Zürich impft Prominente, Graubünden im Geheimen

Von Anna Kappeler und Tobias Bühlmann

4.1.2021

Swiss author and cabaret artist Franz Hohler in his house in Zurich Oerlikon, Switzerland, pictured on February 27, 2013. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Schweizer Schriftsteller und Kabarettist Franz Hohler in seinem Haus in Zuerich Oerlikon, aufgenommen am 27. Februar 2013. (KEYSTONE/Gaetan Bally)
Der Schriftsteller und Kabarettist Franz Hohler wurde heute als einer der ersten Zürcher gegen das Coronavirus geimpft. Das Bild zeigt ihn in seinem Haus in Zürich Oerlikon.
Bild: KEYSTONE

In Zürich werden die ersten Menschen vor laufender Kamera geimpft, in Graubünden sind die Beteiligten zu Verschwiegenheit angehalten. Der Start zur Corona-Impfkampagne verläuft so föderal wie schon die Pandemie-Massnahmen.

Der erste Montag im Jahr 2021 ist grosser Impftag gegen Corona. Gleich in zehn Kantonen fällt heute der Startschuss. Die Strategien sind dabei – ganz föderalistisch – von Kanton zu Kanton sehr verschieden. Der bevölkerungsreichste Kanton Zürich rührt mit der grossen Kelle an – und setzt auf bekannte Gesichter als Zugpferde.

Unter den ersten Menschen, die sich im Impfzentrum nahe dem Zürcher Hauptbahnhof gegen das Coronavirus impfen liessen, waren der Schauspieler Walter Andreas Müller (WAM) und der Schriftsteller Franz Hohler. Impfen lassen können sich alle Personen, die 75 Jahre oder älter sind. Dies freiwillig und gratis.



Was viele wollen, können vorerst nur wenige. Weil noch nicht genug Impfstoff vorhanden ist, waren die Impfungen für die ersten Termine bereits kürzeste Zeit nach Ankündigung des Impfstarts Ende Jahr ausgebucht. Inzwischen ist klar: Für den ganzen Januar sind im Impfzentrum keine Impf-Termine mehr buchbar, wie die Gesundheitsdirektion heute mitteilte.

Prominente sollen den Leuten Mut machen

Warum also setzt der Kanton Zürich ausgerechnet auf Prominente? Dies sei so, «um mit gutem Beispiel voranzugehen und die Wichtigkeit der Impfung für die Bekämpfung der Pandemie zu unterstreichen», heisst es in der Medienmitteilung. Weitere Fragen zum Thema blieben unbeantwortet, beziehungsweise wurden nur beim Medientermin vor Ort beantwortet, wie ein Mediensprecher auf Anfrage von «blue News» mitteilt.

«Von Vorpreschen kann also nicht die Rede sein», sagt dazu WAM in einem Interview mit dem «Tages-Anzeiger». Aber auch er sei skeptisch gewesen. «Ich habe zuerst abgesagt», sagt er, als die Zürcher Regierungsrätin Natalie Rickli ihn angerufen habe. Rickli habe ihn gefragt, ob er bereit wäre, sich für den Termin am 4. Januar zur Verfügung zu stellen. «Die Absicht dahinter ist, mit Prominenten der Bevölkerung Mut zu machen, sich impfen zu lassen», sagte WAM.

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WAM habe eigentlich zuerst Resultate abwarten wollen. «Etwa, was die Nebenwirkungen betrifft.» Aber dann hätten ihn Kollegen und Freunde angesprochen, das wäre doch eine Gelegenheit, ein Zeichen zu setzen. «Der Shitstorm, den das lostritt, von wegen ich würde jemandem den Platz wegnehmen, interessiert mich deshalb, ehrlich gesagt, nicht.»

Er sei über 75 Jahre alt, gehöre also zur Risikogruppe. «Und ich bin jemand, der mit vielen Menschen in Kontakt stehen muss. Ich bin also darauf angewiesen, geschützt zu sein.»

Graubünden setzt auf Schutz der Privatsphäre

Einen gegenteiligen Weg wählt der Kanton Graubünden. Hier wird der Start der Impfkampagne wie eine Geheimsache behandelt. An Silvester hat die Staatskanzlei nach 16 Uhr eine Medieninformation verschickt, in der im Wesentlichen steht, dass es keine Informationen geben wird. Die Behörden teilen darin einzig mit, dass es heute tatsächlich mit ersten Impfungen losgehen soll.

Die Medien sind vom Impfstart ausgeschlossen, die Bündner verweisen zur Begründung auf den Schutz der Privatsphäre. Auch Bilder vom Impfstoff im Lager, dessen Transport oder der Chauffeure seien verboten – «aus Sicherheitsgründen», wie es heisst. Erst am Dienstag wollen die Bündner Behörden über das Thema informieren.

Auf eine schriftliche Nachfrage von «blue News» hin äussern sich die Bündner zurückhaltend: Zunächst würden nur Menschen über 75 Jahren, Heimbewohnende sowie Pflegepersonal und Betreuende von besonders Gefährdeten geimpft.



Erst wenn in der zweiten Januarhälfte die Impfzentren im Kanton in Betrieb gingen, sei eine Kampagne geplant, schreibt die Kommunikationsstelle Coronavirus des Kantons. Damit solle die Bevölkerung für die Covid-19-Impfung sensibilisiert und «zum persönlichen Impfentscheid befähigt» werden.

Acht weitere Kantone mit Impfstart

Neben Graubünden und Zürich werden auch in den Kantonen Uri, Obwalden, Tessin, Jura, Graubünden, St. Gallen, Glarus, Appenzell-Ausserrhoden und Thurgau die ersten Personen geimpft.

Bereits in den letzten Tagen des vergangenen Jahres haben 13 Kantone mit dem Impfen gegen das Coronavirus begonnen. Als landesweit letzter Kanton hat Bern den Impfstart für Montag in einer Woche, den 11. Januar, angekündigt.

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