Kontrollregime wegen Coronakrise

Wer Ostern ins Tessin fährt, muss sich vor der Polizei rechtfertigen

tjb

7.4.2020

Einen Osterstau wegen Verkehrsüberlastung wird es am Gotthard wegen der Corona-Krise kaum geben. Wer aus dem Norden für ein paar Tage ins Tessin reisen will, muss trotzdem mit Hindernissen rechnen.

Ostern ist am Gotthard immer eine Ausnahmesituation: Die Autos stauen sich vor dem langen Wochenende jeweils über mehrere Tage. Doch dieses Jahr ist alles anders: Derzeit fährt nur noch ein Fünftel des sonst üblichen Verkehrs durch den Strassentunnel – Staus wegen Verkehrsüberlastung wird es also nicht geben. Und doch werden nicht alle ungehindert in gen Süden fahren können.



Kontrolle mit Einzelgesprächen

Denn die Kantonspolizeien Uri und Tessin werden an Ostern ausserordentliche Kontrollen durchführen. Dazu wird der Verkehr am Nordportal triagiert: Berufsverkehr, Warenverkehr und Reisende mit Wohnsitz im Tessin oder in Italien dürfen direkt weiterfahren. Alle anderen werden auf den Kontrollplatz in Göschenen im Kanton Uri umgeleitet.

Wie wird sich die Corona-Krise auf das Verkehrsregime am Gotthard-Strassentunnel diese Ostern auswirken?
Bild: Keystone/Urs Flüeler
Chronologie der Coronakrise

Dort suchen dann Polizisten das Gespräch mit den Reisenden. Sie erklären ihnen, warum sie von einer Weiterreise in den Süden absehen wollen. Weil eine gesetzliche Grundlage für die Sperrung des Gotthardtunnels für Touristen aus dem Norden fehlt, liegt die Entscheidung aber letztlich bei den Reisenden selber. Wenn sie ihre Fahrt nach der Unterredung mit der Polizei immer noch für gerechtfertigt halten, können Sie weiterfahren.

Bereits 200 Tote im Tessin

Thorsten Imhof, Chef der Urner Bereitschafts- und Verkehrspolizei, betonte vor den Medien in Göschenen: «Die vom Bundesrat zum Schutz vor dem Coronavirus beschlossenen Massnahmen sind klar, aber auch einschneidend.» Sie wirkten nur, wenn sich die Bevölkerung auch daran halte. Dann wiederholte Imhof den Aufruf, der in den letzten Tagen mehrfach zu hören war: «Wenn sie das Tessin lieben, bleiben Sie zu Hause!»

Auch Marco Guscio, Chef der Tessiner Verkehrspolizei, rief alle Deutschschweizer mit Ferienhäusern und -wohnungen in seinem Kanton dazu auf, über Ostern auf eine Reise zu verzichten. Das Tessin lebe vom Tourismus, doch sei es von der jetzigen Krise schwer getroffen: «Vor wenigen Minuten haben wir im Tessin das 200. Todesopfer gezählt, innerhalb eines Monats ist ein kleines Dorf im Kanton verschwunden.»

So sah es am Gotthard im Rückreiseverkehr 2019 aus
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