Mediale Panikmache: Das steckt wirklich hinter der «Momo-Challenge»

tsha

1.3.2019 - 15:48

Angeblich taucht die Gruselfigur Momo in Videos für Kinder auf. «Fake News», sagt jetzt eine britische Organisation.
Screenshot

Seit einigen Tagen treibt die «Momo-Challenge» wieder ihr Unwesen im Internet. Doch hinter dem angeblichen Phänomen steckt vor allem Panikmache durch Boulevardmedien. Und das ist nicht ungefährlich.

«Momo erscheint jetzt in Kinder-Videos auf Youtube», titelt heute das Portal «20 Minuten». Die Gruselfigur Momo, so heisst es in dem Beitrag, tauche «auf Youtube auf – und zwar ausgerechnet in Kindervideos». Dort würde Momo Kinder auffordern, sich umzubringen und sich oder andere zu verletzten. Unter Berufung auf einen Bericht der britischen Boulevardzeitung «Daily Mail» behauptet der Artikel, englische Schulen würden vor den angeblichen Videos warnen.

Ein Video, in dem Momo auftaucht, scheint «20 Minuten» selbst allerdings nicht zu kennen – ebensowenig wir übrigens YouTube. Via Twitter teilt das Unternehmen mit, es seien keine entsprechenden Clips bekannt.

Tatsächlich scheint es sich bei der sogenannten «Momo-Challenge», die 2018 bereits für Schlagzeilen sorgte, um einen schlechten Scherz zu handeln. Bereits gestern berichtet der «Guardian», es gebe die angeblichen Videos gar nicht. Das «UK Safer Internet Centre» bezeichnet die «Challenge» und Berichte über angebliche besorgte Eltern in dem Artikel als «Fake News». Die Organisation «National Society for the Prevention of Cruelty to Children» stellt klar, sie habe deutlich mehr Anrufe von Journalisten erhalten als von besorgten Eltern.

Facebook-Post als Ursprung des Phänomens

Trotzdem teilen auch im deutschsprachigen Raum mehrere Medien die Berichte von der angeblichen «Momo-Challenge», so auch die «Bild»-Zeitung: «Eltern, aufgepasst!», titelt das Blatt, «Selbstmord-Aufrufe in
YouTube-Videos für Kinder». Als Beleg dient unter anderem ein Bericht der nicht gerade als Qualitätsmedium bekannten «Sun»

Wie Kat Tremlett vom «UK Safer Internet Centre» dem «Guardian» erklärt, sei nicht die angebliche «Momo-Challenge» gefährlich für Kinder, sondern die mediale Panikmache. «Das Thema öffentlich zu machen, hat junge Menschen nur noch neugieriger gemacht», so Tremlett. Durch die vielen Medienberichte hätten viele Kinder nun furchtbare Angst – und diese Angst wiederum bringe noch mehr Medienberichte über die «Momo-Challenge» hervor. 

Die Figur Momo stammt ursprünglich von einem japanischen Künstler. Bilder der Skulptur waren erstmals im Sommer 2018 im Internet aufgetaucht. Der aktuelle Medienhype um Momo, so schreibt der «Guardian», habe seinen Ursprung übrigens in einem einzigen Facebook-Post. In dem Beitrag habe eine Mutter ein Gerücht weitergegeben, das ihr Sohn in seiner Schule aufgeschnappt habe – und Dutzende Medien haben die Geschichte ungeprüft weiterverbreitet.

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