Novartis-Kritik Grosse Kritik an Novartis-Gentherapie für vier Millionen Franken

gusi

12.11.2018

Novartis lanciert ein neues Medikament gegen eine schwere Form von Muskelschwund. Die Behandlung, eine Infusion, soll vier Millionen Franken kosten.
Novartis lanciert ein neues Medikament gegen eine schwere Form von Muskelschwund. Die Behandlung, eine Infusion, soll vier Millionen Franken kosten.
Keystone

Novartis arbeitet an einer neuen Gentherapie gegen die Erbkrankheit spinale Muskelatrophie, einer schweren Form von Muskelschwund. Die Behandlung kostet vier Millionen Franken. Die Kritik der Ethiker ist gross.

Der Pharmakonzern Novartis bringt demnächst eine Gentherapie gegen die Erbkrankheit spinale Muskelatrophie Typ 1 auf den Markt. Der Pharmakonzern beziffert den Wert der Behandlung, die aus einer Infusion besteht, auf vier bis fünf Millionen Franken, wie die «SonntagsZeitung» schreibt. In den USA, der EU und Japan laufen die Zulassungsverfahren, in der Schweiz dürfte dies bald folgen.

Kinder, die mit dem Gen-Defekt geboren werden, sterben meist in den ersten zwei Lebensjahren. Sie können nicht selbstständig atmen oder schlucken. Laut der klinischen Studie lebten 15 mit der Gentherapie AVXS-101 behandelten Kinder nach zwei Jahren noch. Elf von zwölf Kindern, denen eine höhere Dosis appliziert wurde, konnten laut «SonntagsZeitung» sitzen, sich normal ernähren und sprechen.

Pro Jahr kommen in der Schweiz im Schnitt zwölf Kinder mit dem Gendefekt zur Welt.

Therapie nur für Reiche verhindern

Die Entwickler der Therapie gehen davon aus, dass die Therapie, mit der ein gesundes Gen eingeschleust wird, das Leben der Kinder um durchschnittlich 13 Jahre verlängern könnte. Trotz des medizinischen Erfolges löst der hohe Preis jetzt eine Debatte über die Kosten der Therapien aus. 

Für den Ethiker Alberto Bondolfi ist klar, dass eine neue wirksame Therapie für alle Menschen verfügbar sein muss. «Die medizinische Behandlung ist ein Grundrecht.» Es stelle sich die Frage, wie der Betrag von vier Millionen Franken zustande gekommen sei. Falls es sich um den Preis handle, mit dem die Entwicklungskosten gewinnbringend refinanziert würden, werfe dies ethische Fragen auf.

Kritiker fordern deshalb eine Preistransparenz und eine öffentliche Debatte darüber. Denn die hohen Preise, auch in der Krebstherapie, werden das Schweizer Gesundheitssystem in den nächsten Jahren stark belasten. Sie fordern eine Rahmengesetzgebung auf internationaler Ebene und eine staatliche Forschungspolitik. Es müsse dringend verhindert werden, dass sich nur Reiche diese Therapie leisten können.

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