«Geschmacklos» und «schädlich»: Ferrari zofft sich mit Star-Designer

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2.8.2019

Philipp Plein hat Ärger mit Ferrari. Oder hat Ferrari Ärger mit Philipp Plein?
Keystone

Auf diese «Gratiswerbung» würde Ferrari lieber verzichten: Der Autobauer stört sich an Bling-Bling-Clips des Designers Philipp Plein, in denen auch die Luxuswagen vorkommen. Ein gehässiger Markenstreit ist entfacht.

Zwei stark geschminkte Models in viel zu kleinen Bikinis räkeln sich vor einem grünen Ferrari, twerken im Stringtanga an der Motorhaube und bespritzen sich vor dem Auto gegenseitig mit Wasser. Dazwischen werden immer wieder glitzerbesetzte Schuhe von Philipp Plein eingeblendet.

Was anmutet wie eine Mischung aus schlechtem Hip-Hop-Video und fragwürdigem Werbespot, ist ein privater Clip, den der Designer Philipp Plein auf seinem Instagram-Account hochgeladen hat. Der sorgt jetzt für Aufregung – vor allem in der Rechtsabteilung von Ferrari.

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Aus einem Schreiben, das Plein einige Tage nach der Veröffentlichung des Clips und zugehöriger Fotos bei Instagram hochgeladen hat, geht hervor, dass sich Ferrari gar nicht über die «Gratiswerbung» des deutschen Designers freut. «Die Marke Ferrari und ihre Automodelle werden auf Ihren Bildern mit einem Lifestyle in Verbindung gebracht, der der Markenwahrnehmung von Ferrari komplett zuwider läuft», formuliert Anwalt Fabrizio Sanna in der Abmahnung. Dabei nennt er die sexuellen Anspielungen, für die die Autos als Requisiten dienen, «per se geschmacklos». Das würde der Marke Ferrari schaden.



Ultimatum an den Designer

Und nicht nur das: Mit der «unerwünschten Verbindung», die Philipp Plein zwischen Ferrari und seinen Schuhen herstelle, verletze der Designer zudem die Rechte der Lizenznehmer, die ihre Schuhe tatsächlich mit dem weltbekannten Ferrari-Label promoten dürfen.

So veröffentlichte der Modemacher, dessen Firmensitz mittlerweile in Lugano liegt, etwa auch Bilder von einem Paar seiner Schuhe, die auf einem Ferrari im selben grünen Farbton drapiert wurden. Der Ferrari-Schriftzug und das Logo sind dabei gut erkennbar. Der Autohersteller gab Plein 48 Stunden, die betreffenden Aufnahmen zu löschen.

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Das Ultimatum liess der 41-Jährige nicht nur verstreichen, er holte stattdessen zum medialen Gegenschlag aus: «Ich kann nicht mal in Worte fassen, wie enttäuscht und angewidert ich von dieser ungerechtfertigten Anschuldigung gegen meine Person bin», empörte sich der Designer, der schon mehrfach in Heidi Klums Show «Germany's Next Topmodel» gefeatured wurde. Nachdem er in den vergangenen zehn Jahren vier Ferrari gekauft habe, halte er es für «absolut lächerlich», dass er als guter Kunde so einen Brief erhalte.

In einem weiteren Post nennt er das Vorgehen von Ferrari «Erpressung» und schreibt: «Ich habe 48 Stunden, um ein Bild von meinem eigenen Ferrari von meinem eigenen Instagram-Account zu entfernen??? Und wenn ich es nicht tue, was dann??? Nehmt ihr mir dann mein Auto weg?»

Die rechtliche Seite

Dafür hat Ferrari natürlich keine Handhabe. Sollte sich das Unternehmen aber dazu entscheiden, die Sache tatsächlich vor Gericht zu bringen, könnte der Autobauer durchaus als Sieger aus dem Streit hervorgehen: «Dadurch, dass Pleins Schuhe in einigen Fotos direkt neben dem Ferrari-Logo und in passender Farbe abgebildet sind, kann beim Käufer der Eindruck erweckt werden, dass die beiden Marken zusammenarbeiten. Das könnte den Vorwürfen der Markenrechtsverletzung Aufwind geben», argumentiert Anwältin Julie Zerbo in ihrem Blog «The Fashion Law».

Zumal das EU-Markenrecht verhindern soll, dass sich jemand mit ungenehmigten Gebrauch eines Markennamens unfaire Vorteile verschafft oder den Ruf einer älteren, bekannten Marke damit schädigt. Beides könnte in diesem Fall zutreffen, so Zerbo.

Aufmerksamkeit haben durch den Streit mittlerweile beide Marken gewonnen. Ob nun positive oder negative, das sei dahingestellt.

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