Gefährliche Aufräumarbeiten halten Tschechien in Atem

SDA

27.6.2021 - 11:23

An aerial view of the village of Moravska Nova Ves, Czech Republic, as people begin to rebuild their lives Saturday June 26, 2021, after it was hit by a tornado Thursday.  A rare tornado Thursday tore through southeastern Czech Republic, leaving some reported dead victims and injuring hundreds more, while damaging over a thousand homes. (Dalibor Gluck/CTK via AP)
Luftaufnahmen zeigen das ganze Ausmass der Zerstörung, hier die Ortschaft Moravska Nova Ves in Tschechien, die besonders hart getroffen wurde.
Dalibor Gluck/CTK via AP/Keystone

Nach dem verheerenden Tornado im Südosten Tschechiens haben die Aufräumarbeiten am Wochenende Hunderte Helfer und betroffene Bürger in Atem gehalten. Rund 1200 Feuerwehrleute, 160 Soldaten und 200 Polizisten waren vor Ort im Einsatz.

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27.6.2021 - 11:23

Sie räumten Autos von den Strassen, die der Wirbelsturm umhergeschleudert hatte, beseitigten Schutt und Trümmer, stützten Wände ab und deckten notdürftig Dächer mit Plastikplanen ab.

Bei dem Unwetter am Donnerstagabend waren fünf Menschen ums Leben gekommen und rund 200 verletzt worden. Unter den Toten ist nach einem Bericht des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Tschechien auch eine schwangere Frau aus dem Nachbarland Slowakei, deren ungeborenes Kind ebenfalls starb. Verschüttete wurden am Sonntag nicht mehr unter den Trümmern vermutet.

Aus dem ganzen Land kamen Freiwillige hinzu, um bei der Beseitigung der Schäden zu helfen. Doch beim Aufräumen lauerten neue Gefahren: Mehr als 50 Menschen mussten im Krankenhaus behandelt werden, weil sie auf Nägel traten oder von herunterfallenden Balken getroffen wurden. Der Regionspräsident von Südmähren, Jan Grolich, ging von Sachschäden in Höhe von vielen Dutzenden Millionen Euro aus.

1200 Häuser betroffen

Luftaufnahmen zeigten das ganze Ausmass der Zerstörung. Nach Einschätzung der Behörden wurden in sieben Ortschaften 1200 Häuser beschädigt oder ganz zerstört. Besonders stark betroffen waren die Dörfer Moravska Nova Ves, Hrusky und Luzice. Statiker gaben bisher 60 Gebäude wegen Einsturzgefahr für den sofortigen Abriss frei.

Nach dem verheerenden Tornado im Südosten Tschechiens haben die Aufräumarbeiten begonnen. Foto: Peøina Ludìk/CTK/dpa
Nach dem verheerenden Tornado im Südosten Tschechiens haben die Aufräumarbeiten begonnen.
Peøina Ludìk/CTK/dpa

Nach Einschätzung des Wetterdienstes hinterliess der Tornado eine 500 Meter breite und 26 Kilometer lange Schneise der Verwüstung. «Ich habe den Krieg erlebt, aber so etwas habe ich im Leben nicht gesehen», sagte eine alte Frau der Agentur CTK.

Das Ministerium für Regionalentwicklung kündigte an, umgerechnet 17,5 Millionen Franken an Soforthilfen für den Wiederaufbau zur Verfügung zu stellen. Die Prager Regierung unter Ministerpräsident Andrej Babis will zudem Gelder aus dem EU-Solidaritätsfonds beantragen, der nach grossen Naturkatastrophen Hilfe leistet.

Hohe Hilfs- und Spendenbereitschaft

Präsident Milos Zeman sprach den Angehörigen der Opfer sein Beileid aus. In einer Fernsehansprache dankte er den Helfern. In Situationen wie dieser rücke die Nation zusammen und zeige Solidarität, sagte der 76-Jährige. Die Opposition setzte ihren Wahlkampf vor der Parlamentswahl Anfang Oktober vorübergehend aus.

Bei Hilfsorganisationen gingen innerhalb von kürzester Zeit umgerechnet knapp sechs Millionen Euro (rund 6,6 Millionen Franken) privaten Spenden für die Unwetteropfer ein. Die Hilfsbereitschaft der Menschen rief indes auch Betrüger auf den Plan: Sie veränderten einen Spendenaufruf so, dass der QR-Code mit den Überweisungsdaten auf ein anderes Konto verwies. Die Polizei mahnte daher zur Vorsicht.

Die Region im Grenzgebiet zu Österreich ist als Weinanbaugebiet bekannt und auch bei Touristen beliebt. Viele Einwohner der betroffenen Ortschaften standen am Wochenende noch unter Schock. Polizeipsychologen betreuten die Menschen vor Ort. Er habe innerhalb von Minuten alles verloren, was mehrere Generationen über hundert Jahre aufgebaut hätten, sagte ein Mann im Sender CT.

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