Londoner Polizisten schockieren das Land mit Leichenfotos, Vergewaltigung und Mord

SDA

6.12.2021 - 09:29

Auf sie konzentriert sich die Kritik an der Polizei: Cressida Dick, Leiterin der London Metropolitan Police.
Keystone / David Parry / PA Wire / dpa

Das Vertrauen in die britische Polizei ist auf einem Tiefpunkt. Im Mittelpunkt steht die Londoner Metropolitan Police. In mehreren Fällen haben Polizeibeamte schwere Straftagen begangen und jedes Mal waren Frauen Opfer.  

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6.12.2021 - 09:29

Auslöser der grössten Vertrauenskrise der britischen Polizei ist der Mord an Sarah Everard. Im März ist die 33-Jährige in Südlondon spurlos verschwunden, eine Woche später ist ihre Leiche entdeckt worden. Der Täter: Ein Polizist der Londoner Metropolitan Police (Met). Er hatte die junge Frau unter Vorspiegelung einer Kontrolle verschleppt, vergewaltigt und ermordet. In derselben Einheit diente ein Mann, gegen den derzeit ein Verfahren läuft – er soll mehrere Frauen sexuell missbraucht haben.

Heute Montag folgt nun die Urteilsverkündung gegen zwei Met-Beamte, die nach einem internen Verfahren bereits gefeuert wurden. Sie waren eingeteilt, um den Ort eines satanistischen Doppelmords an zwei Schwestern abzuschirmen – und nutzten ihre Position, um mit ihren Handys Fotos der Leichen und Selfies mit den Opfern zu machen und in Chatgruppen zu teilen. «Tote Vögelchen», schrieben sie unter anderem dazu. «Ihre Handlungen sind beschämend», kritisierte Assistant Commissioner Helen Ball, die dritthöchste Beamtin der Met Police, die beiden Beamten.

Polizeichefin Cressida Dick unter Druck

Doch trotz der internen Ermittlungen: Die Mutter der ermordeten Schwestern ist empört und hat sich Londons Polizeichefin Cressida Dick vorgeknöpft. Die Entschuldigung Dicks komme nicht von Herzen und sei unprofessionell gewesen, kritisiert Mina Smallman. «Es ist Zeit für sie, zu gehen.» Es ist nicht das erste Mal, dass Dick, sowohl die erste Frau als auch die erste offen homosexuell lebende Person in diesem Amt, in der Kritik steht.

Doch die Polizei-Krise geht weit über London hinaus. «Das schmälert das Vertrauen der Öffentlichkeit», zitierte die Zeitung «Guardian» unlängst eine Regierungsquelle. «Die Met strahlt ins ganze Land.» Ein ranghoher Polizeibeamter sagte dem Blatt: «Das Vertrauen sinkt seit 18 Monaten.»

Umfragen füttern diese Einschätzung. Anfang Oktober ermittelte das Meinungsforschungsinstitut Yougov, dass erstmals seit Beginn der Erhebung im Juni 2019 die Zahl jener Briten grösser ist, die kein Vertrauen in die Polizei hatten, als die Anzahl derjenigen, die ihr vertrauen. Auslöser ist auch hier die Met: Nur ein Drittel der Befragten vertraute der Hauptstadtpolizei.

Extrem tiefe Aufklärungsrate bei Vergewaltigungen

Für Kritiker ist klar, dass Polizeichefin Dick es nicht schafft, ihre Behörde zu reformieren. Immer wieder gibt es Vorwürfe, die Met sei frauenfeindlich, homophob und rassistisch. In den vergangenen elf Jahren gab es gegen mehr als 750 Beschäftigte der Met Police Vorwürfe wegen sexuellen Fehlverhaltens. Dutzende erhielten die Kündigung.

Die Kultur sei verdorben, heisst es. Als nach dem Mord an Sarah Everard Hunderte gegen Gewalt gegen Frauen demonstrierten, wurden die Proteste gewaltsam aufgelöst. Dick verteidigte das Vorgehen.

Hinzu kommt, dass die Aufklärungsraten bei Vergewaltigungen extrem niedrig sind, die Zahl der Messerattacken auf einem Rekordstand. Doch bisher geniesst Dick parteiübergreifende Rückendeckung. Sowohl der Labour-Bürgermeister von London, Sadiq Khan, als auch die konservative Innenministerin Priti Patel, stellten sich nach scharfer Kritik hinter Dick. Dicks Vertrag wurde erst in diesem Jahr verlängert.

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