«Alle Reisebeschränkungen sind für den Tourismus schädlich»

DPA/SDA/lmy

4.12.2021

Samnaun startet als erstes Schweizer Skigebiet mit 2G

Samnaun startet als erstes Schweizer Skigebiet mit 2G

Das Wintersportgebiet in Samnaun GR und im österreichischen Ischgl hat den Betrieb mit 2G-Regel gestartet. Fahren darf nur, wer geimpft oder genesen ist. Getesteten bleiben nur die Pisten in Samnaun offen.

10.12.2021

Der Schweizer Tourismus steht vor einer schwierigen Wintersaison: Deutschland hat die Schweiz zum Hochrisikogebiet erklärt, die Omikron-Variante erschwert das Reisen. Dennoch sind nicht alle pessimistisch.

DPA/SDA/lmy

4.12.2021

Gute und schlechte Nachrichten für den hiesigen Tourismus: Die Quarantäne-Regeln für die Einreise aus Risikoländern hat der Bundesrat am Freitag zwar gelockert. Ab Samstag müssen Einreisende aus allen Ländern, auch Geimpfte und Genesene, aber einen negativen PCR-Test vorlegen – und nach der Einreise einen weiteren Test machen.

Kurz zuvor hatte Deutschland die Schweiz wegen der hohen Fallzahlen zum Risikogebiet erklärt. Wer aus einem Hochrisikogebiet nach Deutschland einreist und nicht vollständig geimpft oder genesen ist, muss für zehn Tage in Quarantäne und kann sich frühestens fünf Tage nach der Einreise mit einem negativen Test davon befreien.

Die Schweiz und Polen sind ab Sonntag Hochrisikogebiete

Die Schweiz und Polen sind ab Sonntag Hochrisikogebiete

Wegen stark steigender Corona-Infektionszahlen hat die Bundesregierung nun auch die Nachbarländer Schweiz und Polen als Hochrisikogebiete eingestuft.

03.12.2021

Der Verband HotellerieSuisse bewertet dies als «verheerend». Die Einstufung als Hochrisikoland halte Deutsche sicher davon ab, Ferien in der Schweiz zu buchen, sagt Sprecherin Karin Sieber der Nachrichtenagentur DPA. Auch die Massnahmen der Schweiz selbst machten die Lage schwierig.

Schweiz Tourismus reagiert gelassener. «Alle Reisebeschränkungen sind für den Schweizer Tourismus schädlich», sagt Sprecher André Aschwanden der DPA. Allerdings sei die Impfquote in Deutschland so hoch, dass immer noch viele Deutsche frei in die Schweiz einreisen könnten. «Und das wäre immer noch besser für die Branche als die Situation im letzten Winter 2020/2021 ganz ohne ausländische Gäste.»

Die Ausweitung der Testpflicht auf alle Einreisenden geht für den Schweizer Tourismus-Verband zu weit, wie er in einer Mitteilung schreibt. Das sei ein klarer Wettbewerbsnachteil für die Schweiz. Der Verzicht auf Reisequarantäne wird hingegen positiv bewertet.

Dieser Schritt kommt für HotellerieSuisse-Präsident Andreas Züllig gerade noch rechtzeitig, wie dieser dem «Blick» sagte. Vor allem für die Festtage seien Gäste aus dem Ausland sehr wichtig.

Die Krise als Chance

Dass die Quarantäne-Liste durch ein strengeres Testregime ersetzt wird, findet auch Ursula Oehy Bubel sinnvoll: «Mit diesen Massnahmen kann Wintertourismus in der Schweiz in einem sinnvollen und sicheren Mass stattfinden», sagt die Rektorin der Höheren Fachschule für Tourismus Graubünden (HFT) gemäss einer Medienmitteilung.

Oehy Bubel sieht in der Pandemie sogar eine Chance: «Ist ein Tourismusanbieter in der Lage, die Bedürfnisse der Gäste zu verstehen und auf sie einzugehen, kann er eine viel grössere Bindung erzeugen, als es vorhin möglich war.» Dabei müssten sowohl Anbieter wie auch Gäste flexibel sein: «Die Pandemie hat uns gelehrt, in Szenarien zu denken. Das gilt auch für die bevorstehende Wintersaison, für die es diverse solcher Szenarien gibt.»



In der Schweiz habe man das Glück, dass die Einheimischen die grösste Gästegruppe ausmachten. «Wir machen gerne Ferien im eigenen Land», betont die HFT-Rektorin. Auch diese Saison planen gemäss einer Umfrage 30 Prozent der Schweizer*innen Winterferien im Inland. Und der Nachholbedarf werde in der kommenden Zeit noch steigen.

2G in Samnaun/Ischgl – zum Teil

Speziell ist die Situation im grenzübergreifenden Skigebiet Samnaun/Ischgl. Hier startete der Betrieb am Freitag mit einer 2G-Regel. Auf die Piste darf nur, wer geimpft oder genesen ist – die Pisten und Restaurants in Samnaun sind allerdings auch für Getestete offen.

Die Pisten auf der Schweizer Seite waren seit 25. November geöffnet. Nun passten sich die Bündner teilweise den strengeren Regeln in Österreich an. «Ohne Ischgl ist Samnaun nicht überlebensfähig», sagte Mario Jenal, Direktor der Bergbahnen Samnaun, der Nachrichtenagentur Keystone-SDA.

Skifahrer mit FFP2-Schutzmaske, am Freitag, 3. Dezember 2021, in Skigebiet Silvretta Arena, in Samnaun. Samnaun betreibt mit Ischgl ein gemeinsames Skigebiet. Weil in Oesterreich die 2G Regel gilt, muessen Skifahrer auf Schweizer Seite auch ein Covid-Zertifikat haben. Wer oesterreichische Anlagen nutzen moechte, muss geimpft oder genesen sein. Auf der Schweizer Seite genuegt ein 3G-Zertifikat. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)
Ein Skifahrer mit FFP2-Maske im Skigebiet Silvretta Arena.
KEYSTONE

Samnaun bietet eine Alternative an für Schneesportler, die nicht geimpft oder genesen sind, aber einen negativen Corona-Test vorweisen können: ein Ticket nur für den kleineren Bündner Teil des Skigebietes, so Jenal. «Wir wollten es allen Personen ermöglichen, Ski zu fahren, egal, ob sie geimpft sind oder nicht.»

Für die Bündner gibt es noch eine weitere Chance. Solange die Gastronomie in Ischgl wegen des Lockdowns geschlossen bleibt, können alle Besucher*innen auf der Schweizer Seite essen. «Dies ist völlig legal», sagt Jenal. In der Schweiz gilt in Innenbereichen von Restaurants eine Zertifikatspflicht respektive die 3G-Regel.