Zu viel des Guten

tsch

22.8.2018 - 10:00

Warum gibt man ein Restaurant auf, das von Kritikern als das schönste auf Erden bezeichnet wird? Nun reden die scheidenden Pächter des Berggasthaus Aescher-Wildkirchli Klartext.

Mitten in der Hochsaison gab das Ehepaar Bernhard und Nicole Knechtle-Fritsche seine Entscheidung bekannt: Die Wirte des Berggasthaus Aescher-Wildkirchli lassen den Pachtvertrag nach fünf Jahren auslaufen. Bis zum Saisonende am 4. November soll das Restaurant oberhalb von Weissbad AI offen bleiben. Danach ist die Zukunft der Bergbeiz ungewiss.

Doch warum gibt man ein Lokal auf, dem es an Gästen wahrlich nicht mangelt, seit es vom US-Magazin «National Geographic»zum «schönsten Ort» und von der «Huffington Post» zum schönsten Restaurant der Welt erklärt wurde? Tatsächlich ist genau das das Problem: Seit die internationalen Medien den Aescher in den höchsten Tönen lobten, explodierten die Besucherzahlen. Es kommen mehr Gäste, als das alte Gasthaus verträgt.

Nötige Renovierungen blieben aus

Bis Saisonende bleibt das Traditionsgasthaus noch geöffnet. Und dann?
Keystone

Sowohl die sanitären Einrichtungen als auch die Tiefkühler müssten erneuert werden, um dem Gästeansturm gerecht zu werden, ausserdem mangelt es schlicht an Platz, alle zu bewirten: «Unsere Gäste suchen den Aescher bewusst als Ziel aus, kommen extra deswegen her. Schon jetzt haben wir Warteschlangen, wenn alle Plätze besetzt sind», erklärt Nicole Knechtle-Fritsche im «Blick».

Doch die Stiftung Wildkirchli, der das traditionsreiche Haus gehört, habe in den vergangenen Jahren kaum investiert. Und auch der Denkmalschutz stehe notwendigen Neuerungen oft im Weg. «Nimmt der Ansturm weiter zu, müssten wir die Speisekarte einschränken. Das macht keine Freude», klagt Knechtle-Fritsche, die die Beiz 2014 gemeinsam mit ihrem Mann von dessen Eltern übernahm.

31 Jahre lang wurde der Aescher, eines der ältesten Berggasthäuser der Schweiz, von der Familie Knechtle geführt. Dass mit ihrem Rückzug eine Ära endet, ist dem Ehepaar bewusst: «Wir sind zwar die geborenen Bergwirte, aber unser Entscheid ist gut überlegt und definitiv», sagt Nicole Knechtle. «Vom Herzblut, das wir einst hatten, ist leider nicht mehr viel übrig geblieben!»

Bilder aus der Schweiz
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