Berset: «Die zweite Welle ist da, früher und stärker als erwartet»

Agenturen/tafi/red.

18.10.2020 - 18:09

Berset: «Ja die zweite Welle ist da»

Berset: «Ja die zweite Welle ist da»

Bis jetzt wollte die Schweizer Regierung öffentlich noch nicht von einer zweiten Welle sprechen. Am Sonntag sagte Alain Berset zum ersten Mal: «Ja, die zweite Welle ist seit zehn Tagen da, und sie kam früher und stärker als erwartet.»

18.10.2020

Die neuen Massnahmen des Bundesrats waren noch nicht beschlossen, da regte sich schon Widerstand (eine Orientierungshilfe, was noch erlaubt ist und was nicht, finden Sie hier). Auf dem Bundesplatz in Bern demonstrierten Hunderte Personen, Reporter berichten von teils tumultartigen Zuständen. Die Wirtschaft macht vorab Front gegen Maskenpflicht und Homeoffice-Empfehlungen, und die Immobilienlobby wehrt sich trotz guter Geschäfte gegen Corona-Mieterlass.

Derweil ist man im Wallis und bei der SBB etwas lockerer: In den Skigebieten des Wallis soll auch in dieser Saison Après-Ski erlaubt sein. Unter Auflagen, wie sich versteht. Bei der Bahn fährt man in Sachen Infektionsschutz im Vergleich zu den Nachbarn ein Minimalprogramm.

Der Bundesrat und das Swiss-Management gehen davon aus, dass die Airline Ende des Jahres neue Staatshilfen benötigt. Bereits Unterstützung bekommen überlastete Spitäler: Die Rega übernimmt die Koordination der Intensivbetten.

Das Wichtigste im Überblick

  • Nach einer Krisensitzung des Bundesrates gibt es neue, landesweite Coronaregeln. Diese gelten ab Mitternacht. Neu gilt:
  • ausgeweitete, landesweite Maskenpflicht in allen öffentlichen Räumen, etwa in Flughäfen und auf Bahnhöfen
  • Einschränkungen für private Veranstaltungen
  • keine öffentlichen Versammlungen von mehr als 15 Personen mehr
  • Homeoffice, wo immer möglich
  • Im Kanton Bern sind ab morgen Montag Grossveranstaltungen mit mehr als 1'000 Personen verboten.

18 Uhr: Wir beenden den heutigen Corona-Ticker.

17.42 Uhr: SBB schneidet beim Corona-Schutz im Vergleich mit den Nachbarn schwach ab

Die SBB hinken beim Schutz gegen das Coronavirus laut «SonntagsZeitung» den Bahnunternehmen der Nachbarländer hinterher. So gebe es in italienischen Zügen standardmässig Desinfektionsmittel, weniger Sitzplätze und Masken. Auch in Österreich und Deutschland gebe es an Bord Masken. Die ÖBB baue zudem in die Züge Spender für Desinfektionsmittel ein.

In der Schweiz seien dagegen Massnahmen, die über die gründliche Reinigung und die Maskenpflicht hinausgingen, kein Thema. Laut SBB basiert das Schweizer Schutzkonzept im öffentlichen Verkehr auf den Empfehlungen und Massnahmen des Bundes. Masken und Desinfektionsmittel gebe es in zahlreichen Läden in den Bahnhöfen und an Automaten zu kaufen.

17.18 Uhr: Wallis erlaubt Après-Ski – Ferienorte sind skeptisch

Nachdem mehrere Skigebiete an diesem Wochenende ihre Pisten für die kommende Saison wieder geöffnet haben, hat das Wallis die Regeln für den Corona-Winter festgelegt. Demnach dürfen bis Ende April Betreiber von Lokalen auf Terrassen, in Zelten oder an Imbissständen Elektroheizungen aufstellen, um mehr Platz zu schaffen.

Anders als etwa in Österreich ist Après-Ski im Wallis grundsätzlich erlaubt – unter Auflagen. So dürfen die Lokale nur bis 1 Uhr morgens offen bleiben, wie die «SonntagsZeitung» schreibt. Die Gäste müssen Masken tragen, wenn sie sich in den Betrieben bewegen. Sie dürfen nur am Tisch oder an der Bar konsumieren. Einige Ferienorte hätten sich allerdings drastischere Massnahmen gewünscht und kritisieren zum Beispiel die Sperrstunde um 1 Uhr. Das sei viel zu kulant und könne grossen Schaden anrichten.

Feiern wie vor zehn Jahren: Das Wallis will auch in dieser Saison Aprés-Ski erlauben. (Symbolbild, Archiv)
KEYSTONE/Alessandro Della Bella

16.45 Uhr: Parlament in Rom wird zum Corona-Hotspot

Im Abgeordnetenhaus in Rom häufen sich die Corona-Fälle. Nach einer Zählung der Zeitung «Il Messaggero» wurden bis Samstag 20 Parlamentarier und Parlamentarierinnen der grösseren der zwei Kammern in Rom positiv auf das Virus getestet. Hinzu kommen Medienberichten zufolge weitere Personen, die vorsorglich in Quarantäne sind.

Zeitungen schrieben am Sonntag unter Berufung auf Abgeordnete, dass es in der kommenden Woche keine Abstimmungen in der Kammer geben solle. Trotzdem gehe die politische Arbeit mit Debatten und Ausschusstagungen weiter, hiess es am Sonntag. «Die Demokratie darf in einem so komplizierten Moment nicht ausgesetzt werden», zitierte die Nachrichtenagentur Adnkronos am Sonntag die Politikerin Mariastella Gelmini von der Oppositionspartei Forza Italia.

Italien mit seinen rund 60 Millionen Einwohnern registrierte am Samstag fast 11'000 Neuinfektionen mit Corona innerhalb von 24 Stunden. Die Regierung will noch am Sonntagabend weitere Verschärfungen im Kampf gegen die Viruskrankheit verkünden.

16.13 Uhr: Kanton Bern verbietet Grossveranstaltungen ab 1000 Personen

Im Kanton Bern werden Grossveranstaltungen ab Montag verboten. Die Behörden haben die entsprechende Ampel auf Rot gestellt, wie sie am Sonntag mitteilten. «Die Fallzahlen im Kanton Bern verdoppeln sich zurzeit in weniger als einer Woche», schreibt der Kanton in einer Medienmitteilung.

Die Gesundheitsdirektion des Kantons Bern habe für die Durchführung von Grossanlässen ein Ampelsystem entwickelt, um Veranstaltungen mit den gleichen Kriterien zu bewerten. Diese Ampel werde mit Wirkung von Montag, 19. Oktober 2020 auf Rot gestellt. Damit können Grossveranstaltungen mit mehr als 1000 anwesenden Personen nicht mehr durchgeführt werden. Diese Regelung gilt auch für Fussball- und Hockeyspiele.

15.30 Uhr: Immobilienlobby wehrt sich trotz guter Geschäfte gegen Corona-Mieterlass

Trotz guter Geschäftsentwicklung stemmt sich der Verband Immobilien Schweiz, die Lobby-Organisation der grossen Immobilienkonzerne, mit aller Kraft gegen den geplanten Mieterlass von 60 Prozent im Zuge des Corona-Lockdowns. Die Halbjahresberichte der vier grössten börsenkotierten Immobilienkonzerne PSP Swiss Property, Swiss Prime Site, Allreal und Mobimo zeigten stabile bis leicht steigende Mieterträge, wie eine Analyse des «SonntagsBlick» ergeben hat.

Die Corona-Pandemie und die Mieterlasse für die Zeit des Lockdowns hätten kaum Spuren hinterlassen. Der Kampf der Immobilien-Lobby trage offensichtlich Früchte. Der Mieterlass, der vor einigen Monaten im Parlament eine Mehrheit gefunden habe, stehe nun auf der Kippe. So habe sich etwa die Rechtskommission des Nationalrates am 9. Oktober mit 14 zu 11 Stimmen gegen die Vorlage ausgesprochen.

15 Uhr: Medienkonferenz ist beeendet

Mit der Frage zur zweiten Welle ist die Pressekonferenz vorbei. Besten Dank für die Aufmerksamkeit, werte Leser*innen. Wir halten Sie hier in diesem Ticker weiterhin auf dem Laufenden.

14.58 Uhr: Ist sie das jetzt, die vielbeschworene zweite Welle?

Ein Medienschaffender will wissen, ob die zweite Welle nun da sei. Gesundheitsminister Berset bejaht: «Seit zehn Tagen ist die zweite Welle da.» Und sie komme früher und stärker als erwartet, aber man sei darauf vorbereitet.

Gesundheitsminister Berset an der Pressekonferenz: «Seit zehn Tagen ist die zweite Welle da.» Und sie komme früher und stärker als erwartet, aber man sei darauf vorbereitet.
Bild: Screenshot Bund

14.55 Uhr: Wie halten es die Mitarbeitenden im Innendepartement EDI mit dem Homeoffice?

«Wer immer kann, arbeitet bei uns im Homeoffice – und das seit Monaten», antwortet Berset. Zwischenzeitlich sei das EDI ziemlich verwaist gewesen.

14.50 Uhr: Gilt die 15-Personen-Regel auch für den Amateursport?

Der Amateursport könne weiterhin stattfinden. Die 15-Personen-Regel gelte für spontane Veranstaltungen, nicht für geplante Veranstaltungen wie Fussball-Trainings oder -Matches.

14.44 Uhr: Warum werden Grossveranstaltungen nicht beschränkt? Die Menschen seien ja davor und danach auf den Strassen unterwegs.

«Die Kantone können Grossveranstaltungen bewilligen – aber das Contact Tracing muss funktionieren». Ausserdem gebe es ja Schutzkonzepte, sagt Sommaruga. Die Kantone müssen diese Frage aber jetzt nochmals überprüfen, gesteht sie ein.

14.42 Uhr: Wie soll mit dem Bildungswesen umgegangen werden?

Das liege in der Zuständigkeit der Kantone. Überall, wo möglich, solle man weiterhin zur Schule gehen können. Die Kantone könnten weitergehende Massnahmen treffen, wo es ihnen nötig erschiene, so der Gesundheitsminister.

14.39 Uhr: Warum kommt keine Maskenpflicht im Büro?

Das würde viele Ausnahmen brauchen, erläutert Berset. Die Firmen wüssten, wie ihre Leute geschützt werden können. «Die Firmen müssen jetzt Schutzkonzepte ausarbeiten, haben sie es nicht schon längst gemacht.» Sie alle hätten ein Interesse daran, die Ansteckungszahlen tief zu halten. Man arbeite gut zusammen mit dem Gewerbe, so Berset.

14.37 Uhr: Warum sind noch immer 15-Personen-Treffen erlaubt?

So sei es weiterhin möglich, dass sich Familien treffen könnten, sagt Berset. Deshalb die Zahl 15. Dazu zählen auch Kinder ab 12 Jahren. Die Absicht sei klar: «Verschieben Sie private Veranstaltungen auf bessere Zeiten.» Jeder Verstoss gegen die Maskenpflicht bei Privaten sei strafbar.

14.35 Uhr: Was heisst das konkret, eine Empfehlung fürs Homeoffice?

Dazu sagt Berset: «Durch Homeoffice kann eine Senkung der Ansteckungen erreicht werden. Das weiss man aus dem Erfahrungen vom März.» Aber die Menschen müssen mitmachen, die Wirtschaft müsse aufrecht erhalten werden.

14.33 Uhr: Zeit für Fragen

Jetzt haben die Medienschaffenden Zeit, Fragen zu stellen. Ein Journalist hakt nach, reichen die Massnahmen aus? Sommaruga bejaht. In der Tat könnte man viel stärker eingreifen. Der Bundesrat sei jedoch überzeugt davon, dass die verordneten Massnahmen zur Eindämmung des Virus ausreichen würden – sofern sich die Bevölkerung daranhalte. Weitere Massnahmen können laut Sommaruga aber nicht ausgeschlossen werden.

14.30 Uhr: «Die Anzahl der Ansteckungen reduzieren»

Die nationalen Grundregeln müssten jetzt durchgesetzt werden, um die Anzahl der Ansteckungen zu reduzieren.

Man suche nun den guten Mittelweg. Unser Gesundheitswesen müsse vor einer Überlastung geschützt werden. Noch seien die Spitäler nicht überlastet, aber man müsse jetzt handeln. Der Bundesrat wolle drittens weder das wirtschaftliche noch das soziale Leben verändern. «Das ist der grösste Unterschied zum März», sagt Berset.

14.25 Uhr: Berset erinnert an die Massnahmen vom Frühling

Gesundheitsminister Berset hat nun das Wort. «Man braucht keine Angst zu haben, aber Respekt», sagt er. Jetzt sei der Moment, die Massnahmen umzusetzen, die wir alle im Frühling erlernt hätten: Abstand halten, Maske tragen, Hände waschen. 

Alle Massnahmen würden in Abstimmung mit den Kantonen beschlossen, sagt Berset weiter. Die Kantone könnten – wann immer sie wollen – weitergreifende Massnahmen ergreifen. 

14.18 Uhr: Die heutigen Beschlüsse

Die Bundespräsidentin führt aus, was der Bundesrat heute beschlossen hat: 
- ausgeweitete, landesweite Maskenpflicht in allen öffentlichen Räumen  «Also etwa in Flughäfen und auf Bahnhöfen», sagt Sommaruga.
- Einschränkungen für private Veranstaltungen
- keine öffentlichen Versammlungen von mehr als 15 Personen mehr
- Homeoffice, wo immer möglich

Diese Massnahmen treten heute ab Mitternacht in Kraft, so Sommaruga.  «Die Lage ist ernst, meine Damen und Herren.» Falls nötig kämen weitere Massnahmen hinzu.

Die Gesundheit zu schützen, sei das oberste Ziel – damit schütze man auch die Wirtschaft. «So kann man grösseren Schaden verhindern.»

14.15 Uhr: So zieht der Bundesrat die Schraube an

Willkommen zum Live-Ticker nach der Krisensitzung: Bundespräsidentin Sommaruga ergreift das Wort. «Die Ansteckungen mit dem Coronavirus haben sich innert einer Woche mehr als verdoppelt.» Mit Blick auf den Winter müssen man die Ansteckungen jetzt bremsen. «Jeder Tag zählt.»

14 Uhr: Nach Krisensitzung informiert Bundesrat ab 14.15 Uhr

Zur heutigen Krisensitzung des Bundesrates gibt es eine Medienkonferenz mit Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga und Bundesrat Alain Berset um 14.15 Uhr zu den neusten Corona-Entscheiden.

13.23 Uhr: Proteste gegen Coronamassnahmen in Bern

Auf dem Berner Bundesplatz haben sich am Sonntagmittag mehrere hundert Gegner der Corona-Massnahmen zu einer «Mahnwache» versammelt. Die Polizei führte einzelne Demonstranten ab.

Es kam zu tumultartigen Szenen, und es herrschte eine aggressive Stimmung, wie ein Reporter der Nachrichtenagentur berichtete. Mehrere Demonstrierende wurden von der Polizei abgeführt, begleitet von einem Pfeifkonzert.

Auf Transparenten hiess es unter anderem an die Adresse der Bundesräte «Wie lange wollt Ihr die Lüge noch aufrecht erhalten?» Der Bundesrat wird am Nachmittag über weitere Massnahmen zur Eindämmung der Pandemie informieren.

Mehrere hundert bei «Mahnwache» in Bern gegen Coronamassnahmen

Mehrere hundert bei «Mahnwache» in Bern gegen Coronamassnahmen

Auf dem Berner Bundesplatz haben sich am Sonntag mehrere hundert Gegner der Corona-Massnahmen zu einer «Mahnwache» versammelt. Auf Transparenten hiess es unter anderem «Wie lange wollt Ihr die Lüge noch aufrecht erhalten?»

18.10.2020

13.02 Uhr: Wirtschaft wehrt sich schon vorab gegen schärfere Corona-Massnahmen

Am kommenden Donnerstag trifft sich nach Informationen der «SonntagsZeitung» Bundesrat Guy Parmelin mit Wirtschaftsvertretern und Gewerkschaften zu einem Gespräch am Runden Tisch. Thema sind die angekündigten Verschärfungen der Corona-Regeln.

Bereits wird Kritik laut. Für viele Gewerbebetriebe schränken die geforderten neuen Massnahmen laut Verbandsdirektor Hans-Ulrich Bigler die Betriebe stark ein. Die Umsätze drohten einzubrechen. Der Verband sei gegen eine Maskenpflicht bei kleinen Läden und gegen Home-Office- Vorschriften.

Kein Verständnis für den Widerstand von Teilen der Wirtschaft hat dagegen der Berner Epidemiologe Christian Althaus. Es zeige sich, dass viele Länder, die das Virus kontrollierten, nur geringe wirtschaftliche und gesellschaftliche Kosten hätten, sagte Althaus In einem Interview mit der «SonntagsZeitung».

12.30 Uhr: Slowenien stellt Kontakt-Nachverfolgung ein

Wegen der rasch steigenden Zahl von Infektionen mit dem Corona-Virus hat das slowenische Gesundheitsamt am Samstag die Nachverfolgung der Kontakte von positiv getesteten Menschen eingestellt. Man sei nicht mehr in der Lage, die grosse Zahl der Fälle zu bewältigen, hiess es.

Positiv Getestete werden aber weiterhin vom Gesundheitsamt über ihre Infektion informiert. Zugleich erhalten sie die Anweisung, in Quarantäne zu gehen und ihre relevanten Kontakte selbstständig zu informieren.

Im EU-Land Slowenien wurden am Sonntag 726 und am Vortag 897 Neuinfektionen mit dem Coronavirus bekannt. Damit hat sich die Zahl der aktiven Fälle in dem Zwei-Millionen-Einwohner-Land binnen einer Woche nahezu verdoppelt. Die Zahl der Infizierten der letzten 14 Tage pro 100'000 Einwohner wurde am Sonntag mit 317 angegeben.

11.55 Uhr: Rom beschliesst Milliarden-Pläne für Corona-Notmassnahmen 2021

Milliardenhilfen für Wirtschaft, Schulen und Arbeitsmarkt: Die Regierung in Rom hat einen Haushaltsentwurf mit neuen Massnahmen in Höhe von rund 40 Milliarden Euro für Anti-Corona-Massnahmen und die Stärkung der angeschlagenen Wirtschaft beschlossen. Das Kabinett habe den von Finanzminister Roberto Gualtieri vorgelegten Gesetzentwurf für das Haushaltsjahr 2021 sowie und den Mehrjahresetat bis 2023 genehmigt, teilte die Regierung am Sonntagmorgen mit.

Die Pläne sehen «eine erhebliche Haushaltserweiterung vor», um die Gesundheit der Bürger und Italiens wirtschaftliche Stabilität zu schützen. Eingeplant sind rund vier Milliarden Euro für das Gesundheitssystem, darunter die Verlängerung von Zeitverträgen für 30'000 Ärzte und Krankenschwestern.

Nach früheren Berichten rechnen Fachleute der Regierung damit, dass die Wirtschaft in Italien in diesem Jahr als Folge der Pandemie um neun Prozent einbrechen dürfte. Zugleich bestehe die Erwartung, dass das Bruttoinlandsprodukt 2021 wieder um sechs Prozent wächst. Die Ausgaben sollen Berichten zufolge teils über Schulden und teils mit Hilfe der Europäischen Union finanziert werden.

11.16 Uhr: Swiss braucht wohl neue Staatshilfen

Eine Erholung ist nicht in Sicht: Pro Tag macht Swiss in der Coronakrise 1,5 Millionen Franken Verlust. Aufs Jahr gerechnet summiert sich der Fehlbetrag auf eine halbe Milliarde, wie der «Tages-Anzeiger» berichtet. Bei der Schweizer Airline rechne man trotz öffentlicher Gelassenheit hinter den Kulissen damit, Ende des Jahres eine erneute Finanzspritze zu benötigen.

Die 1,5 Milliarden Franken Staatshilfe für Swiss und die Schwestergesellschaft Edelweiss aus dem Frühjahr würden nicht ausreichen, um die finanziellen Folgen der anhaltenden Krise in der Luftfahrtbranche abzufedern. Mit dem Geld könnte es «knapp werden» heisse es beim Swiss-Management.

Auch der Bundesrat gehe davon aus, dass die Swiss Ende des Jahres neues Geld braucht. Einen zweiten Hilfskredit könne man nicht ablehnen, nachdem der Bund bereits eine Bürgschaft über 1,275 Milliarden Franken übernommen hat, beruft sich der «Tages-Anzeiger» auf einen hochrangigen Beamten.

ARCHIVBILD ZUR BEWILLIGUNG DER STAATSHILFE FUER DIE SWISS UND EDELWEISS DURCH DEN DEUTSCHEN STABILISIERUNGSFONDS, AM MONTAG, 17. AUGUST 2020 - coVIDE Photo Set - Grounded "Swiss" and "Edelweiss" airline airplane are pictured at the military airfield of Duebendorf, Switzerland, Tuesday, April 21, 2020. (KEYSTONE/Valentin Flauraud)
Weil bei der Swiss viele Flieger weiterhin am Boden bleiben, rechnen die Airline und der Bund damit, dass Ende des Jahres neue Finanzhilfen notwendig werden.
KEYSTONE/Valentin Flauraud

11.05 Uhr: Malta verschärft Maskenpflicht

Nach einer langen Phase mit niedrigen Infektionszahlen erlebt Malta eine rasante Ausbreitung des Corona-Virus. Die Regierung in Valletta verschärfte deshalb die Maskenpflicht. Der Mund-Nasen-Schutz ist in dem kleinen Inselstaat nun auch im Freien Pflicht. Ausserdem gilt für alle Bars ab Montag eine Sperrstunde um 23 Uhr, wie die Regierung in Valletta am Freitag beschloss.

Am Samstag meldeten die Behörden in dem Inselstaat mit rund einer halben Million Einwohnern den Rekordwert von 204 Neuinfektionen innerhalb von 24 Stunden. Am Vortag waren es 122 gewesen. Die Gesamtzahl der Fälle stieg auf knapp 4500. Es gab bisher 45 Covid-19-Tote.

Ärzte und Krankenschwestern warnten nach Angaben der Zeitung «Malta Today» vom Samstag vor einem Zusammenbruch des medizinischen Systems, wenn der Anstieg nicht gebremst werde. Premierminister Robert Abela forderte eine strengere Durchsetzung der Corona-Vorschriften. Bisher waren Schutzmasken in Malta nur in öffentlichen Gebäuden, Läden und Bussen vorgeschrieben gewesen.

10.50 Uhr: Corona-Test von finnischer Regierungschefin Marin fällt negativ aus

Nach ihrem frühzeitigen Verlassen des EU-Gipfels in Brüssel ist Finnlands Ministerpräsidentin Sanna Marin negativ auf das Coronavirus getestet worden. Ein Ende ihrer freiwilligen Quarantäne bedeutet das jedoch nicht: Erst wenn auch ein weiterer Test am Montag negativ ausfalle, werde sie die Zeit der Selbstisolation beenden, teilte die finnische Regierung am Samstag mit.

Marin war am Freitag direkt nach ihrer Rückkehr aus Brüssel auf das Virus getestet worden. Die 34 Jahre alte Finnin hatte den EU-Gipfel zuvor sicherheitshalber vorzeitig verlassen, nachdem ein Corona-Fall in ihrer Umgebung bekanntgeworden war. Sie hatte am Mittwoch dieselbe Veranstaltung wie der Abgeordnete Tom Packalén besucht, der am Freitag mitgeteilt hatte, dass er positiv auf Corona getestet worden sei.

10.16 Uhr: Aktuelle Zahlen zur Corona-Pandemie

9.50 Uhr: Lockdown in Melbourne gelockert

In der zweitgrössten australischen Stadt Melbourne ist der Lockdown nach dem Rückgang von Coronavirus-Fällen gelockert worden. Ab Mitternacht am Sonntag (Ortszeit) dürfen Bewohner so lange sie wollen ihr Zuhause für Bildung und Freizeit verlassen. Nachdem sie zuvor nur maximal fünf Kilometer von ihrem Haus weggehen durften, sind es künftig 25 Kilometer. Zudem werden Versammlungen im Freien von bis zu zehn Personen aus zwei Haushalten erlaubt.

Der australische Staat Victoria meldete am Sonntag nur zwei neue Infektionen mit dem Coronavirus, es gab keine Todesfälle damit. Die durchschnittliche Menge von Fällen in 14 Tagen sank auf den niedrigsten Wert seit vier Monaten. Am 2. November sollen die Beschränkungen weiter gelockert werden. Dann sollen Geschäfte, Bars und Restaurants zum Teil wieder aufmachen dürfen.

9.25 Uhr: Rega springt bei überlasteten Spitälern ein

Die schweizerische Rettungsflugwacht Rega springt künftig ein, sollten Spitäler wegen Covid-19 an ihre Belastungsgrenzen stossen. Die Gesellschaft für Intensivmedizin und der Koordinierte Sanitätsdienst des Bundes haben die Rega beauftragt, die Koordination der Intensivbetten zu übernehmen, sollte eine Region überlastet sein. Das geht aus einem Konzept für die nationale Koordination bei massivem Zustrom von Patienten in Intensivstationen hervor, über das die «NZZ am Sonntag» berichtet.

Die Rega selbst weist auf ihre Rolle als nationale Alarmzentrale hin. Mit 70 Jahren Erfahrung in der schweizerischen Koordination von Luftrettungen sowie profunden Kenntnissen der Spitallandschaft sei die Rega für diese Aufgabe zugunsten der Schweizer Bevölkerung prädestiniert.

In von der Corona-Pandemie überlasteten Regionen soll die Rega die Koordination der Intensivbetten übernehmen. (Symbolbild)
KEYSTONE/LAURENT GILLIERON

9 Uhr: Israel lockert nach einem Monat den strengen Lockdown etwas

Nach einem Monat Corona-Lockdown sind in Israel am Sonntag erste Lockerungen in Kraft getreten. Kindergärten und Vorschulen öffneten zu Beginn der israelischen Arbeitswoche ihre Tore für Hunderttausende Kinder im Alter von bis zu sechs Jahren. Auch Einrichtungen ohne Publikumsverkehr dürfen ihre Arbeit wieder aufnehmen. Die Auflage, dass Bürger sich nicht weiter als einen Kilometer von ihrem Zuhause entfernen dürfen, wurde aufgehoben.

Auch Naturparks und Strände können wieder besucht werden. Restaurants dürfen Mahlzeiten zur Abholung verkaufen. Die Klagemauer, die Grabeskirche sowie der Tempelberg in Jerusalem sollen unter Auflagen für Besucher zugänglich sein. Es gelten jedoch weiterhin Versammlungsbeschränkungen.

Nach einem glimpflichen Verlauf zu Beginn der Pandemie waren die Corona-Infektionszahlen in Israel nach ersten Lockerungen im Mai dramatisch angestiegen. Ein seit dem 18. September geltender zweiter landesweiter Lockdown liess die Zahlen dann wieder deutlich sinken. Die Zahl der täglichen Neuinfektionen konnte von mehr als 9000 am 30. September auf unter 2000 gedrückt werden.

8.50 Uhr: Drohnen sollen britische Kliniken mit Corona-Tests versorgen

Drohnen sollen künftig Corona-Tests und Schutzausrüstungen zwischen Kliniken in Grossbritannien liefern. Das Projekt «Apian» habe dafür die Genehmigung der britischen Raumfahrtbehörde bekommen, teilte die Regierung am Samstag in London mit. Der Service wurde von Mitarbeitern des staatlichen Gesundheitsdienstes NHS im Rahmen eines Förderprogramms gegründet. Die Nutzung von Drohnen verringere im Vergleich zu herkömmlichen Kurierdiensten den Zeit- und Personalaufwand sowie das Infektionsrisiko, betonten Mitarbeiter des Start-ups.

Jede Drohne kann etwa zwei Kilogramm transportieren und mit ihrem Hybrid-Antrieb ein fast 100 Kilometer entferntes Ziel erreichen. Sie fliegt in 90 Metern Höhe auch bei schlechtem Wetter.

Viele britische Krankenhäuser sind in der Corona-Krise überlastet und könnten schon bald nicht mehr den Ansturm der Covid-19-Patienten stemmen. Besonders stark betroffen von der Pandemie sind der Norden Englands, Teile von Schottland und Wales sowie Nordirland. Mediziner fordern einen nationalen Lockdown. Das lehnt Premierminister Boris Johnson bisher ab.

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