Wie schädlich ist deine Heizung?

Von Stefan Michel

2.11.2021

Rauch steigt aus den Kaminen ueber den Daechern von Zuerich, aufgenommen vom Dach des Amthauses am Helvetiaplatz in Richtung Grossmuenster, am Dienstag, 29. Januar 2019. (KEYSTONE/Ennio Leanza)
Wo Rauch ist, ist Wärme. Die meisten Schweizer Wohnhäuser werden mit Öl oder Gas beheizt. 
Bild: KEYSTONE

Einen grossen Teil der Energie verbrauchen wir fürs Heizen. Mit der Wahl des Heizsystems lässt sich viel CO2 einsparen. Wenn sich die Preise so weiterentwickeln, auch einiges an Geld.

Von Stefan Michel

2.11.2021

Während die Regierungen in Glasgow verhandeln, wie sich der Klimawandel stoppen lässt, fragst du dich vielleicht, was du beitragen kannst.

Die Antwort ist einfach: Mobilität und das Heizen des Wohnraums machen mit je rund 30 Prozent den grössten Teil aus. Mit der rasanten Zunahme der Elektromobilität ist auf den Strassen einiges in Bewegung gekommen.

Etwas weniger schnell wechselst du die Heizung aus. Als Volk von Mietenden haben die meisten ohnehin keinen Einfluss darauf, welcher Energieträger ihre Räume und ihr Wasser aufheizt.

Dennoch lohnt sich ein Blick auf die CO2-Bilanz der verschiedenen Heizsysteme und Energiequellen. Interessant ist auch ein Seitenblick auf die Kosten, denn der Zusammenhang «Umweltschutz ist teuer» gilt so nicht mehr. Ein Überblick.

Welche Heizsysteme gibt es?

Erdöl ist nach wie vor der Energieträger Nummer eins in Schweizer Heizkellern. Als ökologische Alternative wird Erdgas angepriesen. Doch auch das Nebenprodukt der Erdölförderung ist fossiler Natur und setzt beim Abbrennen CO2 frei, wenn auch rund ein Viertel weniger davon als Heizöl.

In Neubauten werden heute oft Wärmepumpen eingebaut, die der Umgebung Wärme entziehen und für das Heizen verwenden. Es gibt Wärmepumpen, die Erdwärme nutzen und solche, die der Aussenluft Wärme entziehen.

Ebenfalls wieder en vogue ist die moderne Form der guten alten Holzheizung. Heutzutage gibt man aber oft Holzpellets (gepresstes Sägemehl) in die Brennkammer. Holz zu verbrennen ist CO2-neutral, da der Baum, der es einmal war, während seines Lebens CO2 gespeichert hat. Dieses wird beim Verbrennen zwar wieder freigesetzt. Das geschieht aber auch, wenn Holz nicht verbrannt wird, sondern im Wald verrottet.

Zuguterletzt gibt es noch Fernwärmeverbunde, die die Abwärme aus  Kehrichtverbrennungsanlagen, Zementwerken, anderen Industriebetrieben oder auch Ladenlokalen nutzen. Wärme, die sonst in die Umgebung entweichen würde, wird in die Heizsysteme von Wohnräumen geleitet. Wie viel CO2 dabei in die Umwelt gelangt, hängt vom jeweiligen Energieträger ab. Diese Wärme wird aber sowieso produziert und es werden keine zusätzlichen CO2-Emissionen verursacht, wenn die warme Luft in Wohnräumen zweitverwertet wird.

Basis des Vergleichs ist ein Verbrauch von 2200 Litern Heizöl pro Jahr, was für eine grosse Wohnung oder ein kleines Einfamilienhaus reicht.
Quelle: Energieschweiz – Bundesamt für Energie

Was kostet die Wärme?

Steigende Energiekosten sind besonders in umliegenden Ländern ein Thema, betreffen in abgeschwächtem Ausmass aber auch die Schweiz. Am stärksten verteuerte sich 2021 Heizöl, während Holz-Pellets seit Jahresbeginn sogar billiger wurden. Die Kosten für den Energieträger machen je nach Heizsystem aber den kleineren Teil der jährlichen Kosten aus, wie die Grafik zeigt.

Basis des Vergleichs ist ein Verbrauch von 2200 Litern Heizöl pro Jahr, was für eine grosse Wohnung oder ein kleines Einfamilienhaus reicht.
Quelle: Energieschweiz – Bundesamt für Energie

Die Preisunterschiede sind weit geringer als die Differenzen der CO2-Emissionen. Die teuerste Anlage ist die Holz-Pellets-Feuerung – die ökologischste Lösung kostet also am meisten.

Die beiden ebenfalls sehr emissionsarmen Wärmepumpen sind hingegen die günstigsten Systeme.

Klimafreundlich und günstig – geht das?

Zusammenfassend lässt sich sagen: Wer das Optimum zwischen Preis und Ökologie sucht, fährt mit einer Wärmepumpe besonders gut. Zu beachten ist, dass diese in beträchtlichem Masse Strom brauchen. Dieser ist in der Schweiz dank ihrer starken Wasserkraft relativ sauber, enthält aber immer auch einen guten Teil Atomstrom.

Kernenergie ist zwar im Prinzip ebenfalls CO2-neutral, schleppt aber das seit Jahrzehnten ungelöste Problem der Atommüll-Lagerung hinter sich her.

Würden in der Schweiz in den nächsten Jahren alle Öl- und Gasheizungen durch emissionsärmere Anlagen ersetzt, würde die Schweiz ihren CO2-Ausstoss um mehr als ein Drittel reduzieren.

Klimaneutral wäre sie damit natürlich noch nicht, aber doch schon deutlich sauberer als heute.