Ruhig gestellt – so gefährlich ist Handykonsum für Babys wirklich

tafi

3.12.2019 - 14:37

Wer sein Baby mit Handyvideos ablenkt, erkauft sich eine kurze Ruhe zu einem sehr hohen Preis. (Symbolbild)
KEYSTONE/Gaetan Bally

Babys und Kleinkinder mit Handys zu beruhigen, ist ein gefährlicher Trend. Eine Basler Psychologin warnt vor den längerfristigen Folgen für die Entwicklung des Nachwuchses.

Auch wenn das Kind äusserlich ruhig wirkt, weil es gebannt auf die magischen Bilderwelten schaut: Innerlich erleben Babys und Kleinkinder immensen Stress, wenn sie von ihren Eltern mit Handys «beruhigt» werden. Die Basler Psychologin Dr. Margarete Bolten warnt bei SRF eindrücklich davor, den eigenen Nachwuchs mit Handys und Videos «ruhig zu stellen».

Bolten, die am Universitäts-Kinderspital beider Basel (UKBB) eine Säuglingssprechstunde für Eltern anbietet, deren Kinder unter Schrei-, Schlaf- und Essstörungen leiden, berichtet, dass 95 Prozent der kleinen Patienten in ihrer Sprechstunde mit Handys beruhigt werden. Das Problem dabei: «Das Gehirn kann mit den intensiven Reizen gar nicht umgehen», erklärt sie.

Zu viel Stress durch Handys

Früher habe man Kleinkindern zur Ablenkung in stressigen Situationen einen Schlüsselbund zum Spielen gegeben, heute reichten die Eltern einfach ihre Handys in den Kinderwagen und spielten Videos ab, sagt Bolten. «Exzessive Stimulation mit visuellen Reizen führt zu Hyperaktivität, erhöhtem Risikoverhalten und Gedächtnisproblemen», warnt die Ärztin.



Das Gehirn bei Kindern unter drei Jahren sei noch gar nicht in der Lage, mit den grellen Farben, intensiven Tönen und schnellen Schnitten umzugehen. Statt das Kind in Stresssituationen zu beruhigen, würde der Handygebrauch den Stressfaktor noch erhöhen. Um die Eltern für das Problem zu sensibilisieren, hat das UKBB gemeinsam mit dem Erziehungsdepartement des Kantons Basel-Stadt einen Informationsflyer (PDF-Download) entwickelt, in dem Tipps und Hinweise zum richtigen und für die Kinder förderlichen Umgang mit Handy, Tablet und Co. stehen.

In einem Flyer werben das UKBB und das Erziehungsdepartement des Kantons Basel-Stadt dafür, Kleinkinder nicht mit Handys zu überfordern.
ZVG

Eine halbe Stunde pro Tag

Bolten wirbt dafür, sich an Bill Gates und anderen Tech-Gurus aus dem Silicon Valley zu orientieren, die ihren Kindern den Zugang zu Computern in der frühen Kindheit verbieten: «Ich glaube, es sollte uns zu denken geben, wenn die Leute, die es erfunden haben, ihre eigenen Kinder davor schützen.» Handys und Videos sollten daher für Kinder unter vier Jahren die Ausnahme sein. Wenn sie angeboten werden, sollte der Konsum auf eine halbe Stunde pro Tag beschränkt sein und nur zusammen mit den Eltern erfolgen.

Übrigens: Auch speziell für Kleinkinder vermarktete Lernapps oder Bildungsvideos bewirken oft das Gegenteil von den gut gemeinten Intentionen der Eltern, erklärt Bolten. Statt bei Youtube Englisch zu lernen, würden die Kinder die Worte nur nachplappern und Probleme bekommen, ihre eigene Muttersprache zu beherrschen.

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