Zensuriert RTS eigene Recherchen? 

dor/SDA

29.11.2018

Ihm setzte Laetitia Guinand mit hartnäckigen Recherchen zu: Der Genfer Staatsrat Pierre Maudet nach einer Sitzung mit der FDP-Parteileitung am Mittwoch in Bern.
Bild: Keystone/Peter Schneider

Die Investigativjournalistin Laetitia Guinand hat für die RTS immer wieder neue Details über die Abu-Dhabi-Reise des Genfer Staatsrats Pierre Maudet enthüllt. Nun soll sie krankgeschrieben sein.

Die Westschweizer Investigativjournalistin Laetitia Guinand, die mit immer neuen Enthüllungen über die umstrittene Luxusreise des Genfer FDP-Staatsrats Pierre Maudet nach Abu Dhabi aufwartete, berichtet seit Wochen nicht mehr.  Guinand sei «aktuell krank geschrieben», wird Laurent Caspary, Chefredaktor des Westschweizer Radios und Fernsehen (RTS) im «Tages-Anzeiger» zitiert.

Laut dem Bericht dementiert Caspary Gerüchte, wonach die Chefredaktion Guinand journalistische Fehlleistungen vorwerfe. Tatsache ist jedoch, dass ihr Arbeitgeber Guinand in der Phase, in der Maudet um seine politische Zukunft kämpft, hat verstummen lassen.

Gemäss einem internen Papier sorgt die Situation bei der RTS für Unruhe, schreibt der «Tages-Anzeiger». Journalisten werden demnach bei der Chefredaktion mit der Sorge vorstellig, dass auf «äusseren Druck Recherchen lahmgelegt werden, um hernach darüber zu schweigen». Die RTS-Führung bestätigt dem Bericht zufolge Druckversuche, «diese nähmen sogar zu, weist aber den Vorwurf zurück, Beiträge zurückzuhalten».

Beschwerde über Berichterstattung

Nach einem Radiobeitrag Guinands im Juni zu Maudets Reise beschwerte sich ein Mitglied des SRG-Regionalvorstands, Eric Benjamin, beim Direktor des Westschweizer Radios und Fernsehens RTS, Pascal Crittin. Nach einer zweiten Beschwerde Benjamins soll Guinand Berichten zufolge nur noch wenig gearbeitet haben. Benjamin ist bei der PR-Agentur Cabinet privé de Conseils tätig, ihr werden Beziehungen zu Maudet nachgesagt.

Guinand berichtete immer wieder über die Abu-Dhabi-Reise von Maudet im Jahr 2015. Gegen den teilweise entmachteten Sicherheitsdirektor führt die Genfer Staatsanwaltschaft ein Strafverfahren wegen Vorteilnahme der Reise. Maudet gab zu, über die Art der Reise und deren Finanzierung nicht die Wahrheit gesagt zu haben.

Guinand deckte laut einem Bericht der «NZZ am Sonntag» etwa auf, dass nach Maudets Rückkehr die in den Vereinigten Arabischen Emiraten ansässige Firma Dnata einen wichtigen Auftrag am Flughafen Genf erhielt.

Die Schlinge um den Kopf des angeschlagenen Staatsrats zieht sich immer weiter zu. Das Präsidium der FDP Genf will ihn nun doch zum Rücktritt aus der Kantonsregierung auffordern. Nun fordert ihn nach der nationalen auch die kantonale FDP zum Rücktritt auf.

Seit Oktober verstummt

Guinands letzte Maudet-Recherche erschien im Oktober in der Sendung «Rundschau», im Deutschschweizer Fernsehen. Die Reportage fand auch in der Westschweiz starke Beachtung. Im welschen Fernsehen wurde sie aber noch nicht gezeigt.

Während seiner Reise in die Vereinigten Arabischen Emirate im Jahr 2015 wurde Maudet von seiner Frau, seinen Kindern, dem damaligen Stabschef Patrick Baud-Lavigne und dem Unternehmer Antoine Daher begleitet. Der Aufenthalt in einem arabischen Palast mit der Möglichkeit, bei einem Formel-1-Grand-Prix zuzuschauen, wurde nicht «von einem Freund eines Freundes» bezahlt, wie Maudet zunächst behauptet hatte. Die Rechnung wurde vielmehr vom Kronprinzen des Emirats, Scheich Mohamed Bin Zayed bin Al-Nahyan, beglichen.

Wann Guinand wieder anfängt zu recherchieren, ist laut «Tages-Anzeiger» offen.

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