Lage in Flut-Gebieten spitzt sich zu

SDA

19.8.2018 - 11:18

Vor dem Hintergrund der sich zuspitzenden Lage in den südindischen Überschwemmungsgebieten ist die Zahl der Toten auf 357 gestiegen. Im Bundesstaat Kerala wurden dutzende weitere Tote befürchtet.

Armee und Rettungskräfte kämpften sich am Sonntag in von den Wassermassen eingeschlossene Ortschaften vor. "Kerala erlebt die schlimmste Flut seit hundert Jahren", erklärte der Regierungschef des Bundesstaates, Pinarayi Vijayan, im Kurzbotschaftendienst Twitter.

Die Überschwemmungen halten seit mehr als einer Woche an. Allein binnen 24 Stunden kamen nach Behördenangaben 33 Menschen ums Leben.

Der wegen seiner Traumstrände und malerischen Teeplantagen bei Touristen beliebte Bundesstaat Kerala leidet in diesem Jahr unter besonders heftigen Monsun-Regenfällen. Aber auch andere Bundesstaaten, darunter Karnataka nördlich von Kerala sowie Madhya Pradesh im Landesinneren, sind betroffen.

In vielen Städten und Dörfern in Kerala gab es weder Strom noch Telefonverbindungen. Tausende Menschen harrten in von den Wassermassen eingeschlossenen Ortschaften aus. Über soziale Medien veröffentlichten zahlreiche Bewohner verzweifelte Hilferufe.

Retter und Armee versuchten fieberhaft, die Menschen aus der Luft mit Lebensmitteln und Wasservorräten zu versorgen. Reis und Trinkwasser wurden mit Sonderzügen nach Kerala gebracht.

Fast 360 Tote, Tausende Obdachlose und teilweise meterhoch überflutete Strassen - die Lage in den Überschwemmungsgebieten in Indien spitzt sich zu.
Source: KEYSTONE/AP

Zehntausende obdachlos

Mehr als 30 Armeehelikopter er und hunderte Boote waren im Rettungseinsatz. Mancherorts liehen sich Retter Boote von Fischern, um nach Opfern suchen zu können. Auf Bildern waren alte Frauen zu sehen, die Bündel mit ihren kostbarsten Besitztümern festhielten, während sie per Boot in Sicherheit gebracht wurden.

Den Behörden zufolge wurden tausende Menschen bereits in Sicherheit gebracht; tausende weitere warteten noch auf Hilfe. Insgesamt mussten etwa 350'000 Menschen ihre Häuser verlassen. Zahlreiche Häuser sind völlig zerstört worden - Behörden rieten den geflohenen Bewohnern dringend von der Rückkehr ab.

In dem Ort Mala stieg das Wasser nach Angaben von Rettungskräften auf bis zu viereinhalb Meter. Unter den Toten in dem Ort waren eine Mutter und ihr Sohn, deren Haus über ihnen eingebrochen war.

Modi: Verheerende Krise

Premierminister Narendra Modi machte sich am Samstag bei einem Flug über die am schlimmsten betroffenen Gebiete ein Bild von der Lage. Er sprach von einer "verheerenden" Krise. Die Regierung stellte 75 Millionen Dollar zur Verfügung, die Regierungen anderer Staaten insgesamt etwa 20 Millionen Dollar.

Bislang werden die Schäden auf eine Höhe von drei Milliarden Dollar geschätzt. Die Opposition forderte die Regierung auf, die Überschwemmungen zur "nationalen Katastrophe" zu erklären.

Die Menschen in Kerala kämpfen seit dem 8. August mit ausserordentlich heftigen Monsunregenfällen. Laut Vorhersage sollen die Regenfälle in den kommenden Tagen abnehmen, wie die Zeitung "The Times of India" berichtete. Der wichtigste Flughafen der Region in Kozhikode soll noch für mindestens eine Woche geschlossen bleiben.

Die Monsun-Saison dauert in Indien von Juni bis September. Die Regenfälle sind unerlässlich für die Landwirtschaft der Region, können aber enorme Zerstörungen anrichten.

Schlimmste Flut in Südindien seit 100 Jahren
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