Philippinische Gastarbeiterinnen Kuwaiter Instagram-Star schockt mit «Sklavenhalter»-Posts

jfk

26.7.2018

Die 27-jährige Kuwaiterin Sondos Alqattan ärgert sich über gesetzliche Verbesserungen für philippinische Dienstmädchen.
Die 27-jährige Kuwaiterin Sondos Alqattan ärgert sich über gesetzliche Verbesserungen für philippinische Dienstmädchen.
Bild: Instagram Screenshot/sondos_aq

Instagram-Star Sondos Alqattan empfiehlt ihrer Fangemeinde, nie mehr ein Dienstmädchen von den Philippinen einzustellen. Die Influencerin aus Kuwait ist richtig sauer, dass man die Reisepässe der Gastarbeiterinnen offiziell nicht mehr einbehalten darf.

Mit ihren Schminkvideos erreicht die 27-Jährige via Instagram 2,3 Millionen Menschen aus dem arabischsprachigen Raum, mehr als halb so viele, wie ihr Heimatland Kuwait Einwohner zählt. Ein neues Gesetzespaket, das in dem reichen Emirat die Rechte der 250'000 Hausangestellten von den Philippinen stärken soll, hat ihren Zorn erregt. In einem YouTube-Video ereifert sie sich über die Reform.

Alqattan fragt darin rhetorisch, wie man ein Dienstmädchen zu Hause haben soll, wenn dieses den Reisepass behalten darf. Noch schlimmer sei, dass ihnen nun ein freier Tag pro Woche zustünde. Vier freie Tage im Monat! Tatsächlich wurde laut dem Magazin Spiegel im Mai ein Abkommen zwischen den Philippinen und Kuwait geschlossen, das den Gastarbeiterinnen mehr Rechte zugesteht. Auslöser war ein grausiges Verbrechen.

Im Februar hatte ein Kuwaiter sein Hausmädchen aus den Philippinen ermordet und ihre Leiche in die Tiefkühltruhe gesteckt. Das Opfer, Joanna Demafelis, wies Spuren von Misshandlung auf. Der geständige Täter wurde inzwischen zum Tode verurteilt, nachdem es zur diplomatischen Krise zwischen dem südostasiatischen Inselstaat und dem Wüstenemirat gekommen war.

Vergleich mit Sklaverei

Als vertrauensbildende Massnahme einigte man sich auf Verbesserungen der Arbeitsbedingungen. Demnach sollen die Dienstmädchen nicht mehr länger als 12 Stunden pro Tag arbeiten, einen freien Tag pro Woche und zusätzlich 22 Urlaubstage im Jahr bekommen. Ausserdem stünde jeder Frau ein Mobiltelefon mit Internetverbindung zu, und der Arbeitgeber müsse ihr nach zwei Jahren einen Heimflug bezahlen. Über ihren Reisepass dürften die Bediensteten während ihres Aufenthalts selbst verfügen.

Kuwaiter wie Alqattan, die sich Hausangestellte leisten können, fürchten wohl, von diesen als Sprungbrett für bessere Arbeitsstellen ausgenutzt zu werden, sobald die Kontrolle durch die gängige Passeinbehaltung wegfällt. Solche Fälle soll es auch gegeben haben. Ob die Gesetzesänderung die Lage der Gastarbeiterinnen in der Praxis wesentlich verbessert, ist fraglich.

Denn gemäss dem herrschenden Kafala-System bürgt weiterhin der Arbeitgeber für seine Gastarbeiterin. Wenn er sie entlässt, muss sie das Land verlassen. Das macht den Hausherren mächtig und das Dienstmädchen erpressbar. Die Posts von Alqattan haben neben empörten Usern auch Menschenrechtsorganisationen auf den Plan gerufen. Migrante International wirft der Instagram-Berühmtheit vor, sich wie eine Sklavenhalterin aufzuführen.

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