Tessin unschlagbar günstig Wo man in der Schweiz für die Tasse Kaffee am längsten arbeiten muss

jfk

23.5.2019

Am Verdienst gemessen ist der Kaffee in Zürich nicht so teuer wie angenommen. (Archiv)
Am Verdienst gemessen ist der Kaffee in Zürich nicht so teuer wie angenommen. (Archiv)
Bild: Keystone

In der Schweiz sind die Preisunterschiede für einen Kafi enorm, auch innerhalb der Kantone. Eine Untersuchung hat die Spannbreiten ermittelt und mit der Kaufkraft der jeweiligen Region in Beziehung gesetzt.

Viele haben es schon selbst erlebt: Im Tessin bekommt man mitunter für zwei Franken eine «grande tazza caffè» offeriert, während man in Zürich locker den zwei-, nicht selten auch dreifachen Preis für das Heissgetränk aufbringen muss. Es gibt auch offizielle Erhebungen von Arbeitgeberverbänden, die diese Unterschiede bestätigen – und Erstaunliches zutage fördern, wenn man die Kaufkraft in die Betrachtung miteinbezieht.

Mit Recherchen bei den Verbänden Cafetier Suisse und Gastro Suisse hat der «Tages-Anzeiger» die absoluten Kaffeepreise in Erfahrung gebracht und diese zu den unterschiedlichen Bruttostundenlöhnen in Relation gesetzt. So lässt sich ermitteln, wie lange man als Einheimischer in seiner Heimat für eine Tasse Kaffee arbeiten muss. Und bei dieser Kennzahl ist Zürich nicht mehr Spitzenreiter.

Phänomen Ostschweiz

Denn dem «Tages-Anzeiger» zufolge muss man in der Ostschweiz am längsten schaffen, um sich einen dort im Schnitt 4,17 Franken teuren Kaffee leisten zu können – rund sieben Minuten gegenüber fünf Minuten im Tessin, wo die Kaufkraft zwar auch etwas geringer ist, aber die Tasse durchschnittlich nur 2,70 Franken kostet. Zürich liegt hier im Mittelfeld: Für den mit 4,35 Franken schweizweit teuersten Durchschnittskaffee muss 6,6 Minuten lang Geld verdient werden.



Daraus muss nicht unbedingt geschlossen werden, dass das Leben in der Ostschweiz besonders teuer ist. Markus Bänziger, Direktor der Industrie-und Handelkammer St. Gallen - Appenzell (IHK), vermutet gegenüber dem «Tages-Anzeiger», die Zahlungsbereitschaft bei den genussbewussten Ostschweizern sei hoch, und dort würde man sich die gute Tasse eben etwas kosten lassen. Möglicherweise spiele auch der Service eine Rolle.

Hohe Marge für Gastronomen

In der Schweiz scheint auch ein gewisses Gefälle zu bestehen zwischen den deutschsprachigen Regionen, wo der Kaffeepreis über vier Franken liegt, und dem Rest. Hans-Peter Oettli, Präsident von Cafetier Suisse, glaubt laut «Tages-Anzeiger», dass die niedrigen Preise im Tessin und um den Genfersee mit der wesentlich billigeren Konkurrenz im nahen Ausland zu tun haben.



Die Preisdifferenzen können auch innerhalb der einzelnen Regionen gross sein, wofür Oettli die erheblichen Unterschiede zwischen städtischen und ländlichen Bereichen verantwortlich macht. Der Kanton Zürich könne hier als Paradebeispiel gelten. Die Gastronomen freuen sich, dass das Geschäft mit dem schwarzen Muntermacher floriert. Denn die Verdienstmarge ist beim Kaffee gemäss «Tages-Anzeiger» höher als beim Essen und sogar bei alkoholischen Getränken. 

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