Notlandung, Sanktionen, Shutdown – Passagierjet steckt im Iran fest

tjb

13.2.2019

Eine solche Norwegian-Maschine vom Typ Boeing 737 – hier ein Archivbild – steckt seit zwei Monaten im Iran fest.
Bild: Keystone/EPA/TT/JOhan Nilsson

Mitte Dezember muss eine Maschine der Billig-Airline Norwegian im Iran notlanden. Eine Odyssee beginnt  – mit noch offenem Ausgang. 

Ende 2018 plant Dario Sanguini mit seiner Freundin einen Trip durch Europa, der sie von Norwegen quer durch halb Europa führen soll. Weil das Geld knapp ist, buchen sie schliesslich einen Flug mit der skandinavischen Billig-Airline Norwegian.

Triebwerkprobleme zwingen zur Landung

Auf dem Flug vom Ausgangsort Dubai in die norwegische Hauptstadt Oslo bemerkt Dario, dass das Flugzeug Probleme hat: Der Flieger macht abrupte Bewegungen und fliegt viel zu tief über eine Bergkette. Und tatsächlich meldet sich kurz darauf der Pilot über den Lautsprecher: Wegen Problemen mit einem Triebwerk müsse man notlanden – der nächste Flughafen: Shiraz, Iran.

Die Boeing 737 setzt zur Landung an, und obwohl nur noch eine von zwei Turbinen läuft, sei es die beste Landung gewesen, die er je erlebt habe, sagt Dario im US-Podcast «Planet Money». Doch in Wahrheit beginnen mit der sanften Landung die Probleme für Passagiere und Betreiberin des Flugzeugs erst richtig.

Luxuskäfig für die Passagiere

Zum einen brauchen Europäer ein Visum, um in den Iran einzureisen – ein Visum, über das weder Passagiere noch Crew verfügen, weil die Boeing das Land eigentlich nur überfliegen sollte. Nach einigen Verhandlungen werden die Passagiere zwar auch ohne Visum ins Land gelassen – allerdings müssen sie ihre Pässe am Flughafen lassen.

Das Hotel, in das sie gebracht werden, ist zwar luxuriös, doch die Passagiere sind dort wie gefangen, sie dürfen die Unterkunft nicht verlassen. Und zum Frust der zahlreichen Iren und Schotten aus dem Norwegian-Flug können sie den Schock der Notlandung auch nicht mit einem Bier oder einem Whisky herunterspülen: Alkohol ist im Iran verboten, das Hotel verfügt nicht mal über eine Bar. Zudem müssen sich die Passagierinnen nach islamischer Vorschrift verschleiern, auch im Innern des Hotels. Widrigkeiten ohne Ende, doch bald können die gestrandeten Passagiere mit einem Ersatzflugzeug weiterfliegen.

Kein Weiterfliegen wegen Sanktionen 

Schwieriger ist es um das gestrandete Flugzeug bestellt: Die erst kürzlich in Betrieb genommene Boeing 737 Max braucht Ersatzteile für die defekte Turbine. An den allermeisten europäischen Flughäfen wäre das ein Leichtes. Nicht so im Iran: Die US-Regierung hat das Land nach einer kurzen Tauwetterphase wieder mit umfassenden Sanktionen belegt. Kein US-Unternehmen darf Waren in die islamische Republik liefern – bei Verstoss drohen hohe Bussen und sogar Gefängnis für die Verantwortlichen.

Die Sanktionsbestimmungen sehen zwar einige wenig Ausnahmen vor, doch scheint keine davon geeignet, das Problem mit dem gestrandeten Passagierjet zu lösen. Besonderes Pech hat Norwegian auch des Zeitpunkts wegen: Wenige Tage nach der Notlandung in Shiraz kommt es in den USA zum sogenannten Government Shutdown, zu einem Regierungsstillstand wegen fehlender Mittel. Betroffen ist auch die Behörde, die für die Einhaltung der Sanktionen und für mögliche Ausnahmen verantwortlich ist.

Das alles hat dazu geführt, dass der Norwegian-Jet auch zwei Monate nach der unfreiwilligen Landung noch in Shiraz auf dem Flughafen steht. Sprecher der Fluggesellschaft wollen bisher keine Prognosen abgeben, wann das Flugzeug wieder abheben kann. «Planet Money» schätzt, dass eine am Boden gebliebene Maschine im Monat rund eine halbe Million Franken kostet.

Für die 186 Insassen des Flugs ist das Abenteuer nach mit dem Abflug aus Iran noch nicht zu Ende gewesen: Weil jenes Flugzeug schwerer und der Gegenwind stärker waren als erwartet, gibt es eine weitere ausserplanmässige Landung. Diesmal in Polen, von wo immerhin das Wegkommen einfacher gewesen ist.

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