kam heraus, dass er sich mit seiner Familie von Abu Dhabi zu einer Luxusreise an ein Formel-1-Rennen hat einladen lassen.

Stolperpunkt «orientalische Tradition»

Der Druck wuchs und wuchs, bis erst seine Kantonalpartei und schliesslich die nationale FDP seinen Rücktritt forderte. Pierre Maudet weigert sich aber bis heute durchs Band, den Forderungen nachzukommen. Stattdessen will er seine Parteibasis entscheiden lassen.

Der Politiker war sich laut eigenen Worten von Beginn weg bewusst, dass es ein schlechtes Licht auf ihn werfen würde, liesse er sich zu der Reise nach Abu Dhabi im Wert von 50'000 Franken einladen. Eigentlich habe er die Reise aus eigener Tasche bezahlen wollen, allerdings habe ihm da die «orientalische Tradition» einen Strich durch die Rechnung gemacht: «Wer an den Grand Prix eingeladen ist, kann gar nichts selbst bezahlen.» Und weiter: «Auf eine Rechnung zu bestehen, wäre als Beleidigung angesehen worden.»

Dass er Unrechtes im Schild geführt habe, weist er weit von sich: «Ich war und bin überzeugt, zum Wohl des Kantons Genf gehandelt zu haben.» Er habe nicht das Gefühl gehabt, sich zu bereichern. Oder dass er Abu Dhabi etwas schulde.

Kritik an Petra Gössi

Trotzdem hat Maudet gelogen, als er gefragt wurde, wer diese Reise finanziert habe. Er habe zu einer Lüge gegriffen, weil seine Familie involviert gewesen sei, beteuert er, zudem war ihm die Sache unangenehm: «Es war mir peinlich zu sagen, dass ich mich von einem fremden Staat habe einladen lassen.»

Maudet kritisiert FDP-Präsidentin Petra Gössi: Sie habe ihn verurteilt, ohne ihn zuvor angehört zu haben. Nun will Maudet, dass am 15. Januar die Delegierten der FDP Genf darüber entscheiden, ob sie ihn noch für tragbar halten. Aber selbst wenn diese gegen ihn votierten, gibt sich der Staatsrat kämpferisch: «Nur ein einziger Mensch entscheidet, ob ich zurücktrete oder nicht – ich selbst.» Nur für den Fall einer Verurteilung wegen Vorteilannahme stellt Maudet nach einigem Zögern seinen Rücktritt fest in Aussicht.

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