Der See der toten Fische

tali

5.3.2019 - 17:32

Verschwundene Seen und Millionen erstickte Fische: Am Beispiel der australischen Menindee-Seen zeigt sich, wie dramatisch die Folgen des Klimawandels schon jetzt sein können – und wie Versäumnisse der Politik sie noch verschärfen.

Dass ihre Seen einfach verschwinden, war für die Bewohner des kleinen australischen Ortes Menindee früher Normalität: Wenn es viel regnete, füllten sich die Becken mit dem Regenwasser, das irgendwann wieder verdunstet war – meistens dann, wenn es die Anwohner am dringendsten brauchten.

Damit sollte 1968 Schluss sein: Die wankelmütigen Seen wurden zu Wasserspeichern umfunktioniert, die in Regenzeiten gefüllt und in Trockenzeiten angezapft werden konnten. Doch nun, 50 Jahre später, sind die Menindee-Seen fast ausgetrocknet. Und in dem, was davon noch übrig ist, kam es in den vergangenen Wochen immer wieder zu millionenfachem Fischsterben.

Verkettung unglücklicher Umstände

Warum in der letzten Zeit immer wieder hunderttausende Tiere auf einen Schlag verendeten, ist mittlerweile bekannt; eine Kette unglücklicher Ereignisse führte zu dem grausigen Schauspiel: Immer wieder hatte die Region in den letzten Jahren mit Dürren zu kämpfen. In den Hochsommermonaten im Januar und Februar war es in diesem Jahr schlimmer als je zuvor. Der Darling River, der die Seenkette miteinander verbindet, trocknete aus. Daraufhin begannen in den nun stehenden, warmen Gewässern Blaualgen zu blühen.

Als die Temperaturen während einer Kaltfront plötzlich um 20 Grad fielen, starben die Algen ab, woraufhin sich Bakterien rasant vermehrten. Die wiederum verbrauchten einen Grossteil des Sauerstoffs, den die Fische in den Seen zum atmen brauchen. Die Tiere erstickten kläglich. Darüber, dass das eine Umweltkatastrophe ist, wie es Fischereiminister Niall Blair formulierte, sind sich alle einig. Uneinigkeit herrscht hingegen in der Frage, wer dafür verantwortlich ist.

Dreimal binnen weniger Wochen bot sich Anwohnern der Menindee-Seen  dieser grausige Anblick.
Keystone

Begünstigte Misswirtschaft die Umweltkatastrophe?

Das Wetter könne man nicht kontrollieren, befand Gladys Berejiklian, die Premierminister von New South Wales. Anwohner der Menindee-Seen werfen den zuständigen Wasserwerken vor, die Katastrophe begünstigt zu haben, indem verstärkt Wasser aus den Seen abgelassen wurde.

Der Zustand, indem sicher Darling River derzeit befinde, könne nicht nur mit dem Ausbleiben des Regens begründet werden, befand im «Sydney Morning Herald» auch Craig Moritz, Biologie-Professor der Australian National University. Die örtlichen Behören hätten es verpasst, Schutzmassnahmen zu ergreifen: «Es schockiert mich, dass nicht mehr genügend Wasser zur Verfügung stand, um in Trockenzeiten die Gesundheit des Gewässers zu gewährleisten».

Der Darling River, der die Seen verbindet, ist an vielen Stellen völlig ausgetrocknet. Hätte das verhindert werden können?
Keystone

Besserung nicht in Sicht

Beobachter fürchten, dass sich das Problem zukünftig sogar noch verschärfen könnte. Denn die örtliche Regierung hat vor, die Seen zu verkleinern, um das Wasserversorgungsystem zu optimieren. Forscher von der Universität Melbourne sprachen nach einer Untersuchung der Ereignisse die Empfehlung aus, die umstrittenen Pläne zu überdenken: Der Faktor Klimawandel müsste in die Planung mit einbezogen werden, da das aktuelle Vorhaben auf Basis von Messwerten erdacht wurde, die mittlerweile nicht mehr stimmen.

In Menindee bereiten sich Anwohner derweil seelisch darauf vor, wieder Tausende tote Fische in den verbliebenen Seen zu finden. Nach einer Hitzewelle dürfte in den nächsten Tagen wieder eine Kaltfront eintreffen. «Das Problem wird sich nicht von selbst lösen», prophezeit Forscher Quentin Grafton im «Sydney Morning Herald». «Und es wird nicht nur 2019 auftreten».

Klimawandel und Umweltverschmutzung in drastischen Bildern
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