Welche Gesichter jetzt frischen Wind in den Ständerat bringen

Anna Kappeler

25.11.2019 - 17:23

Seit Sonntag ist der Ständerat komplett. Und jetzt? Jetzt sitzen fast doppelt so viele Frauen, fünf Mal mehr Grüne und die jüngste Ständerätin überhaupt im Stöckli.

Von wegen, in der Schweizer Politik passiere selten viel: Von den 46 Sitzen im Ständerat sind nach den Wahlen vom 20. Oktober und den letzten zweiten Wahlgängen von gestern Sonntag ganze 22 Sitze neu besetzt. Das sind so viele wie nie zuvor. Was fällt auf?

Mehr Frauen

Die Millionen, die Mitte Juni landesweit für den Frauenstreik auf die Strassen gingen, schlagen sich auch im neuen Ständerat nieder: Die kleine Kammer ist weiblicher – der Frauenanteil im Ständerat liegt jetzt bei 26 Prozent. Das ist zwar noch weit entfernt von der Forderung von Alliance F nach einer egalitären Vertretung von 50 Prozent Frauen, aber besser als vor den Wahlen befürchtet. Zwölf Frauen sitzen neu im Stöckli, ganze elf von ihnen wurden neugewählt. Zum Vergleich: 2015 wurden sieben Frauen in den Ständerat gewählt. Im Nationalrat übrigens steigt der Frauenanteil mit den Wahlen 2019 auf 42 Prozent (2015: 32 Prozent).

Ganze fünf Kantone senden zum ersten Mal überhaupt eine Frau ins Stöckli. Es sind dies die Kantone Basel-Landschaft (Maya Graf, Grüne), Tessin (Marina Carobbio, SP), Uri (Heidi Z'graggen, CVP), Freiburg (Johanna Gapany, FDP) und Wallis (Marianne Maret, CVP).

Mehr Junge

Nein, im Ständerat sitzen nicht nur grauhaarige, sondern auch junge Menschen: Mit 31 Jahren ist die FDPlerin Johanna Gapany (FR) die Jüngste je gewählte Ständerätin. Nur wenige Monate älter als Gapany ist die Grüne Lisa Mazzone aus Genf.

Mehr Grüne

Von null auf fünf – das ist die bemerkenswerte Steigerung der Grünen Partei im Ständerat. Neu vertreten für die Partei sind Lisa Mazzone für den Kanton Genf, Maya Graf für Basel-Landschaft, Céline Vara für Neuenburg, Mathias Zopfi für Glarus sowie Adèle Thorens Goumaz für die Waadt. 2015 war Luc Recordon (VD) von den Grünen gegen den FDPler Olivier Français deutlich zurückgelegen und hatte daraufhin seine politische Karriere beendet.

Bleiben wir noch kurz bei den Grünen. Denn nach den Parlaments- ist vor den Bundesratswahlen. Doch ist eine grüne Vertretung in der Landesregierung schon am 11. Dezember realistisch? Ganze fünf Wochen hatten die Grünen nach ihrem historischen Sieg vom 20. Oktober gezögert, letzten Donnerstag dann die Ankündigung: Ja, Parteichefin Regula Rytz will. Und da am 11. Dezember kein Bundesratssitz frei wird, möchte sie denjenigen von FDP-Magistrat Ignazio Cassis angreifen. So der kommunizierte Plan.



Nur: Inzwischen und also nur wenige Tage später haben die Bürgerlichen die Reihen gegen eine Kampfkandidatur der Grünen bereits geschlossen. Weder SVP, noch FDP noch die neue Mitte-Fraktion wollen Rytz zu einem Hearing einladen. Es wird also sehr, sehr schwierig werden für eine grüne Vertretung im Bundesrat.

Der neue Ständerat zeigt: Veränderungen sind auch in der Schweizer Politik möglich.

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