Bundesrat soll Quarantäne kürzen – oder ganz streichen

SDA, gbi

9.1.2022 - 08:10

Die Erweiterung der Swiss-Covid-App zur Registrierungs-App ist laut Marcel Salathé auf Kurs. (Archivbild)
Der Epidemiologe Marcel Salathé bringt einen Vorschlag ins Spiel, wie die Quarantäne komplett abgeschafft werden könnte. 
Bild: Keystone

Wegen der hohen Fallzahlen in der Schweiz müsse der Bundesrat bei der Dauer von Quarantäne und Isolation dringend über die Bücher: Das fordern immer mehr Stimmen aus den Kantonen und der Forschung. 

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9.1.2022 - 08:10

Am lautesten wird in der Omikron-Welle die Sorge um das öffentliche und wirtschaftliche Leben diskutiert. Das hat seinen Grund: Am Freitag befanden sich nach Angaben des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) rund 89'989 Personen in Isolation und 28'247 Personen in Quarantäne – weil aber nicht alle Kantone in dieser Statistik eingerechnet sind, dürften es sogar bedeutend mehr sein

Immer mehr Gesundheitsexperten und Kantonsvertreterinnen fordern den Bundesrat deshalb dazu auf, die Quarantäneregel anzupassen. Die Landesregierung trifft sich in der nächsten Woche zur ersten Sitzung seit den Festtagen.

Konkret werden die Gesundheitsdirektorinnen und -direktoren von Zürich sowie der Ostschweizer Kantone. Sie haben den Bundesrat in einem Brief aufgefordert, die Quarantäne- und Isolationsdauer auf jeweils fünf Tage zu reduzieren. Das sagte die Zürcher Gesundheitsdirektorin Natalie Rickli in einem Interview mit der «NZZ am Sonntag». 

Bald zehnmal so viele Fälle in Zürich

Die SVP-Politikerin warnt, dass es wegen der Omikron-Variante allein im Kanton Zürich schon Ende Januar zu täglich bis zu 40'000 Infektionen kommen könnte – das wäre eine Verzehnfachung und würde die Gesellschaft lähmen. Deshalb müsse der Bund die Dauer der Quarantäne und der Isolation dringend auf fünf Tage reduzieren. 

Wer 48 Stunden symptomfrei sei, solle dann die Isolation oder Quarantäne beenden dürfen. Denn Omikron habe eine kürzere Inkubationszeit als frühere Varianten. Personen mit Symptomen müssten zu Hause bleiben.

Personalmangel wegen Omikron löst Run auf Temporärstellenvermittler aus

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Wegen Personalengpässen verursacht durch die Omikron-Welle wird in vielen Branchen derzeit händeringend nach schnell verfügbarem Personal gesucht. Betroffen sind vor allem Pflegeberufe, Gastronomie, Hotellerie, E-Commerce und Logistik. Personalvermittler wie Adecco oder Coople haben soviele Anfragen wie noch nie im Januar. Man spricht von einer"Ausnahmesituation».

07.01.2022

Auch Ricklis Parteikollege, der Berner Gesundheitheitsdirektor Pierre-Alain Schnegg, sagte dem Westschweizer Radio RTS am Samstagabend, er hoffe auf eine schnelle  Reduktion auf fünf Tage. «Danach wäre es gut, über die Abschaffung der Quarantänepflicht zu diskutieren.»

Der Präsident der Kantonsärzte, Rudolf Hauri, zeigt in der «NZZ am Sonntag» Verständnis für diese Forderung. «Auch ich würde es begrüssen, wenn der Bundesrat die Dauer von Isolation und Quarantäne verkürzen würde.» Denn es gebe Hinweise, dass mit Omikron Infizierte weniger lange infektiös seien.

Bereits vergangene Woche hatte der Wirtschaftsdachverband Economiesuisse deshalb eine Reduktion der Quarantänefrist für symptomfreie Personen auf fünf Tage gefordert. So könne die Gefahr von Produktionsausfällen gesenkt werden.

Tägliche Tests statt Quarantäne

Gar eine komplette Abschaffung der Quarantäne könnte sich der Epidemiologe Marcel Salathé unter gewissen Voraussetzungen vorstellen. Sein Vorschlag: Man müsste «jedem, der Kontakt mit einem Infizierten hatte, umgehend zehn Schnelltests zukommen lassen». Die betreffende Person sollte sich dann täglich testen. Solange die Tests negativ ausfielen, könnte sie «mit vorsichtigem Verhalten» auch wieder ihrer Arbeit nachgehen – das sagte Salathé in der «SonntagsZeitung».

Der Professor der ETH Lausanne räumt jedoch ein, dass es dabei ein Restrisiko gebe. In Anbetracht der grossen personellen Ausfälle, die der Schweiz drohten, sei dies aber verantwortbar.

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