Arzt befruchtet Patientinnen mit seinem Sperma – Lizenz weg

gbi

26.6.2019

Der umstrittene Mediziner wird schon seit Jahren mit schweren Vorwürfen konfrontiert. (Symbolbild)
Bild: Keystone/Gaetan Bally

Ein kanadischer Mediziner hat mehreren Frauen mit dem falschen Sperma zur Schwangerschaft verholfen. Dass ihm nun seine Lizenz abgesprochen wurde, ist für die Opfer nur ein schwacher Trost.

Die schweren Vorwürfe, die gegen den Arzt Norman Barwin erhoben werden, reichen bis in die Siebzigerjahr zurück. Und sie seien «schlimmer als verwerflich» – so urteilte die Aufsichtsbehörde von Medizinern und Chirurgen der kanadischen Provinz Ontario, die am Dienstag den Fall verhandelte.

Das Gremium hat 13 Fälle dokumentiert, in denen Barwin Patientinnen entweder mit seinem eigenen Sperma oder jenem von Unbekannten zu einer Schwangerschaft verholfen hatte.

Man habe leider keine anderen Mittel, als Barwin die Lizenz zu entziehen, ihn zu büssen und öffentlich zu massregeln. Das hat jedoch vor allem symbolischen Charakter: Der heute 80-jährige Beschuldigte praktiziert bereits seit 2014 nicht mehr, wie die BBC berichtet. Er war bereits 2013 suspendiert worden, nachdem Anschuldigungen aufgekommen waren. Bei der Verhandlung in Toronto liess er sich durch seinen Anwalt vertreten.

«Ich fühlte mich beschmutzt»

Die Aufsichtsbehörde hörte auch mehrere Opfer des Hochstaplers an. Eine davon ist Rebecca Dixon. Zu erfahren, dass Barwin ihr biologischer Vater sei, sei «abstossend» gewesen, so die Frau mit Jahrgang 1990: «Ich fühlte mich beschmutzt.» Seine Tat sei in ihrer DNA verankert und sie werde diese eines Tages an ihre eigenen Kinder weitergeben.

Dixon sagt, sie habe bereits 15 Halbgeschwister entdeckt, seit sie Klarheit über ihren Erzeuger habe. Ihre Familie hat auch auf dem zivilrechtlichen Weg gegen Barwin geklagt. Die Eltern waren laut BBC stutzig geworden, weil sie beide blaue Augen haben, Rebecca aber braune. Eine DNA-Analyse bestätigte dann den schlimmen Verdacht.

Klage in Dutzenden Fällen

Eine andere Frau, der Barwin sein eigenes Sperma eingesetzt hatte statt jenem ihres Mannes, sagte über die schockierende Erkenntnis: «Ich fühlte mich misshandelt, schmutzig – fast als ob ich vergewaltigt worden wäre.»

Gemäss Medienberichten ist gegen Barwin eine Klage eingereicht, wonach 50 bis 100 Kinder zur Welt gekommen kamen, deren Mütter mit dem falschen Sperma behandelt wurden. Die DNA von elf Kindern soll mit jener von Barwin übereinstimmen.

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