So sehr knirscht es bei Post, Polizei und im ÖV

Von Uz Rieger

4.12.2021

Ein Paketbote der Post stapelt waehrend der Auslieferung die Pakete auf einen Wagen, am Donnerstag, 11. Februar 2021, in Bern. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)
Die Post erwartet in der Weihnachtszeit mit dem sogenannten «Festverkehr» eine anspruchsvolle Phase. (Symbolbild)
Bild: Keystone

Die fünfte Corona-Welle trifft neben Spitälern auch Behörden, Firmen und den öffentlichen Verkehr. Die teils ohnehin angespannte Personalsituation wird durch Krankheit und Quarantäne weiter verschärft. 

Von Uz Rieger

4.12.2021

Zahlreiche Spitäler schlagen Alarm, weil sie bereits an der Belastungsgrenze angelangt sind. Dabei sind nicht allein die Covid-Intensivpatienten für die prekäre Situation verantwortlich. Grund ist auch der Personalmangel, wie Stephan Jakob, Chefarzt am Inselspital Bern, gegenüber SRF erklärt: «Viele haben gekündigt. Manche sind länger krankgeschrieben, weil sie nach diesen schweren 21 Monaten so erschöpft sind.»

Wegen längerer krankheitsbedingter Ausfälle in Verbindung mit «Corona-Ansteckungen und Quarantänen» ist die Lage derzeit auch bei Stadtbus Winterthur stark angespannt, wie das Unternehmen mitteilt. Bis voraussichtlich Ende des Jahres muss deshalb eine Linie eingestellt werden und bei anderen der Takt reduziert werden. Es handle sich um «eine Situation, die wir noch nie hatten – beziehungsweise kann sich niemand von uns an einen vergleichbaren Fall erinnern», sagte der Vorsteher Technische Betriebe der Stadt Winterthur, Stefan Fritschi, «20 Minuten» zu dem Vorgang. 

Ähnliche Situation wie im letzten Winter?

Mitte der Woche teilte zudem die Kantonspolizei Basel-Landschaft mit, dass man sich unter anderem aufgrund der aktuellen Entwicklung der Corona-Pandemie und damit verbundener Kontrollen mit einer «massiven Mehrbelastung konfrontiert» sieht. Deshalb müssten die Polizeihauptposten im ganzen Kanton «lagebedingt jeweils am Nachmittag vorübergehend geschlossen werden».

Zudem seien die Polizeistützpunkte in Liestal und das Anzeigebüro in Reinach nun jeweils am Samstag zu. Trotz der Einschränkungen bleibe die Grundversorgung «selbstverständlich im ganzen Kanton gewährleistet», heisst es weiter. 

In der derzeitigen prekären Situation scheint es nicht ausgeschlossen, dass sich bei verschiedenen Unternehmen eine ähnliche Situation wie im letzten Winter ergeben könnte. Damals wurden die Nachtnetze bei Zügen und Bussen teils eingestellt, zudem forderten SBB und Postauto kürzere Quarantäne-Zeiten für ihr Personal, um den Betrieb aufrechtzuerhalten. Ebenfalls kam die Post mit Corona-Massnahmen bei einer gleichzeitigen Rekordflut an Paketen bereits ans Limit.

«In Frauenfeld haben wir aktuell einen Corona-Hotspot»

Die Weihnachtszeit mit dem sogenannten «Festverkehr» werde für die Post wieder anspruchsvoll, meint Post-Sprecherin Jacqueline Bühlmann auf Nachfrage. «Natürlich haben wir Absenzen wegen Corona und anderer Krankheiten. In Frauenfeld haben wir aktuell einen Corona-Hotspot, welcher sich jedoch stabilisiert hat», so die Sprecherin.

Die bestehenden Schutzkonzepte hätten sich im Alltag in den unterschiedlichsten Arbeitssituationen indes bewährt, was sich an den verhältnismässig tiefen Ansteckungszahlen bei der Post zeige. Zudem sei frühzeitig geplant worden und man habe verschiedene Szenarien durchgedacht. Wie in den Vorjahren fahre die Post zudem die Kapazitäten hoch. Derzeit habe man etwa rund 730 Vollzeitstellen und über 200 temporäre Mitarbeitende mehr als noch vor Jahresfrist. Das «hilft uns, falls weitere Mitarbeitende coronabedingt ausfallen würden».

Unabhängig davon teilt Bühlmann mit: «Damit aber an Weihnachten wirklich alle Päckli unter dem Tannenbaum sind, empfehlen wir unseren Kundinnen und Kunden, ihre Pakete frühzeitig zu verschicken.»

«Angespannter als normal»

Ebenfalls «angespannter als normal, aber noch nicht kritisch» ist die Situation bei den Verkehrsbetrieben Glattal (VBG). Derzeit stünden noch genügend Fahrdienst-Mitarbeitende zur Verfügung und die Transportbeauftragten würden die Entwicklung fortlaufend beobachten, heisst es auf Nachfrage beim Leiter der Unternehmenskommunikation Tino Kunz.

«Bei einer erheblichen Zunahme der Ausfälle im Fahrdienst können wir allerdings Einschränkungen nicht ausschliessen», so Kunz. Durch ein täglich aktualisiertes Monitoring will man bei den VBG Personal-Engpässe zudem frühzeitig erkennen. Zudem verfüge das Unternehmen über ein Notfallkonzept, in dem Szenarien und Massnahmen stufenweise abgebildet würden.

Lage unsicher

Bei der Rhätischen Bahn ist die Personalsituation weder beeinträchtigt noch rechnet man hier damit, dass es krankheitsbedingt zu Zugausfällen kommen wird. Für mögliche zukünftige gravierende Personalengpässe beim Zugpersonal stehe aber eine Eventualplanung zur Verfügung, teilt Mediensprecherin Yvonne Dünser mit.

Ähnlich gestaltet sich die Lage auch bei den SBB. Aktuell sei genügend Personal im Einsatz und alle Züge würden gemäss Fahrplan verkehren, berichtet der Leiter der Medienstelle Reto Schärli. «Ob sich dies in den nächsten Tagen oder Wochen ändert, weiss niemand», gibt er jedoch zu bedenken.

Um die Lage im Unternehmen zu stabilisieren, haben die SBB bereits vor zehn Tagen «eine dringende Homeoffice-Empfehlung für alle Mitarbeitenden ausgesprochen, die nicht aus betrieblichen Gründen vor Ort sein müssen». Für all jene, die vor Ort arbeiten müssten, würden die bewährten Schutzkonzepte gelten. Auch habe man alle Weihnachtsanlässe und Team-Essen auf das kommende Frühjahr verschoben.

Polizeiliche Versorgung ist gewährleistet

Gemischt bewertet man die Situation auch bei den angefragten Kantonspolizeien. Während es aus dem Kanton Zürich knapp und bündig heisst: «Die polizeiliche Versorgung und Betreuung der Zürcher Bevölkerung war und ist jederzeit gewährleistet», formuliert man bei der Kantonspolizei Bern etwas vorsichtiger. Aktuell seien keine Postenschliessungen geplant, teilt Mediensprecher Patrick Jean mit.

Eine solche Massnahme werde im Einzelfall und bei vorübergehenden Belastungsspitzen geprüft, sei eher selten und habe vereinzelt im September und Oktober ergriffen werden müssen. Hier sei das Korps wegen der wöchentlich wiederkehrenden Demonstrationen gegen die Corona-Massnahmen stark gefordert gewesen.