Modell für die Schweiz? Dänemark will Klimaplakette für Lebensmittel 

12.10.2018 - 15:19, Johannes F. Kretschmann

Die dänische Regierung setzt bei ihrem Vorhaben darauf, dass die Konsumenten wissen möchten, wie sie einen Beitrag zum Klimaschutz leisten können, auch beim Lebensmittelkauf.
Bild: Getty Images/Archiv

Kunden in dänischen Supermärkten sollen zukünftig anhand eines Labels erkennen, wie klimaverträglich oder -schädlich ihre Einkäufe sind. «Bluewin» hat bei Coop und Migros nachgefragt, was sie davon halten.

Für Konsumenten ist es ein schwieriges Unterfangen, im Laden Lebensmittel anhand ihrer Auswirkungen auf das Weltklima zu bewerten. Viele Faktoren sind in unterschiedlichem Ausmass zu berücksichtigen: Energie- und Wasserverbrauch bei der Produktion, Düngung, Methanausstoss bei Wiederkäuern, Transportwege und Kühlung, um nur einige zu nennen. In Dänemark sollen sich die Kunden zukünftig einen raschen Überblick verschaffen können.

Im Rahmen ihres umfassenden und ambitionierten Klimaplans («klimaudspil») will die rechtsliberal-konserverative Regierung unter Staatsminister Lars Løkke Rasmussen in Kürze einen entsprechenden Sticker präsentieren. «Wir möchten damit Konsumenten die Möglichkeit geben, die Klimabilanz von Produkten zu beurteilen», erklärte Umweltminister Lars Christian Lilleholt von der liberalen Partei Venstre gegenüber The Local.

Morten Høyer, Direktor des dänischen Bauernverbands Landbrug & Fødevarer, billigt die Massnahme, weist aber in einer Stellungnahme auf mögliche Schwierigkeiten bei der Umsetzung hin: «Es könnte notwendig sein, die Klimabelastung zu den Nährwerten des jeweiligen Produktes ins Verhältnis zu setzen. Eine Flasche Mineralwasser mag geringe Auswirkungen auf die Umwelt haben, leben kann davon jedoch niemand.»

Andere Konzepte bei Coop und Migros

Bei den grossen Schweizer Detailhändlern ist die Skepsis ausgeprägter. Bruno Cabernard, Leiter Nachhaltigkeit bei Coop, kritisiert im Interview mit «Bluewin», dass eine «sehr eng gefasste Auszeichnung» wie diese «nur einen kleinen Teil des gesamten ökologischen Fussabdrucks eines Produktes» abdecken würde. Klimaschutz aufgefasst nur als rechnerische CO2-Reduktion würde wesentliche Umweltaspekte wie zum Beispiel Wasserverbrauch, Biodiversität, Tierwohl und soziale Aspekte nicht berücksichtigen.

Coop als Schweizer Bio-Marktführerin setze dagegen laut Cabernard auf «glaubwürdige, externe Gütesiegel» mit «strengsten Richtlinien bezüglich Nachhaltigkeit in allen Umweltbereichen». So werde beim gesamten Eigenmarken-Sortiment nur auf nachhaltiges und zertifiziertes Palmöl zurückgegriffen. Der konventionelle Anbau von Ölbaumplantagen ist durch die Abholzung von Regenwäldern klimaschädlich und ökologisch hochproblematisch.

Etikettierung freiwillig

Auch die Migros versteht «Nachhaltigkeit als gesamtheitliches, holistisches System». Es sei «nicht zielführend, nur eine Komponente auf dem Produkt darzustellen», wie Mediensprecherin Alexandra Kunz erklärt. Doch neben mehreren umweltrelevanten Kennzeichen weist die Migros auf ihren Waren auch ein besonders klimaeffektives Merkmal aus: Alle Waren, die mit dem Flugzeug transportiert wurden, werden als solche deklariert. Coop verfährt in derselben Weise, und beide Unternehmen kompensieren den dabei entstandenen CO2-Ausstoss.

Der dänische Umweltminister stimmt zu, dass die geplante Plakette etliche Herausforderungen beinhaltet. Er betont aber die Wichtigkeit, Verbraucher mit Informationen zu versorgen. «Meiner Einschätzung nach wollen Konsumenten wissen, wie sie einen Beitrag zum Klimaschutz leisten können.» Die Etikettierung soll freiwillig und in Zusammenarbeit mit den Supermarktketten erfolgen.

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