Hitze bietet tropischen Zecken gute Bedingungen: Experten alarmiert

Silvana Guanziroli

15.8.2018

Eigentlich reichen einem schon die heimischen Zecken, die üble Krankheitserreger in sich tragen können. Wegen der anhaltenden Hitze fühlen sich jetzt auch ihre tropischen Verwandten hierzulande wohl. Ob sie bleiben?

Funde mehrerer tropischer Zecken in Mitteleuropa beunruhigen Forscher. In Deutschland registrierten Wissenschaftler in diesem Jahr insgesamt sieben Exemplare der Gattung Hyalomma. Die Forscher befürchten, die Tiere könnten bei zunehmender Wärme auch in Deutschland heimisch werden. Die Zeckenart wurde auch schon seit längerer Zeit in der Schweiz beobachtet. Die erste Sichtung fand bereits 1975 statt. «Die Zecke hat ihre ursprüngliche Verbreitung in nordafrikanischen oder südeuropäischen Staaten», erklärt Alexander Mathis, Professor am Institut für Parasitologie. «Sie wurde vor allem auf Zugvögeln festgestellt.»

Die Hyalomma-Zecken sind mit einer Länge bis zwei Zentimeter wesentlich grösser als der hiesige Gemeine Holzbock (Ixodes ricinus) und können an ihren gestreiften Beinen erkannt werden. Sie können Erreger diverser Krankheiten übertragen. In einem Tier fanden die Forscher Rickettsia-Bakterien, die das Zecken-Fleckfieber auslösen. Es führt beim Menschen zu Hautveränderungen und Fieber. Hiesige Zecken sind bisher als Überträger von Borreliose oder der nur schwer behandelbaren Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) gefürchtet.

Experten uneinig: Überlebt Zeckenart den Winter?

Ihren tropischen Verwandten gehe es bei der derzeitigen trockenheissen Witterung sehr gut, betonen die Wissenschaftler. «Wir gehen davon aus, dass wir mit immer mehr tropischen Zeckenarten in Deutschland rechnen müssen, die sich durch gute Wetterbedingungen hier ansiedeln können», sagte die Parasitologin Ute Mackenstedt von der Universität Hohenheim in Stuttgart. Dem widerspricht der Schweizer Parasitologe Mathis: «Mit der diesjährigen Hitzeperiode fühlten sich die Zecken hier natürlich heimisch. Den Winter werden die Tiere in der Schweiz allerdings nicht überleben. Dafür ist es in unseren Breitengraden für sie einfach zu kalt.»

Die in diesem Jahr gefundenen tropischen Zecken gehören zu den Arten Hyalomma marginatum und Hyalommarufipes. Sie können nicht nur Erreger des Zecken-Fleckfiebers übertragen, sondern auch den viralen Verursacher des gefährlichen Krim-Kongo-Fiebers. Die Hyalomma-Zecken gelangten nach Vermutung der Experten über Vögel nach Deutschland. Die meisten Zecken fanden sich an Pferden. Grund: Deren Besitzer kommen den Tieren beim Striegeln sehr nahe und bemerken so die Parasiten leicht.

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