Schweizer Gletscher belegt: Das war die schlimmste Zeit zum Leben

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23.11.2018

Ein Vulkanausbruch im Jahr 536 sorgte in der Folge für Dunkelheit, Kälte, Ernteausfälle und Hunger. (Symbolbild)
Donal Husni / Archiv

Nicht alles sieht gegenwärtig für die Menschheit rosig aus. Und doch: Es gab Zeiten, da ging es den Menschen um einiges schlechter. Welches die bislang schlimmsten Jahre überhaupt waren, wollen Forscher nun identifiziert haben.

Früher war alles besser? Von wegen. Gerne wird die Vergangenheit heute verklärt – und wer könnte es den Leuten angesichts von Klimawandel und politisch unruhigen Zeiten auch verdenken? Doch hilft es manchmal, genauer zurückzublicken, um die Dinge wieder in die richtige Perspektive zu rücken.

Schliesslich gab es Zeiten und Epochen, in denen es den Menschen wesentlich mieser ging als heute. Ein Team von Historikern und anderen Forschern benannte nun sogar die für die Menschheit schlimmste Zeit überhaupt. Die schrecklichsten Jahre, um am Leben zu sein, begannen demnach 536 n. Chr.

Vulkanausbruch, Hunger, Pest

Die Wissenschaftler identifizierten jenes Jahr als Anfang einer schieren Abfolge fürchterlicher Ereignisse für die Menschheit. Ein massiver Vulkanausbruch spuckte eine riesige Aschewolke aus, von der die nördliche Hemisphäre bedeckt wurde. Die Folge: dauerhafte Dunkelheit und ein Temperaturabfall, der zu Ernteausfall und Hunger führte.

Der Co-Leiter der Studie, Professor Christopher Loveluck von der University of Nottingham in Grossbritannien erklärt, dass sich das Elend anschliessend, im Jahre 542 n. Chr., noch verschlimmerte. Von Kälte und Hunger heimgesuchte Bevölkerungsgruppen im oströmischen Reich wurden in jenem Jahr von der Beulenpest heimgesucht.

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Schweizer Gletscher bringt Aufklärung

Doch woher kam die gigantische Aschewolke? Lovelucks Team will das nun in Zusammenarbeit mit dem Gletscherforscher Paul Mayewski vom Climate Change Institute der University of Maine herausgefunden haben. Eine entscheidende Rolle dafür spielte ein Gletscher in der Schweiz.

Durch die Analyse von Eisproben vom Colle Gnifetti Gletscher in den Schweizer Alpen konnten die Forscher die in den letzten 2000 Jahren abgelagerten Luftschadstoffe identifizieren. Laut der in der Zeitschrift Antiquity veröffentlichten Studie belegen die im Eis gefundenen Substanzen, dass der Ausbruch in Island und nicht in Kalifornien stattfand, wie frühere Untersuchungen behaupteten.

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30 Jahre Stagnation

Der Vulkanausbruch und die Pest verursachten eine wirtschaftliche Stagnation in Europa, die mehr als 30 Jahre dauerte. Erst im Jahr 575 gab es Loveluck zufolge erste Anzeichen einer Erholung. Belegt wird dies durch einen Anstieg der in der Luft befindlichen Bleipartikel, die sich in den Eisproben zeigen.

Bleierz wurde zum Schmelzen von Silber verwendet. Wird es gefunden und einer Epoche zugeordnet, ist dies der Nachweis dafür, dass das Edelmetall wieder gefragt war, um neue Münzen herzustellen. Die europäische Wirtschaft begann laut Loveluck ab 640 wieder schnell zu wachsen.

Am Ende zeigt die Studie vor allem eines: Auch wenn wir glauben, dass es 2018 viel zu beklagen gibt, müssen wir zumindest nicht gegen die Pest kämpfen und unter einer gigantische Wolke aus Vulkanasche bibbern.

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