Bancomaten im Visier – Polizei warnt vor Panzerknackern

dpa/gusi

28.12.2018

Der gesprengte Bancomat in Arzo im Kanton Tessin. Die Täter haben das Gerät komplett zerstört.
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Der Spuk dauert keine drei Minuten. Die Bande fährt vor, jagt den  Bancomaten in die Luft und klaut das ganze Geld daraus. Eine Masche, die in Europa drastisch zunimmt. Die Polizei schlägt Alarm.

Auch die Schweiz ist ins Visier der Panzerknacker geraten. Im November schlugen die Kriminellen im Tessin gleich zweimal zu. Zuerst sprengten sie einen Geldautomaten in Coldrerio in die Luft, nur eine Woche später ein Gerät der Raiffeisenbank in Arzo. In beiden Fällen gelang den Männer mit mehreren tausend Franken die Flucht. Bis heute fehlt von ihnen und dem Geld jede Spur.

Die Tessiner Sprengungen sind längst keine Einzelfälle. Ganz im Gegenteil. In Europa hat die kriminelle Masche derzeit Hochkonkjunktur. In Deutschland wurde 2018 fast jede Woche ein Gerät zerstört. In insgesamt 350 Fällen laufen derzeit Ermittlungen, wie die neusten Zahlen des Bundeskriminalamtes (BKA) zeigen.

Eine gefährliche Entwicklung, wie die Polizei jetzt mitteilt. «Die Gefährdung ist immens», sagt Jörg Reinemer, Sprecher des Polizeipräsidiums im deutschen Mittelhessen. Denn oft befinden sich die Geldautomaten im Erdgeschoss von Wohnhäusern, mit Blick auf die schwer einzuschätzenden Folgen einer Detonation könnten unbeteiligte Dritte leicht zu Schaden kommen. 

Organisierte Clans operieren in ganz Europa

Dass es sich bei den Panzerknackern um Einzeltäter handelt, glaubt die Polizei nicht. Dafür gleiche sich das Vorgehen zu sehr. Polizeisprecher Reinemer erklärt: «Die Männer suchen sich Automaten, die verkehrsgünstig gelegen sind. So können sie schnell über Hauptstrassen oder Autobahnen fliehen. Das tun sie gerne mit stark motorisierten Wagen und rücksichtsloser Fahrweise.» Die Beamten gehen davon aus, dass die Diebe «mit hoher Wahrscheinlichkeit» zur organisierten Kriminalität gehören. Ein Grossteil agiere bandenmässig, arbeitsteilig und sehr professionell.

Gleichwohl gehen die Diebe ein grosses Risiko ein: Für ihre Taten nutzen sie meist ein Gasgemisch - dessen Sprengkraft nur schwer zu kalkulieren ist. «Oft verläuft eine Sprengung nicht wie erhofft», berichtet Polizeisprecher Reinemer. Dann reicht die Kraft nicht, um den Automaten aufzuknacken. Oder die Wucht der Detonation ist so gross, dass sie nicht nur das Gerät zerstört, sondern auch das Gebäude in Mitleidenschaft zieht.

Die Diebe nehmen oftmals weite Wege in Kauf, um ihre Taten zu begehen: Bei den meisten Verdächtigen handelt es sich um reisende Täter aus dem europäischen Ausland, stellt das BKA fest. Das erschwert die Ermittlungen. Was sie ausserdem schwierig macht: Durch die Explosionen werden häufig Spuren vernichtet und es fehlen Zeugen, wie Reinemer auflistet.

In Deutschland aber auch in der Schweiz rüsten die Banken ihre Geldautomaten vermehrt auf. Doch wie sie genau gesichert sind, will niemand verraten. Den Tätern soll mit diesen Informationen nicht in die Hände gespielt werden.

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