Neuer Flugplatz in Samedan GR Planer verschwenden Millionen Steuergelder – Filzvorwürfe

dmu

10.7.2024

Die Erneuerung des Flugplatzes Samedan soll massiv teurer werden, als ursprünglich vom Volk bewilligt.
Die Erneuerung des Flugplatzes Samedan soll massiv teurer werden, als ursprünglich vom Volk bewilligt.
Keystone

Die Kosten für die Erneuerung des Flugplatzes Samedan GR sind explodiert. Ein Bericht zeigt das Versagen der verantwortlichen Gremien auf.

dmu

10.7.2024

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Seit der Bewilligung eines Kredits durch das Volk 2017 sind die Kosten für die Erneuerung des Engadiner Flugplatzes Samedan in die Höhe geschnellt. 
  • Eine SP-Grossrätin wirft den Verantwortlichen Missmanagement und Filz vor.
  • Ein Bericht bestätigt ihre Kritik.

22 Millionen Franken bewilligte die Oberengadiner Bevölkerung 2017 für die Erneuerung des Flugplatzes Samedan. Schnee von gestern: Die Verantwortlichen planen mittlerweile mit einem Budget von 88 Millionen Franken – ohne dass bisher überhaupt gebaut wurde.

Allein die Kosten für Gutachten und Planungen verschlangen bereits 5,5 Millionen Franken – Steuergelder, die wohl verloren sind. «Das ist der Filz», sagt die Bündner SP-Grossrätin Franziska Preisig zum «Tages-Anzeiger».

Der Flugplatz Samedan gehört den Engadiner Gemeinden. In den verantwortlichen Gremien sitzen lokale Politiker*innen und lokale Unternehmer. Sie planten den Flugplatz und beaufsichtigten sich gegenseitig.

Bericht bestätigt Bedenken

Preisig und ihre Mitstreitenden kritisieren die mangelnde Sorgfalt und lancierten eine Petition. Das Ziel: Das ursprüngliche Budget von 22 Millionen Franken soll eingehalten werden.

Ein Bericht des Zürcher Anwalts Stefan Wehrenberg bestätigt die Bedenken: Gemäss «Tages-Anzeiger» zeigt er auf, dass die Planer ihre Kompetenzen «massiv» überschritten hätten. Die Gemeinden übten ihre Aufsichtsfunktion ungenügend aus und liessen die Planer gewähren.

Zudem fehle es laut Bericht an Transparenz: Die Dokumentation sei ungenügend, Daten falsch hinterlegt und Handelsregister-Einträge fehlerhaft. So blieben Leute zeichnungsberechtigt, die das eigentlich längst nicht mehr waren.

Der Projektleiter sei zudem ohne offizielles Mandat tätig und zugleich Geschäftsführer der Betriebsgesellschaft gewesen. «Eine adäquate Führung und Kontrolle war nicht möglich», steht im Bericht. Selbst die Geschäftsprüfungskommission reichte den ersten Bericht erst sechs Jahre nach Projektbeginn ein.

Verantwortliche gestehen Fehler ein

Gemäss der «Engadiner Post» ist im Bericht von einem «kollektiven Versagen aller involvierten Organe» die Rede. Die Beschuldigten selbst gestehen Fehler ein, man sei zu unkritisch gewesen. Man werde nun Massnahmen treffen, damit ähnliche Fehler nicht mehr passieren könnten.

Franziska Preisig gibt sich damit nicht zufrieden: «Man kann nicht einfach von einem kollektiven Versagen sprechen. Es geht hier mindestens um grobfahrlässiges Verhalten – und zwar systematisch», wird sie vom «Tages-Anzeiger» zitiert. Es brauche eine umfassende Aufklärung.

Erinnerungen an das Baukartell

Der Fall erinnert an das Baukartell im Engadin: Jahrelang schoben sich Unternehmer gegenseitig Aufträge zu. Viele schauten weg. Auch Preisig musste für ihr Engagement Kritik einstecken: Sie wurde angefeindet und ihre berufliche Position bedroht.

Eigentlich hätte der neue Flughafen bis 2021 fertiggestellt sein sollen. Bisher hat sich allerdings noch keine Schaufel bewegt. Doch die Engadiner Gemeinden halten am Projekt fest, da die Luxushotellerie des Tals auf den Flugplatz, der vor allem von Privatjets genutzt wird, angewiesen ist.

2025 soll eine Volksabstimmung über einen erhöhten Planungskredit befinden.


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