«SwissCovid» hat über eine Million Nutzer — Ueli Maurer ist nicht dabei

Agenturen/toko

4.7.2020 - 16:35

Die Corona-Warn-App «SwissCovid» hat bereits über eine Million Nutzer — Bundesrat Ueli Maurer hingegen ist nicht unter ihnen. Sein Kollege Alain Berset verteidigt unterdessen die Maskenpflicht im ÖV — das BAG meldet 97 Neuinfektionen. Die Ereignisse des Tages im Überblick.

In der Schweiz und in Liechtenstein sind innerhalb eines Tages 97 neue Ansteckungen mit dem Coronavirus gemeldet worden. Nach drei Tagen fiel die Zahl damit wieder unter die Hundertermarke.

Insgesamt gab es bisher 32'198 laborbestätigte Covid-19-Fälle, wie das Bundesamt für Gesundheit (BAG) am Samstag mitteilte. Am Freitag wurden 134 neue Fälle gemeldet, am Donnerstag 116, am Mittwoch 137. Die 137 Neuinfektionen stellten gegenüber dem Dienstag mehr als eine Verdoppelung der gemeldeten Fälle dar.

Berset verteidigt Maskenpflicht

Die Maskenpflicht im öffentlichen Verkehr, die am Montag in Kraft tritt, ist laut Bundesrat Alain Berset eine Folge der steigenden Zahl an Neuinfektionen und der zunehmenden Reisen nach dem Lockdown. Eine Rolle spiele auch mangelnde Disziplin.

Viele Menschen trügen in Zügen, Trams und Bussen keine Maske, obwohl der Bundesrat dies dringend empfohlen habe, wenn der Mindestabstand von 1,5 Metern nicht eingehalten werden könne, sagte Berset in einem Interview mit der Tageszeitung «Blick» (Samstagausgabe).

SwissCovid knackt Millionen-Marke

Die Schweizer Corona-Warn-App zählt bereits über eine Million Nutzer. Bis am Freitagabend installierten und nutzen 1'007'199 Menschen aktiv die Anwendung auf ihren Mobiltelefonen, wie das Bundesamt für Statistik (BFS) am Samstag mitteilte.

Die Swiss-Covid-App war vor neun Tagen vom Bund lanciert worden. Sie warnt Benutzer, falls diese engen Kontakt mit einer mit dem Coronavirus infizierten Person hatten. Sie soll dem Bundesrat zufolge als technisches Hilfsmittel für die klassische Kontaktverfolgung (Contact Tracing) dienen und helfen, Infektionsketten zu unterbrechen.

Die freiwillige und kostenlose Anwendung steht in neun Sprachen zur Verfügung. In der Schweiz gibt es laut dem Bund gegen 6,4 Millionen Handys, die mit der App kompatibel sind. Damit hat nach der Lancierung jeder Sechste die Anwendung heruntergeladen. Für Mitte Juli ist ein erstes Update der App geplant. Dabei sollen kleinere Fehler behoben, Messungen verbessert und die Batterielaufzeit erhöht werden.

Ueli Maurer will App nicht herunterladen

Bundesrat Ueli Maurer äusserte sich in der "Samstagrundschau" von Radio SRF zurückhaltend zur Swiss-Covid-App. Er werde die App nicht herunterladen, gab er unumwunden zu: "Ich verstehe das Zeug nicht."

Auch auf das Maskentragen habe er im öffentlichen Verkehr bisher verzichtet, denn er fahre nur sehr früh oder ganz spät mit dem Zug, sagte Bundesrat Maurer in dem Radiobeitrag weiter. Oft sei er dann ohnehin ganz allein.


Die Ereignisse des Tages im Überblick:

Das Wichtigste in Kürze:

  • Die Corona-Warn-App «SwissCovid» hat nach neun Tagen bereits über eine Million Nutzer. Uli Maurer hingegen hat die App nach eigenen Angaben nicht auf dem Smartphone.
  • Die Schweiz hat nach den Worten der früheren Bundesrätin Doris Leuthard zu spät auf die Coronavirus-Krise reagiert.
  • Das BAG hat 97 neue Ansteckungen mit dem Coronavirus binnen eines Tages gemeldet. Die Zahl sank damit erstmals seit drei Tagen wieder unter 100.
  • Die WHO wurde laut einer überarbeiteten Darstellung des Ablaufs der Corona-Pandemie von einem eigenen Büro über erste Fälle informiert — nicht von China
  • Bundesrat Alain Berset hat die Maskenpflicht im ÖV verteidigt.
  • Die WHO sieht keine zweite Welle, sondern den zweiten Höhepunkt der ersten.
  • In den USA steigen die Infektionszahlen weiter rasant an.

17.30 Uhr: Wir beenden unseren Live-Ticker am Samstag.

16.56 Uhr: Mehr als 10'000 Tote in Russland

In Russland sind in der Corona-Krise insgesamt mehr als 10 000 Menschen im Zusammenhang mit Sars-CoV-2 gestorben. 168 Todesfälle seien zuletzt gemeldet worden, teilten die russischen Behörden am Samstag in Moskau mit. Damit gibt es mehr Tote in Russland als in Deutschland, wo rund 9000 Tote registriert wurden. Die meisten Todesopfer in der Pandemie verzeichnen die USA mit knapp 130 000 Fällen.

In Russland, dem grössten Land der Erde, haben sich bislang rund 675 000 Menschen mit dem hochansteckenden Coronavirus infiziert. Jeden Tag kommen landesweit noch immer knapp 7000 neue Fälle hinzu. Für viele Wochen gab es vor allem in der Hauptstadt Moskau strenge Ausgangsbeschränkungen, was die Infektionszahlen etwas drückte. Auch weiterhin wird im öffentlichen Raum das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes vorgeschrieben, was jedoch nicht überall eingehalten wird.



Immer wieder gab es Berichte über geschönte Corona-Statistiken in Russland. Behördenvertreter wiesen dies jedoch vehement zurück. Zuletzt wurde ein Demograf des russischen Statistikamtes entlassen. Der Mann hatte zuvor die offiziellen Zahlen angezweifelt, wie das Portal Meduza berichtete.

16.35 Uhr: Griechenland verlängert trotz Kritik Ausgangssperre in Flüchtlingslagern

Die griechischen Behörden haben trotz Kritik die Ausgangssperre in den Flüchtlingslagern im Land erneut verlängert. Die am 21. März erlassenen Einschränkungen gelten vorerst bis zum 19. Juli weiter, wie das Ministerium für Migration in Athen am Samstag mitteilte. Kritiker werfen der Regierung vor, die Corona-Pandemie als Vorwand zu missbrauchen, um die Lager weiter abzuriegeln.

Die untergebrachten Menschen dürfen die Lager nur tagsüber und in Gruppen von weniger als zehn verlassen. Zudem gilt eine Obergrenze von 150 Menschen pro Stunde. Mit Gesundheitsschutz habe dies nichts zu tun, weil es in den Lagern bislang keine Ansteckungen mit dem neuartigen Coronavirus gab, sagte der Koordinator von Ärzte ohne Grenzen im Lager Moria auf der Insel Lesbos, Marco Sandrone.



Griechenland ist mit 192 Todesfällen bislang weniger von der Corona-Pandemie betroffen als andere europäische Staaten. Die Unterbringung von 32'000 Asylsuchenden auf den fünf Inseln des Ägäischen Meeres in Lagern mit einer Kapazität von eigentlich nur 5400 Plätzen hat jedoch zu grossen Spannungen mit der Bevölkerung geführt. Auch wirbt das Land derzeit massiv um ausländische Touristen.

In den überfüllten Flüchtlingslagern wurde bisher kein Todesfall durch das neuartige Coronavirus verzeichnet. Helfer befürchten aber eine starke Ausbreitung des Erregers, weil Abstandsregeln kaum eingehalten werden können. Die Regierung verlegte in den vergangenen Wochen Tausende Migranten auf das Festland.

15.52 Uhr: Gaudís Basilika Sagrada Família in Barcelona wiedereröffnet

Die weltberühmte Basilika Sagrada Família in Barcelona ist nach 114 Tagen Zwangsschliessung während der Corona-Krise wieder zugänglich. Die ersten Besucher seien am Samstag Mitarbeiter des Gesundheitswesens und deren Angehörige gewesen, die als Anerkennung für ihren aufopferungsvollen Kampf gegen die Pandemie insgesamt 12'000 Freikarten erhalten hätten, meldete die Nachrichtenagentur Europa Press unter Berufung auf eine Mitteilung der Kirche.

Die Sagrada Família ist das Wahrzeichen Barcelonas und gilt als eines der faszinierendsten Kirchenbauprojekte der Architekturgeschichte. Seit 2005 ist die Kirche auch Unesco-Weltkulturerbe. Neben der palastähnlichen Burg Alhambra im südspanischen Granada ist die Basilika die meistbesuchte Sehenswürdigkeit Spaniens. Im vergangenen Jahr wurden mehr als 2,5 Millionen Besucher gezählt.



1882 wurde der Grundstein für das noch immer unvollendete Hauptwerk des spanischen Architekten Antoni Gaudí (1852-1926) gelegt. Bis zu seinem Tod leitete Gaudí die Arbeiten selbst. Die Bauarbeiten sollen nach bisherigen Plänen bis 2026 abgeschlossen werden.

15.16 Uhr: Merkel dankt älteren Menschen für Haltung in Corona-Pandemie

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel hat älteren Bürgern für ihre Haltung und ihr Verständnis in der Corona-Pandemie gedankt. Für die Älteren, die allein in ihren Wohnungen oder in Pflegeheimen lebten, sei das Schmerzhafteste sicher gewesen, «über lange Wochen die Kinder und Enkel nicht sehen, nicht einfach in den Arm nehmen zu können», sagte Merkel in ihrem wöchentlichen Video-Podcast.

«Trotz all dieser Härten habe ich bei vielen Älteren nicht Zorn, sondern häufig Verständnis für unsere Politik der notwendigen Kontaktbeschränkungen gefunden», sagte Merkel. «Dafür danke ich sehr.»

Auch in Zeiten, in denen das Virus gerade für ältere Menschen eine sehr reale Gefahr darstelle, dürfe es keine völlige Vereinsamung geben, führte die Kanzlerin aus. Bund und Länder hätten deshalb vereinbart, dass Bewohner in Pflegeeinrichtungen und Krankenhäusern einerseits besonderen Schutz vor einer Infektion brauchen, aber gleichzeitig ihr Grundrecht auf Selbstbestimmung und Teilhabe zu achten sei.

«Viele Alten- und Pflegeheime gehen vorbildlich und einfühlsam mit den Bedürfnissen ihrer Bewohner um und suchen nach guten und kreativen Lösungen», sagte Merkel. Verstärkte Corona-Tests, auch bei Menschen ohne Symptome in Pflegeeinrichtungen, würden künftig dabei helfen, noch mehr für die alten Menschen zu tun.

«Wir wollen kein Land sein, in dem die Strassen und Verkehrsmittel nur den Robustesten und den Jungen gehören und alle anderen, gerade Ältere, sich kaum heraustrauen, weil sie die Ansteckung fürchten», sagte Merkel. Jeder könne etwas sehr einfaches tun, um den älteren Menschen seinen Dank auszudrücken, nämlich die grundlegenden Hygiene- und Abstandsregeln befolgen.

14.59 Uhr: Tunesiens Tourismus erlebt wegen Corona starken Einbruch

Tunesiens Tourismus hat wegen der Corona-Krise einen starken Einbruch erlebt. Die Einnahmen seien im ersten Halbjahr dieses Jahres im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 47 Prozent zurückgegangen, teilte die tunesische Zentralbank am Samstag mit. Demnach lagen sie in den ersten sechs Monaten dieses Jahre bei etwa 382 Millionen US-Dollar. Der Tourismussektor ist einer der wichtigsten Wirtschaftszweige des nordafrikanischen Landes.

Tunesien hatte wegen des Coronavirus strikte Ausgangsbeschränkungen erlassen. Mitte Juni erklärte die Regierung die Pandemie jedoch für besiegt. Touristen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz können mittlerweile wieder ohne Beschränkungen ins Land reisen.

Die Bundesregierung wiederum hat Tunesien als einziges Land in Nordafrika nicht als Corona-Risikogebiet eingestuft. Trotzdem sind bislang vergleichsweise wenig Touristen angereist.

Bisher hat Tunesien fast 1200 Corona-Fälle und 50 Tote gemeldet. Die Zahlen sind deutlich kleiner als in anderen Ländern der Region. Zuletzt gab es offiziell weniger als 15 tägliche Neuinfektionen.

14.13 Uhr: Corona-Warn-App «SwissCovid» knackt Millionen-Marke

Die Schweizer Corona-Warn-App zählt bereits über eine Million Nutzer. Bis am Freitagabend installierten und nutzen 1'007'199 Menschen aktiv die Anwendung auf ihren Mobiltelefonen, wie das Bundesamt für Statistik (BFS) mitteilte.

Die Swiss-Covid-App war vor neun Tagen vom Bund lanciert worden. Sie warnt Benutzer, falls diese engen Kontakt mit einer mit dem Coronavirus infizierten Person hatten. Sie soll dem Bundesrat zufolge als technisches Hilfsmittel für die klassische Kontaktverfolgung (Contact Tracing) dienen und helfen, Infektionsketten zu unterbrechen.

Die Schweizer Corona-Warn-App zählt bereits über eine Million Nutzer.
KEYSTONE/GAETAN BALLY (Archivbild)

Die freiwillige und kostenlose Anwendung steht in neun Sprachen zur Verfügung. In der Schweiz gibt es laut dem Bund gegen 6,4 Millionen Handys, die mit der App kompatibel sind. Damit hat nach der Lancierung jeder Sechste die Anwendung heruntergeladen. Für Mitte Juli ist ein erstes Update der App geplant. Dabei sollen kleinere Fehler behoben, Messungen verbessert und die Batterielaufzeit erhöht werden.

13.58 Uhr: Bundesrat Maurer hält Kontrolle von Einreisenden für machbar

Bundesrat Ueli Maurer hält bei der Coronavirus-Quarantäne die Kontrolle von Reisenden aus 29 Risikoländern für machbar. Dies sagte der Finanzminister in einem Radiointerview.

Wer ab Montag aus einem Risikoland in die Schweiz einreist, muss für zehn Tage in die Selbstquarantäne. Der Bund hatte am Donnerstag mehrere europäische Länder auf den Corona-Index gesetzt, darunter Serbien und den Schengen-Staat Schweden. Zu den Risikoländern zählen derzeit auch Serbien, Kosovo und Nordmazedonien, die USA, Russland, Brasilien, Argentinien und zahlreiche Golfstaaten. Auf der Liste stehen zudem Tourismus-Hotspots wie Israel, Südafrika und die Kapverden.

«Zurzeit ist es machbar, denn auf der Liste sind auch Länder, aus denen wir keine Zuwanderung haben», sagte Maurer in der Sendung «Samstagsrundschau» von Radio SRF zu den Kontrollen. Nur schon die Androhung der Quarantäne werde dazu führen, dass die Leute zurückhaltender seien.

An Flughäfen könnten Kontrollen gut durchgeführt werden. Bei den übrigen Grenzübertritten sei es schwieriger, erklärte der Bundesrat. Dort könnten aber etwa Busse und Reisegesellschaften kontrolliert werden. Er gehe davon aus, dass mehr als 50 Prozent der Personen aus Risikoländern festgestellt werden könnten, die auf dem Landweg in die Schweiz einreisten.

Bundesrat Ueli Maurer räumt ein, dass der SwissCovid nicht installiert habe.
KEYSTONE/ANTHONY ANEX

Maurer räumte ein, dass noch nicht alle Rechtsfragen zur Quarantäne gelöst seien. Es sei dem Bundesrat darum gegangen, rasch ein Zeichen zu setzen. Wenn zuerst alle Detailfragen gelöst worden wären, hätte die Gefahr bestanden, dass das Ansteckungsrisiko unterdessen viel grösser würde.

Ueli Maurer erklärte zudem, dass der die Corona-Warn-App «SwissCovid» nicht installiert habe. Er komme mit «dem Zügs» nicht zurecht.

13.43 Uhr: Freundin von Trump-Sohn positiv auf Corona getestet

Die Freundin des US-Präsidentensohns Donald Trump Jr., Kimberly Guilfoyle, hat sich Medienberichten zufolge mit dem Coronavirus infiziert. Nach dem positiven Testergebnis sei sie sofort isoliert worden, zitierten US-Medien am Freitag (Ortszeit) Sergio Gor, Finanzausschuss-Stabschef des Wahlkampfteams von Präsident Trump. Guilfoyle sammelt Spenden für Trump, der sich im November um eine Wiederwahl bewirbt. «Es geht ihr gut», hiess es weiter. Da sie keine Symptome zeige, soll sie erneut getestet werden, um sicherzustellen, dass das Ergebnis korrekt gewesen sei.

Die Freundin des US-Präsidentensohns Donald Trump Jr., Kimberly Guilfoyle, hat sich Medienberichten zufolge mit dem Coronavirus infiziert.
KEYSTONE/AP/Evan Vucci (Archivbild)

Ihr Freund, Donald Trump Jr., ist demnach negativ auf den Erreger Sars-CoV-2 getestet worden. Beide hätten aber alle anstehenden öffentlichen Veranstaltungen vorerst abgesagt.

Laut US-Medien war Guilfoyle mit Trump Jr. in den Bundesstaat South Dakota gereist, um der Rede des Präsidenten am Freitag am Nationaldenkmal von Mount Rushmore beizuwohnen. Sie habe aber nicht das Gefolge des Präsidenten getroffen und soll bislang die einzige Person in der Gruppe gewesen sein, die positiv getestet wurde.

13.34 Uhr: Ex-Bundesrätin Leuthard: Schweiz reagierte zu spät auf Corona-Krise

Die Schweiz hat nach den Worten der früheren Bundesrätin Doris Leuthard zu spät auf die Coronavirus-Krise reagiert. Der Lockdown sei zehn Tage bis zwei Wochen zu spät gekommen, sagte die ehemalige CVP-Magistratin in einem Interview mit dem TV-Sender CNN Money Switzerland.

Die Regierung habe bei der Durchsetzung der Corona-Massnahmen insgesamt eine gute Arbeit geleistet, sagte die 57-Jährige in dem auf Englisch geführten Gespräch. Die Politik hätte aber früher reagieren sollen. Im Nachhinein sei man allerdings immer gescheiter, sagte Leuthard.

Die Schweiz hat nach den Worten der früheren Bundesrätin Doris Leuthard zu spät auf die Coronavirus-Krise reagiert.
KEYSTONE/PETER SCHNEIDER (Archivbild)

Die Schweiz werde «gut positioniert» aus der Krise hervorgehen, meinte die frühere Wirtschafts- und Umwelt-Ministerin, allerdings wohl nicht dieses oder nächstes Jahr. Die Erholung werde Zeit brauchen.

Leuthard war von 2006 bis Ende 2018 Mitglied der Landesregierung, zunächst als Wirtschaftsministerin, danach leitete sie das Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation. Nach ihrem Rücktritt übernahm sie mehrere Verwaltungsratsmandate, darunter beim Detailhändler Coop und beim Bahnhersteller Stadler Rail.

13.19 Uhr: Model Tatjana Basevic beklagt «Serbien-Bashing 2.0» wegen Coronavirus

Tatjana Basevic (25) hat nach dem jüngsten Anstieg der Infektionszahlen auf dem Balkan ein «Serbien-Bashing 2.0» beklagt. In einem Video auf Instagram geht Schweiz-Serbin, die mittlerweile wieder in Belgrad lebt, auf «rassistisch motivierte Vorurteile» ein. Schliesslich seien insgesamt 29 Staaten auf der Liste des BAG.

Die jüngsten Ereignisse haben Basevic zu dem Video motiviert, welches bereits zehntausendfach angesehen wurde.  Gegenüber 20 Minuten erklärte sie: «Ich verfolge das Geschehen in der Schweiz sehr genau. Es wurde in den letzten Tagen schon sehr auf Serbien herumgehackt. Serbien wird mit Corona gleichgesetzt, dabei geht es um eine weltweite Pandemie.»

13.06 Uhr: Spanische Grossstadt wegen steigender Corona-Zahlen unter Quarantäne

Erstmals seit der Lockerung der Coronamassnahmen in Spanien ist wieder eine Grossstadt wegen steigender Infektionszahlen unter Quarantäne gestellt worden. Das teilte der katalanische Regionalpräsident Quim Torra am Samstag mit. In der katalanischen Region Segrià mit der Grossstadt Lleida seien insgesamt 200'000 Menschen betroffen, berichtete die Zeitung "La Vanguardia".

Die Quarantäne gelte ab Samstag 12.00 Uhr. Danach dürfe niemand mehr in die Stadt und umliegende Gemeinden im Westen der Provinz reisen oder sie verlassen, ausser um zur Arbeit zu gelangen. Bewohner der Quarantäneregion dürften jedoch einmalig noch bis 16.00 Uhr an ihren Wohnort in der Zone zurückkehren. Die Polizei errichtet Kontrollposten an den Zufahrtsstrassen.



Ein Lockdown innerhalb der Quarantänezone sei bisher noch nicht nötig, zitierte die Zeitung die katalanische Gesundheitsministerin Alba Vergés. Geschäfte und Restaurants müssten deshalb nicht wieder schliessen, die Menschen dürften ihre Wohnungen jederzeit verlassen. Vergés rief die Bevölkerung jedoch auf, Versammlungen zu meiden und familiäre Feiern stark zu begrenzen oder zu verschieben.

Spanien ist mit mehr als 28'300 Corona-Toten und 250'000 Infizierten eines der in Europa am schwersten von der Pandemie getroffenen Länder. Landesweit sind die Zahlen jedoch seit Mitte Mai stark gesunken. Der seit dem 14. März bestehende Corona-Notstand endete am 21. Juni. Seither dürfen sich die 47 Millionen Spanier wieder frei in ihrem Land bewegen. Urlauber dürfen inzwischen auch wieder einreisen.

12.49 Uhr: Deutlich mehr Fälle – St. Galler Regierung bereitet Massnahmen vor

Im Kanton St. Gallen haben die Corona-Ansteckungen zuletzt stark zugenommen. In der vergangenen Woche gab es 39 neue Fälle. Wenn sich das Virus weiter ausbreitet, will die Regierung zuerst lokal und dann auch kantonsweit strikte Massnahmen verhängen.

Regierungspräsident und Gesundheitsdirektor Bruno Damann sowie Justiz- und Polizeidirektor Fredy Fässler informierten am Samstag vor den Medien über das geplante Vorgehen. «Wir sprechen noch nicht von einer zweiten Welle», sagte Damann. Man bereite sich auf verschiedene Szenarien vor.

Sollten die bestätigten Corona-Infektionen über mehrere Tage auf 30 bis 40 Fälle pro Tag steigen, will die Regierung lokale Massnahmen anordnen. Laut Damann könnte zum Beispiel eine einzelne Fabrik geschlossen oder eine betroffene Schulklasse unter Quarantäne gestellt werden.

Sollte sich die Lage so weit verschlimmern, dass ein Contact-Tracing nicht mehr funktionieren würde, will die Regierung kantonsweit strenge Massnahmen anordnen: Etwa eine allgemeine Maskenpflicht im öffentlichen Raum. Solche Massnahmen müssten mit den anderen Kantonen abgestimmt werden, wie Damann sagte.

12.35 Uhr: BAG meldet 97 neue Ansteckungen mit dem Coronavirus

In der Schweiz und in Liechtenstein sind innerhalb eines Tages 97 neue Ansteckungen mit dem Coronavirus gemeldet worden. Nach drei Tagen fiel die Zahl damit wieder unter die Hundertermarke.

Insgesamt gab es bisher 32'198 laborbestätigte Covid-19-Fälle, wie das Bundesamt für Gesundheit (BAG) am Samstag mitteilte. Am Freitag wurden 134 neue Fälle gemeldet, am Donnerstag 116, am Mittwoch 137. Die 137 Neuinfektionen stellten gegenüber dem Dienstag mehr als eine Verdoppelung der gemeldeten Fälle dar.

Das BAG hat 97 neue Ansteckungen mit dem Coronavirus binnen eines Tages gemeldet. Die Zahl sank damit erstmals seit drei Tagen wieder unter 100.
KEYSTONE/ANTHONY ANEX (Symbolbild)

Bisher starben gemäss den Angaben 1686 Menschen, die positiv auf Covid-19 getestet worden waren. Das Bundesamt bezieht sich auf die Meldungen, die die Laboratorien sowie Ärztinnen und Ärzte im Rahmen der Meldepflicht bis am Samstagmorgen übermittelt hatten. In Spitalpflege befinden sich 4057 Personen, zwei mehr als am Vortag.

Die Zahl der durchgeführten Tests auf Sars-CoV-2, den Erreger von Covid-19, beläuft sich bisher auf insgesamt 624'396. Bei 6,2 Prozent dieser Tests fiel das Resultat positiv aus. Von Freitag auf Samstag wurden dem BAG 10'113 neue Tests gemeldet.

12.31 Uhr: Juncker kritisiert Deutschland wegen mangelnder Solidarität in Corona-Krise

Wegen fehlender Solidarität zu Beginn der Corona-Krise hat der ehemalige EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker Deutschland scharf kritisiert. Die Entscheidung der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel, anfänglich kein medizinisches Material in andere Länder zu liefern, sei «zu hundert Prozent uneuropäisch» gewesen, sagte Juncker dem Nachrichtenmagazin «Spiegel». «Es kam für mich völlig überraschend, dass ausgerechnet Deutschland zu derartigen Reflexen wieder fähig war.»

Ähnlich kritisch äusserte sich Juncker zu den zeitweiligen Grenzschliessungen, unter anderem gegenüber Luxemburg. «Die Leute waren böse und wütend», sagte Juncker, der Luxemburger ist. Die Grenzen seien teilweise von Polizisten mit Maschinenpistolen bewacht worden.

Der ehemalige Kommissionschef begrüsste, dass Merkel nun gemeinsam mit Frankreichs Präsident Emmanuel Macron die Debatte um den EU-Wiederaufbaufonds vorangebracht habe. «Ich glaube, Frau Merkel hat gesehen, dass diese zurückhaltende und zögerliche Haltung, die Deutschland während der Euro- und Griechenlandkrise an den Tag legte, für manche Verstimmungen gesorgt hat, die zum Teil immer noch anhalten», sagte Juncker. Angesichts der Corona-Krise habe sie gemerkt, dass es der deutschen Öffentlichkeit «leichter zu vermitteln war, dass Europa jetzt etwas unternehmen muss.»

Juncker war von 2014 bis 2019 EU-Kommissionschef. Davor war der heute 65-Jährige Vorsitzender der Euro-Gruppe sowie Ministerpräsident Luxemburgs.

12.19 Uhr: Rekord in Indien: Mehr als 22'000 neue Corona-Fälle an einem Tag

Die Zahl der Corona-Neuinfektionen in Indien hat einen neuen Höchstwert erreicht. Wie aus Daten des Gesundheitsministeriums hervorgeht, wurden binnen 24 Stunden bis Samstagmorgen 22'771 neue Fälle registriert. Im gleichen Zeitraum starben 442 Menschen mit oder an dem Erreger Sars-CoV-2.

Indien ist auf Platz vier der am stärksten von Corona betroffenen Länder der Welt — nach Russland, Brasilien und den USA. In dem südasiatischen Land mit rund 1,3 Milliarden Einwohnern ist der Erreger Sars-CoV-2 bislang bei rund 648'000 Menschen nachgewiesen worden. Mehr als 18'000 starben im Zusammenhang mit dem Coronavirus.



Ende März hatte das zweitbevölkerungsreichste Land der Welt wegen der Pandemie einen strengen Lockdown angeordnet, der seit Mitte Mai jedoch wieder gelockert wurde. Durch die Corona-Auflagen wurden Millionen Menschen arbeitslos, und viele haben Angst, zu verhungern. Inzwischen sind Büros, religiöse Stätten, Restaurants und Shoppingzentren wieder offen. Seit Anfang Juni stieg die Zahl der Neuinfektionen landesweit um rund 450'000 Fälle.

Einige Regionen, darunter die Millionenstädte Mumbai und Chennai, haben neue Schliessungen und Beschränkungen angekündigt. In der schwer betroffenen Hauptstadt Delhi wurden in über 250 Zonen strenge Corona-Auflagen aufrechterhalten.

12.05 Uhr: Justiz ermittelt gegen Ex-Premier Philippe

Nach dem Rücktritt der französischen Regierung hat die Justiz wegen Vorwürfen im Umgang mit der Corona-Krise gegen den bisherigen Premier Édouard Philippe und zwei Ex-Minister Untersuchungen eingeleitet. Ihnen wird fehlende Bekämpfung einer Katastrophe vorgeworfen, wie mehrere französische Medien übereinstimmend berichteten. Die Untersuchungen richten sich neben Philippe gegen die ehemalige Gesundheitsministerin Agnes Buzyn und ihren Nachfolger Olivier Véran. Unterdessen wird in Frankreich mit Spannung erwartet, wie die neue Regierung aussehen wird.

Philippe und die Regierung waren am Freitagmorgen geschlossen zurückgetreten. Nur wenige Stunden später präsentierte Präsident Emmanuel Macron einen neuen Premier: den weithin unbekannten Jean Castex. Die Regierungsumbildung markiert Macrons politischen Neustart und war erwartet worden. Philippe wurde unter lang anhaltendem Applaus im Amtssitz des Premiers verabschiedet.



Frankreich ist von der Corona-Krise schwer getroffen und zählt rund 30'000 Tote. Auf dem Höhepunkt der Krise hatte die Regierung Versäumnisse im Umgang mit der Pandemie eingeräumt. In der Kritik standen besonders der Mangel an Masken, Schutzkleidung und Tests.

Beim Gerichtshof der Republik waren zahlreiche Klagen eingegangen. Er ist als einzige Institution in Frankreich in der Lage, Minister für Handlungen zu verurteilen, die in Ausübung ihres Amtes begangen wurden. Französische Präsidenten können im Amt nicht von der Justiz verfolgt werden.

11.32 Uhr: Illegale Party in London aufgelöst — mehrere Polizisten verletzt

Bei der Auflösung einer illegalen Party in London sind in der Nacht zum Samstag sieben Polizisten verletzt worden. Wie Scotland Yard mitteilte, wurden die Beamten mit Backsteinen und anderen Gegenständen beworfen, als sie die Teilnehmer der privaten Veranstaltung aufforderten, auseinanderzugehen.

Erst mit Verstärkung durch eine speziell trainierte Einheit gelang es, die Party zu beenden. «Diese Zusammenkünfte sind illegal und stellen eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit dar», sagte Deputy Assistant Commissioner Laurence Taylor der Polizei-Mitteilung zufolge.

11.13 Uhr: Iran: Maskenpflicht in Behörden und im öffentlichen Nahverkehr

Wegen des dramatischen Anstiegs der Anzahl der täglichen Corona-Toten und Neuinfektionen im Iran, hat Präsident Hassan Ruhani eine Maskenpflicht in Behörden sowie im öffentlichen Nahverkehr angeordnet. Ab Sonntag gebe es «ohne Maske keinen Service mehr im öffentlichen Dienst», sagte Ruhani.

Die Maskenpflicht gelte auch für den öffentlichen Nahverkehr sowie überdachte Flächen von Einkaufszentren. Besonders in Bussen und U-Bahnen soll notfalls die Polizei dafür sorgen, dass die Maskenpflicht auch eingehalten werde. «Keine Maske zu tragen ist de facto eine Verletzung von Rechten anderer», sagte Ruhani nach Angaben der Webseite des Präsidialamts.

Laut Gesundheitsministerium stirbt im Iran alle 13 Minuten ein Corona-Patient; alle 33 Sekunden kommt es zu einer Neuinfektion. Binnen 24 Stunden starben zuletzt mehr als 150 Menschen an dem Virus. Die Zahl der registrierten Toten erreichte damit 11'260 und die der Infizierten 235'429. Experten und das Gesundheitsministerium fordern ein Umdenken bei den Lockerungen und plädieren für strengere Massnahmen, um einen weiterem Anstieg der Fallzahlen zu verhindern.

Ruhani jedoch ist trotz der Kritik gegen einen Lockdown im Land. Er sei der Auffassung, dass die Corona-Krise noch länger andauere und eine längerfristige Einschränkung der Wirtschaftsaktivitäten nicht machbar sei. Die Iraner sollten nach den Worten Ruhanis ihren Lebensstil ändern und lernen, «mit dem Virus zu leben».

10.54 Uhr: Italiens Premier Conte sitzt auch mal auf dem Boden

Italiens Regierungschef Giuseppe Conte ist sich nicht zu fein, um abends beim Ausgehen auf dem Boden zu sitzen. Der 55-jährige Jurist sorgte in Italien mit einem Überraschungsbesuch bei einer Open-Air-Kino-Eröffnung in Rom für Aussehen. Er kam am Freitagabend zu einer bei jungen Leuten beliebten Sommerfilm-Veranstaltung auf eine Piazza im Ausgehviertel Trastevere. Begleitet von seiner Freundin setzte sich der Premier locker auf ein Kissen auf dem Boden.

Zum Schutz vor Ansteckung trug der parteilose Politiker, der tagsüber wegen der Corona-Krise politische Termine in enger Folge absolviert, eine schwarze Schutzmaske. Gezeigt wurde die italienische Komödie «La Bella Vita» von Regie-Star Paolo Virzi. Mit dabei waren auch italienische Kino-Promis wie Sabrina Ferilli (56).

10.17 Uhr: WHO nicht von China, sondern von eigenem Büro über erste Corona-Fälle informiert

Laut einer überarbeiteten Darstellung des Ablaufs der Corona-Pandemie hat die Weltgesundheitsorganisation nicht von den chinesischen Behörden, sondern von ihrem eigenen Büro in der Volksrepublik erstmals von der neuartigen Infektion erfahren. In der Corona-Chronologie der WHO heisst es nun, das WHO-Büro in China habe am 31. Dezember die Information weitergeleitet, dass es laut der Website der Gesundheitskommission von Wuhan dort eine «virale Lungenentzündung» gebe.

Die WHO hatte eine erste Fassung der Chronologie am 9. April veröffentlicht und damit auch auf Kritik reagiert, sie habe zu spät auf die Corona-Infektionen reagiert. In dieser Ursprungsfassung hiess es lediglich, die Gesundheitskommission der Stadt Wuhan habe am 31. Dezember über Fälle von Lungenentzündung informiert. Wie diese Information die WHO in Genf erreichte, teilte die UN-Unterorganisation damals nicht mit.

Die WHO wurde laut einer überarbeiteten Darstellung des Ablaufs der Corona-Pandemie von einem eigenen Büro über erste Fälle informiert — nicht von China.
Xiao Yijiu/XinHua/dpa (Symbolbild)

WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus sagte am 20. April bei einer Pressekonferenz, der erste Bericht über Corona-Fälle sei aus China gekommen. Ob er von chinesischen Behörden oder einer anderen Quelle stammten, sagte Tedros nicht. Diese Angabe enthält nun die diese Woche überarbeitete WHO-Chronologie. Als Reaktion auf die Infektionsfälle forderte die WHO nach eigenen Angaben die chinesischen Behörden am 1. und am 2. Januar auf, Informationen dazu zu übermitteln. Dieser Bitte seien sie am 3. Januar nachgekommen.

10.01 Uhr: Erneute Krawalle bei Protesten gegen Corona-Quarantäne in Chile

Die zweite Nacht in Folge ist es bei Protesten gegen die seit Wochen andauernde Ausgangssperre zur Eindämmung der Corona-Pandemie in der chilenischen Hauptstadt Santiago zu Ausschreitungen gekommen. Im Viertel Villa Francia errichteten Demonstranten Barrikaden und schleuderten Brandsätze, wie auf von der Polizei veröffentlichten Videos am Freitag zu sehen war. Die Beamten setzten Wasserwerfer und Tränengas ein. Bereits in der Nacht zuvor war es an verschiedenen Orten in Santiago de Chile zu Protesten und Krawallen gekommen.

Der Grossraum Santiago steht seit Wochen unter Quarantäne, viele Menschen können deshalb ihrer Arbeit nicht nachgehen. Immer wieder protestieren vor allem Bewohner ärmerer Viertel wegen der schwierigen wirtschaftlichen und sozialen Lage in der Corona-Krise auf der Strasse. Zuletzt wurde die Ausgangssperre noch einmal verlängert. In den betroffenen Gebieten lebt mehr als die Hälfte aller Chilenen.

Bislang haben sich in Chile 288'089 Menschen nachweislich mit dem Coronavirus infiziert. Damit liegt Chile nach Brasilien und Peru an dritter Stelle in Lateinamerika. 6051 Patienten sind im Zusammenhang mit der Lungenkrankheit Covid-19 gestorben. Viele Krankenhäuser haben ihre Belastungsgrenze bereits erreicht.

9.43 Uhr: «Man könnte hinter Gittern landen»: Britische Regierung warnt Kneipengänger vor Alkohol-Exzessen

Unmittelbar vor der Wiedereröffnung der Pubs in England hat die britische Regierung die Kneipengänger vor Exzessen gewarnt. «Man könnte hinter Gittern landen, wenn man das Gesetz bricht», sagte Gesundheitsminister Matt Hancock laut «Daily Mail» (Samstag). Betrunkene Schläger würden eingesperrt, wenn sie am «Super-Samstag» randalieren würden. Briten könnten «heute auf jeden Fall» in die Bar gehen, aber sie müssten vernünftig sein. Ab 7 Uhr (MESZ) am Samstagmorgen durfte bereits das erste frischgezapfte Pint seit mehr als drei Monaten bestellt werden.

Gäste im Pub müssen beim Betreten ihre Kontaktdaten hinterlassen. Menschenansammlungen am Tresen sind nicht erlaubt. Die Polizei hat die Zahl ihrer Einsatzkräfte stark erhöht. Premierminister Boris Johnson hatte seine Landsleute am Freitag aufgefordert, sich an die Regeln zu halten, um eine zweite Corona-Welle zu vermeiden. Er betonte, dass «wir noch nicht über den Berg sind» und fügte hinzu: «Lasst es uns nicht vermasseln.»

Hancock sagte: «Ich bin kein Spielverderber, aber das Virus kann immer noch töten. Ich will nicht, dass Bars und Kneipen wieder schliessen müssen. Ich liebe es, in die Kneipe zu gehen, und ein oder zwei Bier zu trinken.» Er werde aber nicht davor zurückschrecken, Pubs und Restaurants wieder zu schliessen, wenn das nötig sein würde.

Neben Pubs dürfen ab Samstag auch Restaurants, Hotels, Kinos, Museen und viele andere Einrichtungen wieder öffnen. Grossbritannien ist das am schwersten von der Corona-Pandemie betroffene Land in Europa. Kritiker halten die umfangreichen Lockerungen der Massnahmen in England für verfrüht. Jeder Landesteil bestimmt in Grossbritannien seine eigenen Massnahmen. Laut Johns Hopkins Universität sind in Grossbritannien knapp 286'000 Menschen mit dem Coronavirus infiziert, mehr als 44'200 Infizierte starben.

9.15 Uhr: Berset: Lage ist unter Kontrolle

Die Maskenpflicht im öffentlichen Verkehr, die am Montag in Kraft tritt, ist laut Bundesrat Alain Berset eine Folge der steigenden Zahl an Neuinfektionen und der zunehmenden Reisen nach dem Lockdown. Eine Rolle spiele auch mangelnde Disziplin.

Viele Menschen trügen in Zügen, Trams und Bussen keine Maske, obwohl der Bundesrat dies dringend empfohlen habe, wenn der Mindestabstand von 1,5 Metern nicht eingehalten werden könne, sagte Berset in einem Interview mit der Tageszeitung «Blick» (Samstagausgabe).

Laut Bundesrat Alain Berset spielt auch mangelnde Disziplin eine Rolle bei den steigenden Infektionszahlen. 
KEYSTONE/ANTHONY ANEX (Archivbild)

Die Maskenpflicht sei ferner auf Wunsch der Kantone und den Empfehlungen der Spezialisten verfügt worden. Da Schulen, Läden und Restaurants im Lockdown geschlossen gewesen seien, habe die Maskenfrage damals keine so grosse Rolle gespielt.

Wichtig sei zu diesem Zeitpunkt gewesen, dass das Pflegepersonal genügend Masken gehabt habe. Berset bestätigte Vermutungen, dass die Lager zu Beginn der Coronakrise zu wenig gefüllt und Masken schwierig zu beschaffen gewesen seien.

Nun, da alle wieder mobiler seien, seien Masken nötig, wenn der Mindestabstand nicht eingehalten werden könne. Die Kantone hätten nach der Herabstufung auf die besondere Lage die Führung bei den Schutzmassnahmen. Der Bund erlasse die grundlegenden Regeln.

Die Zusammenarbeit mit den Kantonen sei eng. Sie wüssten um ihre Verantwortung. «Momentan haben wir die Lage unter Kontrolle. Die Ansteckungen betreffen zurzeit vor allem jüngere Leute. Die Corona-Hospitalisierungen sind tief», sagte Berset.

9.06 Uhr: Weiterer Rekord bei den US-Infiziertenzahlen

In den USA steigen die Infektionen mit dem Coronavirus weiter an. Gesundheitsexperten riefen vor dem Unabhängigkeitstag am Samstag mit seinen traditionellen Festen, Partys und Feuerwerken zu Vorsicht auf.

Masken sollen zur Verfügung gestellt werden. Eine Plicht zum Tragen gibt es aber nicht. Wer Bedenken habe, solle zu Hause bleiben, erklärte die Gouverneurin von South Dakota, Kristi Noem, diese Woche bei Fox News. «Wir werden auf social distancing verzichten.»

Das Virus breitet sich vor allem im Süden und Westen der USA aus. In 37 von 50 Bundesstaaten legen die Infektionszahlen zu. Allein am Donnerstag wurden über 55'000 Neuinfektionen festgestellt – weltweiter Rekord.

Im US-Bundesstaat Florida steigen die Infektionszahlen besonders rasant.
KEYSTONE/EPA/CRISTOBAL HERRERA

9.03 Uhr: Steigende Coronazahlen sind kein Anzeichen einer zweiten Welle

Die jüngst wieder steigenden Zahlen an nachgewiesenen Corona-Infektionen in vielen Ländern sind nach Meinung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kein Anzeichen einer zweiten Welle. Vielmehr handele es sich um einen zweiten Höhepunkt der ersten Welle.

«Was wir jetzt in vielen Ländern erleben, ist ein zweiter Höhepunkt der ersten Welle in vielen Ländern, wo das Virus nicht genug unterdrückt worden ist, um eine Übertragung der Krankheit zu verhindern», sagte der WHO-Nothilfekoordinator Michael Ryan am Freitagabend in einem Briefing bei der Genfer Auslandspresse.

Um so mehr müssten Massnahmen wie Handhygiene, Abstand halten und Isolation von Infizierten und ihren Kontakten konsequent weiter angewendet werden. «Sonst könnten wir eine Situation bekommen, wo das Infektionsniveau anhaltend höher ist als wir es wirklich wollen.»

Das Potenzial einer zweiten Welle sei da, sagte Ryan, etwa im Winter, wenn wieder mehr Menschen eng in Räumen zusammen seien und das Virus sich dadurch leichter von Mensch zu Mensch verbreiten könne als jetzt. Womöglich reagiere das Virus auch auf Temperaturen.

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