Omikron als Ursache

Mehr Kinder landen mit Covid im Spital

gbi

28.1.2022

Eine Primarschuelerin haelt eine Kinder Maske auf einem Pausenplatz einer Schule, aufgenommen am Montag, 3. Januar 2022 in Zuerich. Die Maskentragpflicht im Kanton Zuerich wird mit dem Schulstart nach den Weihnachtsferien ab Montag, 3. Januar 2022 auf Schueler ab der 1. Primarschulklassen ausgeweitet. (KEYSTONE/Michael Buholzer)
Kinder sind vor dem Coronavirus derzeit am schlechtesten geschützt.
Bild: Keystone/Michael Buholzer

Wegen der Omikron-Welle kommen so viele Kinder mit einer Corona-Infektion ins Spital wie noch nie seit Pandemiebeginn. Weshalb ein Aufschrei der Behörden dennoch ausbleibt. 

gbi

28.1.2022

Keine Altersgruppe wird von der Omikron-Variante stärker erwischt als die Kinder. Das weisen die Zahlen des Bundesamts für Gesundheit (BAG) aus, und auch die wissenschaftliche Covid-Taskforce hält in ihrem neuesten Lagebericht fest: Bei den unter 10-Jährigen zeige sich aktuell der schnellste Anstieg der Fallzahlen, wohingegen es bei den über 60-Jährigen trotz Omikron keinen markanten Schub gegeben habe.

Dass auch vermehrt Kinder in Zusammenhang mit einer Covid-Infektion ins Spital eingeliefert werden, sorgt für besondere Besorgnis. Schliesslich gilt Omikron als verhältnismässig milde Variante des Virus. 

Die Kurve zeigt nach oben

In den sozialen Medien mehren sich daher Stimmen, die um die Gesundheit der Kinder bangen. «Damit es nicht vergessen geht. Wir haben auch in der Schweiz die höchste Hospitalisierungsrate bei den Kindern und Jugendlichen seit Beginn der Pandemie vor zwei Jahren», lautet nur eines von vielen Statements auf Twitter.

Auch hier bestätigen die Daten des BAG den Anstieg: In der zurückliegenden Woche mussten 44 Kinder unter 10 Jahren hospitalisiert werden. Die Taskforce stellt in dieser Altersgruppe in den letzten 14 Tagen den stärksten Anstieg fest – mit einem Plus von 74 Prozent.

Die wöchentlichen Hospitalisationen bei den unter 10-Jährigen (gelbe Linie) zeigen nach oben.
Grafik: BAG

Ein enormer Zuwachs – der jedoch irreführend sein könnte, wie eine Analyse des Newsportals «Watson» zeigt. Argumentiert wird: Wenn sich viel mehr Kinder mit der Omikron-Variante anstecken, führe dies auch zu mehr Spitaleinweisungen. Viel aussagekräftiger sei dagegen der Blick auf das Verhältnis zwischen Infektionen und Hospitalisationen – und dort zeige sich auch bei der jüngsten Altersgruppe ein Rückgang.

Sprich: Das Risiko, mit Corona im Spital zu landen, sinke seit Beginn der Omikron-Dominanz auch für die unter 10-Jährigen. Diese Entwicklung gehe gern vergessen. 

Dieselbe Entwicklung dokumentiert auch die Taskforce in ihrem  aktuellen Lagebericht. «Die Zahl der Hospitalisationen relativ zu den bestätigten Fällen geht seit Mitte Oktober 2021 stetig zurück», schreiben die Expert*innen. Zwischen Ende Dezember 2021 und Mitte Januar 2022 sei die Zahl der Hospitalisationen relativ zu den bestätigten Fällen von 1,3 Prozent auf 0,4 Prozent abgefallen.

Dieser Rückgang falle zeitlich mit der Dominanz der Omikron-Variante zusammen, schreibt die Taskforce. Beigetragen habe «wahrscheinlich auch der zunehmende Anteil der Bevölkerung, die dreifach geimpft sind.»

Das Verhältnis zwischen Infektionszahlen und Hospitalisationen für die Gesamtbevölkerung (l.) und die unter 19-Jährigen (r.).
Swiss Covid-Taskforce

Das könnte erklären, weshalb auch Expert*innen trotz steigender Spitaleinweisungen bei Kindern nicht in Panik verfallen. So halten Pädiatrie Schweiz und Kinderärzte Schweiz in einer gemeinsamen Stellungnahme fest: Nach drei Wochen Omikron-Dominanz gebe es «keine Hinweise dafür, dass die Omikron-Variante schwerere Krankheitsverläufe bei Kindern und Jugendlichen verursacht als die Alpha- und Deltavarianten.»

Interne Daten aus Schweizer Kinderkliniken wiesen darauf hin, dass Hospitalisationen von positiv getesteten Kindern «im Verhältnis zu den Gesamtfallzahlen eher seltener sind als in den vorangehenden Wellen». Ausserdem halten die beiden Organisationen fest, würden Kinder «häufig aus anderem Grund» ins Spital eingewiesen als wegen einer Covid-Erkrankung.

Eltern hoffen auf strengere Regeln an den Schulen

Eltern, die ihre Kinder bestmöglich vor einer Ansteckung schützen wollten, empfehlen die Kinderärzte Schweiz und Pädiatrie Schweiz die Impfung. Reihentests in Schulen seien «dann hilfreich, wenn möglichst alle Schülerinnen und Lehrpersonen konsequent teilnehmen.» Wobei mehrere Kantone diese Reihentests zuletzt abgesetzt haben, als Reaktion auf Kapazitätsengpässe der Labore.

Gerade dieser «Blindflug» an den Schulen ist es, der viele Eltern beunruhigt. So fordern Protect The Kids und weitere zivilgesellschaftliche Organisationen den Bundesrat dazu auf, schweizweit einheitliche und weitergehende Massnahmen auf Primar- und Sekundarstufe zu erlassen. Denn: «Viele Kinder hatten noch keine Gelegenheit, doppelt geimpft zu werden.» Mit einer Online-Petition fordert Protect The Kids Unterschriften an allen Schulen Schutzvorkehrungen wie CO2-Messgeräte und Luftfilter. 

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19.01.2022