Corona-Umfrage

Worüber sich Schweizer die grössten Sorgen machen

tafi

14.4.2020

Die Schweizer fürchten in der Coronakrise am meisten, dass sich ihre Freunde und Verwandten infizieren. (Symbolbild)
Keystone

Die Sorge vor den wirtschaftlichen Folgen der Coronakrise ist bei den Schweizerinnen und Schweizern bei weitem nicht so ausgeprägt, wie die Angst vor einer Ansteckung von Freunden und Verwandten. Das zeigt eine aktuelle Umfrage.

Um die Wirtschaft machen sich Herr und Frau Schweizer in der Coronakrise vergleichsweise wenig Sorgen. Laut einer Umfrage überwiegt die Angst, dass sich Freunde und Verwandte mit dem Coronavirus anstecken. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie der unabhängigen Marktforscherin Ursula Kaspar, über die unter anderem «20 Minuten» berichtet.

Fast 60 Prozent der Befragten gaben in der Studie «Wirtschaft und Corona» an, Angst «vor einer Ansteckung im Familien- und Freundeskreis und deren möglichen Folgen» zu haben. Die Gesundheit der Liebsten ist die mit Abstand grösste Sorge der Schweizer Bevölkerung. Vor dem Zusammenbruch des Gesundheitssystems fürchten sich 36 Prozent der Befragten, vor der eigenen Ansteckung mit Covid-19 haben 35 Prozent Angst.

Für Studienautorin Ursula Kaspar ist das Ergebnis keine Überraschung. «Das wirtschaftliche Ausmass ist für viele schwierig abzuschätzen. Das eigene Wohlbefinden und jenes von Freunden und Familie ist emotional viel näher und wichtiger», wird sie in «20 Minuten» zitiert. Dass die Angst um andere viel grösser ist, als um sich selbst, zeige zudem ein Verdrängungsverhalten: Die Mehrheit rechne nicht damit, selbst betroffen sein zu werden.

Mehrheit erwartet Krisenende bis Sommer

In dieses Bild passt, dass die überwiegende Mehrheit der Befragten davon ausgeht, die Krise und die damit zusammenhängenden Massnahmen seien bis zu den Sommerferien (57 Prozent) oder früher (acht Prozent) überstanden. Mit einer Normalisierung der Situation bis zum Herbst rechnen 18 Prozent, nur sieben Prozent befürchten, dass es ein Jahr oder länger dauern wird.

Die Coronavirus-Krise – eine Chronologie

Die wirtschaftlichen Folgen der Coronakrise, laut SECO könnte die Wirtschaft in einem Negativszenario um zehn Prozent schrumpfen, spielen bei den Ängsten eine vergleichsweise kleine Rolle. Zwar machen sich 31 Prozent der Befragten um persönliche finanzielle Folgen Sorgen. Aber die Angst vor einer Rezession treibt nur ein Viertel der Bevölkerung um. 23 Prozent befürchten einen Jobverlust, und 17 Prozent machen sich Gedanken um die wirtschaftlichen Folgen an der Börse.



Die Unterstützungsbereitschaft für die heimische Wirtschaft sei aber gross, freut sich Ursula Kaspar. Sie hatte in der Studie auch gefragt, wie die Schweizerinnen und Schweizer in der «Zeit danach» ihr Konsumverhalten anpassen wollen. Zwei Drittel wollen demnach mehr einheimische Produkte kaufen und verstärkt lokale Anbieter berücksichtigen. Fast die Hälfte (46 Prozent) wollen zukünftig wieder mehr im stationären Handel einkaufen und planen eher Ausflüge im Inland.

Über die Umfrage: Die selbstständigen Marktforscherin Ursula Kaspar befragte für die Studie 1012 Personen zwischen 14 und 69 Jahren in der Deutsch- und Westschweiz. Die Daten wurden zwischen dem 31. März und 7. April mit einem zertifizierten Tool (ISO 26362) online erhoben. Als Fehlerbereich werden +/- 3,1 Prozent angegeben.

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