Korruption und Partys mit Callgirls – Genfer Polizei unter Beschuss

Bluewin

9.4.2019 - 17:05

Das belastende Material gegen die Genfer Polizei wurde nur durch Zufall gefunden.
Symbolbild: Keystone/Martial Trezzini

Westschweizer Medien haben eine Korruptionsaffäre bei der Genfer Polizei ans Licht gebracht. Etlichen Polizisten werden Bestechlichkeit und Verletzung des Amtsgeheimnisses vorgeworfen.

Die Affäre, über die zuerst die Zeitung «GHI» am Samstag berichtet hat, nahm ihren Anfang im Kanton Wallis. Abgespielt hat sie sich aber im als zwielichtig bekannten Genfer Viertel Les Pâquis.

Barzahlung verrät Kriminellen

Laut dem Bericht von RTS wollte ein Genfer, der seit etwa 15 Jahren im Prostitutionsgewerbe tätig war, in ein Immobilienprojekt im Wallis investieren. Er reiste deshalb mit einer halben Million Franken an und wollte bar bezahlen. Der Vorgang machte die Akteure der Transaktion jedoch misstrauisch.

Der Mann wurde darum der Genfer Steuerbehörde gemeldet. Die kantonale Steuerverwaltung stellte fest, dass er pro Jahr nur Einkünfte in Höhe von 40‘000 Franken deklariert hatte. Der etwa vierzig Jahre alte Genfer wurde in der Folge festgenommen und kam in Untersuchungshaft. Dort sitzt er laut RTS auch zwei Monate nach den Ereignissen noch.

Belastende Fotos, Videos und Dokumente

Mit der Durchsuchung des Handys des Verhafteten öffneten die Ermittler, ohne es zu ahnen, eine wahre Büchse der Pandora: Sie stiessen auf zahlreiche WhatsApp-Nachrichten zwischen dem Beschuldigten und mehreren Polizisten. Die Mitteilungen wurden über einen Zeitraum von sechs Jahren hinweg ausgetauscht.

In den Archiven des Nachrichtendienstes fanden die Ermittler zahlreiche Fotos, Videos und Dokumente, die ein problematisches und potenziell illegales Verhalten der Beamten belegen. Mindestens 20 Polizisten sind betroffen: Gendarmen von der Dienststelle in Les Pâquis, Beamte der Gemeindepolizei und sogar Mitglieder des Prostitutions-Dezernats der Kriminalpolizei.

Mehreren übereinstimmenden Quellen zufolge werden ihnen drei verschiedene Straftaten vorgeworfen. Einerseits sollen einige Beamte an den Geschäften des Zuhälters beteiligt gewesen sein. Sie sollen finanzielle Beiträge zur Anmietung von Wohnungen für Prostituierte geleistet haben.

Andere sollen bei Gelegenheit im Auftrag des Beschuldigten Frauen vermittelt haben, und zwar gegen Entgelt. Schliesslich soll der Angeklagte den Beamten im Rahmen von Sexpartys, von denen einige auch gefilmt wurden, kostenlos Champagner und Callgirls zur Verfügung gestellt haben.

Weitreichende Verzweigungen

Die Generalinspektion der Dienststellen (IGS) ist mit den Ermittlungen in dieser sensiblen Affäre betraut. Sie arbeitet in einer extrem angespannten Arbeitsatmosphäre mit der Finanzbrigade der Kriminalpolizei zusammen. Generalstaatsanwalt Olivier Jornot soll verlangt haben, dass jeder Polizist, der mit den Ermittlern über diese Affäre spreche, sofort zu ihm geschickt werde.

Ein weiteres Ereignis bezeugt die weitreichenden Verzweigungen der Affäre. Ein erst vor drei Monaten zur IGS berufener Inspektor musste die Behörde für interne Ermittlungen wieder verlassen. Denn das ehemalige Mitglied des Prostitutionsdezernats ist ebenfalls in die Geschichte verwickelt.

Behörden schweigen

Staatsrat Mauro Poggia, Leiter des Departements für Sicherheit, Beschäftigung und Gesundheit (DSES), sowie die Genfer Polizeichefin, Monica Bonfanti, wollten die Affäre auf Nachfrage des Genfer Journals «GHI» nicht kommentieren.

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